Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

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wiirdk« die bkkanmen Berliner Resolulionen
ebcnfalls angenvmmen.

Berlin, 25. Okt. Die „Prov.-Corresx,"
schlicßt einen Artikel, in welchcm sie die österr,-
xreußischen Nvtcn an den Frankfurter Senak
despricht, mit denWortcn: „Von der Antwvrt
des Senats und deffcn weilerem Versahren wird
,z abhängcn, welche Folge die deutschen Groß-
iiiächte ihrer 'Mahnung geben werdeu," — Die
Wahl des Erzbischok« von Köln werde nächstens
erfolgen, Der Commissär drr Staatsregierung
Oberprästdent StaatSmiuister v. Ducsberg werde
sich in den nächsten Tagen nach Köln begebcn,
«m Namens der StaatSregierung dem Dom-
capitcl die rrforderlichen Eröfsnungen zu machen,
Hamburg, 25, Okt, Dem „Hamburger
Corr," wird aus SchleSwig berichtet: Herr v,
Zedlitz hat an dic Beamten eine Lußerst scharfe
Weisung erlaflcn und densclben auferlcgt, bei
etwaiger Wiedcrkehr'von Ercignissen, wie die
jn Eckcrnsörde vorgekommencii, sogar unter An-
rusung dcr Militärgcwalt und Abtretung der
ebrigkcitlichen Functionen an dic Militärbehör-
den gegen Diejciiigkii einzuschreiten, welche die
dem Landesherrn gebührenden Titel, Huldigun-
gen, Ehrenbezeugungcn u, i. w, erweisen odcr
aimehinen, Bcgründet wird diescs Bcrlangcn
aus die Fiction, durch dic Abtrctung Christians
IX, seien ecr König von Prcußen und dcr
Kaiscr von Oesterreich LandcSherrcn Schleswig-
HolsteinS gcwvrden, Die Beamten sind aus-
gefordert, binnen drei Tagen einc Erklärung
darüber abzugebcn, vb sie zur stricten AuSsüh-
rung der Wcisung bcreit sind, oder ob sie Be>
denlen tragen, dcrielbcn Gehorsam zu l-isten,
Flensburg, 25, Okt, Die „Nordd, Ztg,"
vcröffentlicht die Rede, welche der Gouverncui!
G,-L, v, Manteuffe! in HaderSleben an die
dortigen Bcamten gehalten hat. Zn derjelben
erklärt dcr Gouverneur, er habe, wcnn auch
sehr ungcrn, in Eckerusörde cin strcngeS Excm-
pel statuiren müssen. Allein nur dnrch Strenge
gcgen eiuige Wenige könnten dic Existenzcn
Vicler, welche durch Parteileidenschast bedroht
scien, gesichert wcrden, Er warne daher auch
hicr im Norden »or allcn Demonstrativncn,

dic hier möglichcrweise im dänische» Sinne
auSfallen könntcn, Er werdc keine Dcmon-
strationen dulden, Dcr König von Dänemark
habc auf die Souveräne Ocsterreichs und Preu-
ßens alle seinc Rcchtc hinsichtlich der Herzog-
thümer übertragen, DieS sei dic cinzigc Basis,
auf welcher die gesetzlichc Ordnung erbaut wcr-
den könne, Wer dieser BastS zuwiderhandle,
habc cS mit ih»i zu thun, Die Bcamten soll-
ten stch durch die Agitationcn der Zeitungen
nicht irre machen laflen. Sie solltcn sein Ge-
stcht anschcn nnd später cntscheiden, ob ste zu
lhm oder zu den Zeitungen mehr Zntrauen
fasscn könnten, — Der Lehrcr Braucr in Borby
ist wegen sciner Anrede an den Herzog einst-
weilen von seinem Amte cntfernt worden,
Paris, 25, Octbr, Dic Kaiserin hat
gestcrn auch dic Cholerakranken im Hotel Dieu
bcsncht.

Aus Baden, JnKenzinge» erhängtc
sich vorige Woche cin junger Apothekcrgehilfe,
Derselbe soll eiu ungcordnetcs Leben gcführt
und scin Geschäft vernachlässtgt haben, — Dem
Oderrh, Cour, wird geschriebcn, daß eine Aen-
dcrung BetreffS der amtsgerichtlichen Staats-
anwaltschast im Werke fei, Die Doppelstel-
lnng der zu diesem Amte verwcndelen jüngen
Jnristeu, wclche gleichzeitig deni Obcramt und
dcr Staatsanwaltschaft unterstinden, habe stch
als eine unhaltbarc erwicjen und mehrfach zu
Colliflonen gcführk, Der Corr, glanbt auch,
daß derjenige Theil jener Doppelstellung, wcl-
cher flch auf VerwaltuugSgeschäftc, d, h, also
auf das Oberamt bezieht (Polizei-Amtmann),
viclfach überflnsstg jci,

* Heidelberg, 22. Oct. (Eingefandl.) Es er-

l während dlefer Zeit des Schlafe bedürfen; trotzdcm
I köimtc man dcn Wartcsaal llt. Elaffe offcn und erwärmt
halkcn, desfen ganzes Mobiliar in 2^3 Holzbänken be-
stchl, die keiner Beausstchtigiing bedürflig sind, welch

der AuSwandcrer benutzt und aus diese Weise in schroffer
Art gegen das Gesetz vom Jahre 1853, Regbl. Nr. 5
vom 22.^ Fcbruar verstößtwonach eS ^ verboten ist,

Üniverfit^tsgototesdi^nü. ^ ^ ,

Obrigkeitliche Bekanntinachungen und Privat-Anzeigen.

Großh. Bezirksamt Heidelberg.

Die Fleischbeschau betr.

Nr. 23707. Nachstchende Ministerialverordnung
vom 17. Augusr d. Z. wird duch im Kreisverkün-

Berordnung

d Auf den Gruud der 88 93 unb 94 Ziffer 2 des
^truh^rrn destrmml ng n^rordnet,

der Schau unterworfcnen Schlachtviehs sowie der
zum Verkauf ausgesetzten Fleischwaaren die nhthige
Anzahl von Fleischoeschauern aufzustellen.

8 2. AlS Fleischbeschauer kann außer einem
Thierarztc nur Derjrnige aufgestellt werden, der
fiL burck ein Zeugniß des Bezirksthierarztes über
ben Besitz dcr zur Besorgung der Fleischbeschau
krforderlichcn Kenntnisse auSweist.

^ Eine Dienstwcisung, auf deren Beachtung jeder
Klkischbeschauer bezirksamtlick zu verpflichren ist,
wird desscn Obliegenhriten näber bereichnen.

8 3. Dic Belohnung des Fleischveschauers hat
unmittelbar aus der Gcmeindekaffe zu geschehen.

Der Gemeinde ist überlassen, für jedeS der Be-
>tau unterstellte Schlachtthier von deffen Besitzer
"ne Gebühr zu erhcben. Die Bestimmung der
^röße dieser Gebühr unterliegt der Genehmigung
Beztrksamt«,

, 8 4. Nachgcnannte Thiere, die zum Verkauf
gkschl ^EischeS als Nahrungsmittel für Menschen

uach ber Schlachtung der Besichtigung des Fleisch-
veichauers unterstellt werden:

Rindvieh über ^ Aahre alt,

Pferde jeden Alters,

o) krankes Schlachtvieh jeder Art.

Zu diesem Zweäe muß die beabfichtigte Schlach-
'UNg einige Stunden vorher dem Fleisckbeschauer
ungczeigt werden.

Nur in Nothfäüen darf die Stellung zur Schau
vor der Schlachtung unterlaffen werden.

-8 5. Durch ortSpolizeiliche Vorschrift kann ver-
chgt wrrden, daß auck andere als die tm § 4 ge-
uanntrn Thtere der Beschau unterstellt werden
niuffen.

.L 6. Fleisch, welches von dem Fleischbeschauer
w migenirßbar bezeichnet wtrd, darf zum Genusse
«eber feil geboten, noch verkauft werden.

8 7. Der Bcsitzer des vom Kleischbeschauer als
^bNteßbar bezeichneten FteischeS kann, wenn er fich
nicht beruhigen will, den endgtltigen AuS-
des BezirksthicrarztcS einholen.

-ow Falle der Bezirksthierarzt selbst die

8. 8. ^en^^rkau^ von^Flc^isch od^cr^Fleisch-

1) übe^iechendes, bereits in Fäulniß übergegan-
geneS Fleisch,

2) Fleisck, welches von umgestandencn Thieren

stehenden Krankheit gelttten ^haben.

8 10. Die OrtSpolizcibehörde hat dafür zu sor-
gen, daß Fleisck oder Fleischwaaren, welche als un-
genießbar bezeichnct (8 6) oder alS verdorben oder
der Gesundheit schäblich befunden worben sind
(§ 9) nicht ferncrhtn als Genußmittel zum Ver-
kauf gebracht werden (8 30 des PolizeistrafgesetzeS).

8 11. Pferbefleisch, welches zum Verkauf aus-
gesetzt wird, barf ausdrücklich nur als Pferdefleisch

8 12. Der Bestimmung der Ortspolizei ist über-
lassen, den Verkauf des Fleisches kranker Thiere,
welches jedoch nock genießbar ist, sowie überhaupt
des weniger schmack- und nahrhaften Fleisches (des
sog. nicht bankwürdigrn FleischeS) in Fleischbänken
zu beschränken oder ganz zu verbieten.

Karlsruhe, den 17. August 1865.

Großh. Mmistcrium^des Aiinern.

L. Cron.

vöt. Rupp.

Heidelberg, den 21. October 1865.

Gr. Bezirksamt:

S o n n t a g.

Großh. Bezirksamt Heidelberg.

Die Behandluug gefallener und auf

Nr. 23708. Nachstehende Ministerialverordnung
vom 17. August d A. wird auch im Kretsverkün-
digungSblatt zur Kenntnißnahme und Darnachach-
tung veröffentlicht.

Verordnung.

Auf den Grund des § 91 des Polizeistrafgesetzes wird

weit der Bezirksthierarzt es für statthaft erklärt. '

§ 5. Jede Gemeinde hat srch oder in Gemeinschaft
mit benachbarten Gemeinden einen der Größe des Vieh-
standes entsprechenden, zum allgemeinen Gebrauche die-
nenden Wasen zu stellen und mit den erforderlichen

8 6. Ebenso hat jede Gemeinde nach Beralhung des
Bezirksthierarztes für die Bestellung einer oder mehrerer
aeeigneten Personen als Abdecker zu sorgen, welche auf
Berlangen ^der Eigenthümer oder aus Weisung der

Eine allgemeine Dienstweisung wird die Dienstoblie-
genheiten der Abdecker näher bezeichnen.

Sre sind insbesondere auch verbunden, die ihnen zur

Beachtung ihrer Obliegenheiten sind ^dieselben bezirks-
amtlich zu verpflichten. Die Bestimmung der Gebühren
der Abdecker unterliegt der Genehmiguug des Bezirls-
amts.

8 7. Bei der Bestimmuug und Einrichtüng des
Gemeindewasenplatzes iowie bei der Anlage und dem
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