Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

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daS badljchi Sodom und Gomorrha gemr vom
Himmel hcrabzurufen!

Bruchsal, 1ö. Sehtbr. Vom 12. bis 14.
dieses lagte dahicr dcr Ausschutz deS VereinS
dcr deutschen Strafanstaltsbeamten, bestehend
aus 20 Mitgliedern; eS waren dabei fast alle
deutfchen Staaten vertreten. Gegenstand der
Bcrathung war cine Normalslatistik für die
d-utschcn Strasanstalten, und man hat sich
deshalb zu Normcn über den gröhtcn Theil
der Statistik gccinigt. Die nächste VereinS-
versammlung findet Ende Mai k. Z. in DreS-
den statt.

Arankfurt, 18. Sept. Die gejchästslei-
tende Kommission dcs Scchsunddreihiger AuS-
schusseS bat zwei Rundschreiben erlassen. Jn
dem erften derselben, gcrichtet an alle Mitglie-
der der deutschen Landesvertretungen, wird
zunächst AuSkunft ertheilt übcr Ort und Zeit
der Versammlung u. dgl. Sodann jchlietzt

Dre geschaMelttnd^Kommissw^ des^3b^^^^

Das zweite Aclenstück ist eine Zuschrift an
die Schleswig-Holstein-Vereine; richtet die Auf-
merksamkeit derselben auf die am 1. Qctoder
stattsindende allgemeine Versammlung der Mil-
glieder der deutschen LandeSvertretungen und
fährt dann fort:

vtet Adbruch geschah, habe ich mich entschließen
müffen, es auch für denselben Preis zu thun." —
Präs.: „Wiffen Sie denn, waS der Angeklagte mit
den Wechseln machte?"— Zeuge : „Er kaufte außer-
halb Berlin alleS Mögliche dafür, z. B. Eigarren-
spttzcn, Seife, Grstügel, Wildprett, kurz was er
nur irgend bekommrn konntc." — Präs.: „Wiffen ^
Sie denn, daß Sie dadurch Theilnehmer etnes Be-
truges geworden find?" — Zeuge: „Nein, es war
zwischen uns ausgemacht, daß der Angeklagte die
Wechsel zur Verfallzeit einlösen solle; hat rr dieS
nicht gethan, so ist es nicht meine Schuld." —
Präs.: „llnter den Wechseln, die der Angeklagte
auSgegeben hat, befinden fich auch einige mit der
llnterschrift B. L. . . und Bernhard L. . ., ist
Ihnen darüber etwaS bekannt?"— Zeuge: „O ja!
es find dies zwet verschiedene Firmen, Herr Prä-
fident, aber während das Accept von Bernhard
L .. . ebenso honvrirt wird wic meine Unterschrift,
ist die von B. L. . . nichts werth und ziemlich
umsonst zu haben." — Pras.: „Was haben Sie

Dr. M ü l l er. G. Fr. Kolb.

Wiesbaden, 14. Sept. Jn der heutigen
Ständeversammlung erklärte der Regierungs-
commissär, auf die bezügliche Anfrage der Ab-
geordneten König und Knapp, daß die Regie-
rung dem nächsten Landtage eine Vorlage über
"Einberufung des obligatorischen TurnunterrichtL
in den Elemenlar- und höhercn Schulen vor-
legen werde.

Leipzig, 18. Sept. Die Strike der Bäcker-
gesellen verläuft friedlicher, als es den Anschein
hatte. Die Mitglieder des Strike - Comite's
sollen ihren Meiftern gcstern erklärt haben, daß
sie unter den früheren Bedingungen in Arbeit
zu bleiben vorzögen. .

Hamburg, 18. Sept., Abends. Herr v.
Halbhuber ist von Kiel hier eingetroffen und
reist nach Dresden weiter.

Hamburg, 18. Septbr., Abends. Der
„Börsenhalle" wird aus Wien 4elegraphirt:
„Bei' der Auszahlung der lauenburgischen Ent-
schädigungssumme ergab sich eine Differenz zwi-
-schen den Alliirten, indem man von hier aus
für den Rigsdaler entschieden 22^ Sibergro-
fchen verlangt, währen^ man in Berlin an
22^/g sesthälr. Es heißt, die Differenz sei jetzt
provisorisch dadurch beigelegt, daß Oesterreich
unter dem Vorbehalt, auf dem Wege nachträg-
licher Verhandlungen sein Recht auf den Rück-
stand von Sgr. geltend zu machen, die Em-
pfangnahme des Geldes angeordnct habe.

Berlin. 18. Tept. Nach der Börsen-Ztg.
ist die Auszahlung der lauenburgischen Abftn-
dungssumme heute im Bankgebäude in preu-
ßischen Silberthalern erfolgt. Als Vertreter
des Herrn v. Bismarck fungirte dcr Finanz--
minister von Bodelschwingh; S. Bleichröder
quittirte im Auftrage des Hrn. v. Rothschild
als österreichischer Bevollmächtigter. Das Geld
wird heute Abend mit einem Separatzug ab-
gesendet.

Berlin, 18. Sept. Jn dcr nächsten Woche
reist Graf Bismarck mit Gemahlin und Toch-
ter nach Biarritz.

Kiel, 18. Sept. Die „Kieler Zeitung" be-
richtet, daß die dänischerseits auszuliefernden
Capitalien der Herzogthümer im Betrag von
4 Millionen Bankthalern in Schleswig einge-
troffen sind. — Herr v. Roon inspicirte die
Kriegsschiffe. Die Flottenetabliffementsbauten
sind bis auf Weiteres eingestellt.

F r a n k r e i ch.

Paris, 18. Scpi. Nach den Berichlen dcr
Zournale von Marseille und Toulon und den
in beiden Städten getroffenen Sanitätsmaß-
regeln zu schließen, ist die Cholera dort noch
immer im Zunehmen. * Jn Marseille herrscht
diese Krankheit schon 56 Tage, seit dem 23.
Juli, wenn auch Anfangs nur schwach, und
es sind ihr, nach den ofsiciellen Berichten, be-
reits 1070 Personen zu Opfern geworden.
Am 15. wurden 68 Todesfälle, worunter (nnr)


bart.) Unter dieser Ueberschrift liest man in dem

eine Liste, wclchr das Tragen von Schnurrbärten
rechtfertigt. ES hat uns viele Mühe gekostet, fie
zusammenzustellen. Wir mußten deShalb wenigstenS
1000 mit Schnurrbärten geschmückte Personen be-
fragen. Folgendes ist das Ergebniß ihrer Ant-
worten. Man trägt Schnuprbärte, um fich nicht
rafiren zu vürfen, dies war die Antwort von 69
Personen; um fich gegen dcn Schnupfen zu schützen,
32; um die Zähne zu verdccken, L; um eine her-
vorragende Nase zu verbergen, 5; um es zu ver-
meiden, im AuSlande für einen Engländer gehal-
ien zu werden, 7; weil man Militär ist, 6; weil

34 an der Cholera, augemeldet, am 16. (bis
P/z Uhr) 75 Todesfälle, worunter 41 in
Folge der Cholera. — Jn Toulon starben nach
den officiellen Todeslisten am 15. d. 44 Per-
sonen, worunter 37 an der Cholera. —
Marseille sind nunmehr 10 Apotheken auf
höhere Anprdnung Tag und Nacht offen, und
zwei Aerzte nebst einem Apotheker beständig in
jeder derselben anwesend, um erkrankten Perso-
nen, und zwar den Unbemittelten unentgeltlich,
die erforderliche Hülfe und Pflege angedeihen
zu laffen.

G n q l ^ rr

Dublin, 16. Septbr. Die Polizei hat in
allen Theilen der Ttadt Verhaftungen vorge-
nommen. Viele' junge Leute in großen Han-
delsetablissements sind compromittirt. Bei
einem der Angeschuldigten fand man Schrift-
stücke, die aus Amerika überschickt worden wa.
ren. Die Verhaftungen in Dublin belaufen
sich bereits auf 22. Man versichert, daß in
allen Theilen Jrlands Verhaftungen bewerkstelligt
worden sind. Gegen die Personen, welche in
den Bureaux des Dubliner Journals „Jrish
People" in Haft genommen worden, ist die
Anschuldigung des HochverratheS erhoben.

Neueste??rnchrichten.
Newyork, 9. Sept. (Mit dem Dampfer
„City of Washington".) Nach dem „Courier
des Etals Unis" herrscht bezüglich der mexica-
mschen Frage Meinungsverschiedenheit im Mi-
nifterrath. Alle Minister, mit Ausnahme des
Hrn. Harlan, sind dem ststus quo günstig.
Hr. Seward erklärt es für unwürdig, den
Präsidenten Juarez indirect, und für unpoli-
tisch, denselben offen zu unterstützen. Der
Präsident Johnson reservirt die Mittheilnng
seiner mexikanischen Politik für seine Botschaft
an oen Kongreß. — Zn der Nähe von Ma-
tamoras haben kleine Gefechte stattgefunden,
in welchen die Kaiserlichen geschlagen wurden.
Auf einem Ball zu Matamoras waren Unions-
offiziere anwesend. General Steele- brachte
einen Toast cmf den Kaiser Marimilian aus.

Berlin, 19. Sept. Privatbriefe aus Ratze-
burg melden, daß die, dortige Polizei die oeut-
schen Flaggen verboten hat, und daß man den
König von Preußen zwischen dem 23. und 27.
September in Lauenburg erwartet. »

Wien, 19. Septbr. Mit AuSnahme von
Hutt sind sämmtliche englische Mitglieder der
anglo-österreichischen Handelsvertrags -Enquete
zum Wiedcrbeginn der Verhandlungen hier ein-
getroffen. — Bernhard Mayer ift zum Pro-
tokollführer der Minister-Conferenz ernannt
worden.

Hamburg, 19. Septbr. Die Hamburger
Nachrichten enthalten cin Telegramm aus Pa-
ris, nach welchem der Espoir wiederholt, daß
große liberale Reformen nächftenS bevorstehen.
Der Minister des Aeußern, Herr Drouyn de
Lhuys, wurde gestern Abeud zurückerwartet.
Die angekündigte Broschüre über den Gasteiner
Vertrag ist bei Dentu erschienen.

Hamburg, 19. Septbr. Aus London
werden Amerikaner 68^/^—*/§ gemeldet. —

weil man Tourist ist, 17; weil man lange auf
dem Festlande gelebt bat, 3; weil der Schn»rrbart
daS Athmen unterstützt, 29; wetl er der Gesund-
heit zuträglich ist, 77; weil er bie Bewunderung
der Mädchenwelt crregt, 471.

Die Frau Geheimräthin in der Leipziger Sttaße
in Berlin suchte eine Köchin in der Voßschen
Zeitung. Andern Lages kam eine elegant gekleidett
Dame, ließ fich als Fräulein S. melden und wurde
von der Frau Geheimräthin in das Empfangszrm-
mer aus oas Sopha genöthigt. Da ergab sick, vab
Fräulein S. bie gesuchte Köchin war. Ihre Ercel-
Icnz waren unangenehm überrascht, indeß die Noty,
man unterhandelte und ward eins. Auf der Schweue
aber ricktete Fräulein S. noch etnige Forderunge»
an dieselbe: 1) ein eigenes Zimmer, 2) »r-
laubniß zur Aufstellung eineS Pianoforte'S uno
Benutzung deffelben in ihren Mußestunden; pc

spiele mit ihrem allabendlich erscheinenben Brau-
tigam vierbändig u. s. w., 3) allmonatlich mMi
fie eine kleine Gescllschaft in ibrem Zimmer gkvenr -
Leider war Frau Geheimrätbin nicht in der vag

und Stimmung, auf diese Nebenbedingungen ein-

gehen zu können, unb Fräulein S. empfahl M
mit vielem Bedauern.
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