Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

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Bestrrbüngc» sich anschlössc und die Jntcressen
ihrcS Staates opsern wnrde. Aiedner betont
dann die schwierige Stellung, welchr das Preu-
Hischc AbgcordnelenhauS in der schlcSwig-hol-
stcin'schcn Irage g-habt, wie eS dicselbe nach
bkstcn Kräftcn zu lösen gesucht habe,. und cm-
xfichlt warm die Annahme der AnSjchuganträgc,
Dr. Braunfels (Frankfnrt) flir den An-
trag des Hrn. BürgcrS. Dic Anträge deS
Ansfchufses seic» oficnbar voll Widersprnche,
sic zeigten, daß man verschiedrne» unvereinba-
rcn Anfichtcn habe Rcchnung tragen wollen.
Jm erstcn Theilk des AuSschnßanlrageS werde
Ansangs die Uebertragung der Centralgewalt
anPreußen verlanat, und nachher dennoih die
Entscheidung hieriiber drm Parlamrnt vorbe-
hallen. Zm zwcitcn Theile werdc zuekst den
SchlcSwig-Holsteincrn die Selbstbcstimmung
als ei» Rccht zngesprochcn, und sodann mili-
. tirischc tnd maritime Unterordnung unlcr
Preußen gefordert. Wenn von der Kläg-
lichkcit d-r ZustSndc in den Kleinstaaten ge-
sprochen wcrbe, so 'scheine man nicht a» dic
Kläglichkcit der großstaatlichen Zustindc ge-
dacht zu haben. (Viclfacher Bcifall.)

Er bcstreitc übcrhaupt, daß Prcußcn — dcr
Militärstaat — den Bcrns habc. an die Spitze
cineS frciheitlich geciniglen DeutschlandS zu
treten. Redncr schließt u»t-r anhaltendem stnr-
mischem B-ifall der Versammlnng mit den
Worten: „Die Freiheit DcutschlandS will ich,
aber ihr Programm ist ein Unding! Deutsch-
land allein, Dentschlands Macht und
Freiheit!"

Vencdey sür den Antrag Bnrgers: Der
Standpunkt, welchen der Ansschuß annehme,
wcrde deShalb von ihm bekämpst, wcil die
deutsche Nation dabei glanben müssc, daß der
Nationalvcrein sich zum Schleppträger Bismarck's
mache. „Wenn wir Herrn v. Bismarck die
schlcppc lragen. wird cr unL einen Fußtritt
gcben." (Bravo.)

Duncker (Bcrlin): Die Anträge, welche,
iich gegen dic Bcschlüsse des AuSschusseS wen-
den, leiden an der widrrsinnigcn VorauSjctzung,
daß man Preußen ans Dcntjchland cntscrnen
konne. Wcnn eiipKrieg über Dentschland her-
einbricht, wird man besscr die Nothwendigkeit
Prenßens erkennen; nur Preußen kann Deuksch-
lands Schlachten schlagen. (OHI Oh!) Die
Meinung, daß man mit der Ancrkennung der
nationalen Ansgabe PrcußenS daS jctzige Re-
giment nntcrstntze, ist falsch; auch die Rcaktion
hat di- Erfahrung gemachl, daß sie nicht zu-
glcich national und srciheitSfeindlich jein kann.
Entschlage sich die Fortschrittspartei dcr Aus-
gabe, Preußcns historischen Berns znr Ancr-
kennung zu bringen, so mache sie sich nnmvglich.

Brater aus München empfiehlt die AnS-
jchußanträge in längerer Rede, die keine neuen
Gesichtspnnkte bictct. Metz als Berichterstatter
crgrcift zum Schlnß d-r Discussion das Wort.
Er vertheidigt die AuSschußankäge gcgen die
ihnen untcrschobenen Tendenzen; schon die große
Berschiedcnhcit der cingclaufencn Anträge, die
znm Theil die crtremsten Richtungen verträten,
zeige, daß hier auf andern Sciten Leidenschaft
und sogar Erbitterung herrschte. Man solle
doch nicht um ein oder de« andern Sätzchens
imi ber Resolutionen willen die Organisation
des Nationalvereins zu zerstvren trachten. Red-
ncr schlicßt mit den Worten: „Erhalten Sic
den Nationalvcrein und Sie tragen ein gutes
Thcil bei zur Einigung und Freiheit der Na-
tionl"

Hierans wurde die Abstimmung vorgenommen.
Mit großer Majorität wukden, wie schon ge-
meldet, die Anlräge von Bürgcrs abgelehnt und
die Resolutionen des AusschusscS angenommen.

Bci Wicderrröffnnng der Sitznng (6>/, Ab.)
Ipricht zucrst FrieS auö Weimar über den
»weitcn Gegcnstand der Tagesordnung, den Pro-
jeß gegen die Mitglieder des NationalvercinS
»> Rvstock betr., und empfiehlt derselbe dic in
dieser Sache gest-llt-n AuSschußanträgc zur
Annahme, wclche auch, da sich kein Widerspruch
dagegen crhebt, cinstiinmig angenommen
lderden. Slc lautcn:

t. Dle Vcrsaninilung -rkkärt: Ju drr Caüalioii des
voii dcin Roslocker Magislrat ertheillcu sreisprechendeu
^-rkeniituissks und der Wiederherstellung deS anftichobe-
'reu Bxschxjhxg deS PoIi;eiirmteS liegt ein Act der Ca-
metsjustiz, welcher uicht nur allgemeiu anerkannte, iu
u Grnndrechteu dcS deutschen VolkeS nnd in der mcck-

verlcyt.

2. Die Versammlung erkennt eS als Pflichl deS Na-
tionalvcreiu- an, die Rostocker Mitglirver wegen der

der AnSfllhrnng.

Ueber den folgenden Gegenstand der Tage«-
ordnung: „DicJugendwehr im Verhältniß zur
deutfchen Wehrfrage" erstatlet Dr. Blum aus
Heivelberg den Bericht. Auch diefer Nedner
empfiehlt die vom Ausschuß gestelUen Antrage,
ebenso F. Wirth von hier und Eichholz
aus Haunover, worauf diesclben einstimmig
angenommen werden. Sie lautet:

^ ^Die Beisammlun^ erkläi I: ^ oic^allicmcuie WedipDchl,

au die Schuleu auiuschließm haben, oder, wo eö mög-
lich ift, bie Uruerstützung dcd Militärs m Bezichung
E gcwmne^ solllci^. ^eruer^d^ tl^-

Ueber den letzten Gegenstand der Tagcsord-
nimg: Verwcndung der Zinsen des Flotten-
fonds, bcrichtet Namcns des Ausschuffes
Duncker auS Berlin, welcher bie von diesem
gestellten Anträge cmpfiehlt. Einer Uiiterstützung
Bauer's, wie sic von Einigen g-wünschl werde,
kömic sich der Ausjchuß nicht anschließen, da
in deiiiselbcii keinc tcchnijchen Auioritätcii säßen
und er jich nicht sür kompetcnt -rachten könnc,
in dieser Aiigelkgenhcit entjcheidende AntrLge
zu stellcn. Dicscr Ausjchußanlrag lantet: Dcr
Ausschuß des Natioiialvcrcins beantragt:

^Die Gcneralversammlung wolle^beschließen, datz von
dcn dentschcn Küsten acmährs, 2) der Rcstbcirag wird

Fries aus Weimar uNd Gen. wünjchen die
Abänderung des Ansschußantrags dahin, daß
80tX) fl. dcn RettuligSvcreincn nnd 1000 fl.
Baner bewilligt würden.

Silblnarineüigenicnr Bauer spricht srlbst
sür seine Sachc; er wundert sich, daß dcrNa-
tionalverein, nachdein cr, Baner, 16 Jahre lang
aus Unterstütznng seitens der d-utschen Nativn
gewartet, nur 1000 fl. zu s-iner Unterstützung
habe; er wundert sich serner, daß man, nach-
dem schon so viele Sachverständige ihr Gut-
achten über sein Unternehmen abgcgeben, das-
selbe noch iinmer nicht' kenne. Wenn man ihn
nicht krästig vo» Seitcn der deutschen Nation
unterstützcii könnc nnd wolle, dann dürfe sich
diese Nation anch nicht wundern, wenn er seinc
Erfindung dem AuSlandc anbiete. Rcdnerver-
läßt untcr allgemeinem Bravo die Tribüne.

Es wird cin Amendement eingebracht, wo-
nach an Bauer 3500 fl. und 3500 fl. den
RettungSvereinen überwiesen werden sollen.
Venedey unterstützt basselbe, während Lang
auS Wiesbaden dagegen spricht, da der Erfolg
des Bauer'schen UnternehmenS noch gar uicht
festgestellt sei. Wenn eS Bauer eincrlci sei,
wer lhm seine Erfindung abkausc, s° sche er
auch keinen Grund, warum sich der National-
verein einer solchen annehmen solle. Er wnn-
derc sich bei üüchterner Bctrachtuiig überhaupt,
daß man sich in Privatkreisen für diesc Erfin-
dung sv habe begeistern können. — H Becker
von hier spricht für Unterstützung Baucr's,
Götte aus Hamburg gcgcn diesclbk. — Dr.
Rcinganum von hier jagt, daß, wo dcr Rnf
an die d-ntsche Natton ergehe, dieselbe nie zn-
rückbleiben solle. Redner erinnert an dcn Ent-
decker von Amerika, den Erfinder der Dampf,
krast ic. und schließt mit den Worten: „Geben
Sic nicht mehr ihrcn Feinben, als ihren Freun-
den unb laffcn sie Enropa vvn dieser Ver-

sammlnng nicht sagen: BiSinarck hat gestegt,
Bauer ist unterlegenl" (Allgemeines Bravo der
Galleric und dcr Zuhörer.) — v. Rochan
wünscht wegcn der Schlnßphrase Dr. Neinga»
num zur Ordnung gerufen zu haben, waS aber
dcr Prästdent verweigert, da der AuSdruck par-
lamentarisch und nur zn beklagen sei, daß ein
Mitglied deS NationalvercinS zu einer solchen
Anschaunng und Aenßcrung kommen könne.—
Nachdem noch Bauer seinc Erfindung warm
vertheidigt und Dunckcr aus Berlin dieAus-
jchußanttäge wicderholt empsohten hatte, wur-
den dieselben mit dem Amendemcnt (daß den
RcttungSvereinen Schiffbrüchiger 3500 fl. und
Bauer cbensalls 3500 fl. bcwilligt werden sol-
len) angenommen und daraus dic Versammlung
lnit einem Hoch ans Frankfurt nnd daS deutsche
Vaterland von demPräsidenten v.Bennigsen
geschlossen. (Fr. Bl.)

Aus Baden. Die ärztliche Gesellschaft
in Mannheim hat eine gemeinschaftliche
Denkschrift an die Behörden eingereicht, in
welcher sie fürsorgliche Maßregeln gegen die
Cholera begehrt, u. A. Verbot des Schlachtens
in den Häusern, Desinficirung - der Cloaken,
öftere Straßenreinigung und eine Wasserlei-
tung Behuss einer gründlichcn Reinigung der
Rinnen und Canäle, vor Allem aber gründ-
liche Verbesserung deS sog. Stadtgrabens und
Schutz gegen seine Ausdünstungen — Jn der
Nacht vom 28. aus den 29. Oct. fiel auf den
Höhen des Schwarzwaldes der erste Schnee.
— Bei der in Mannheim stattgehabten
Wahl dreier Grundherren unterhalb der Murg.
in die Kammer, vereinigten sich die Stimmen
aus Freihcrrn Max von Helmstedt, August v.
Gemmingen und August v. Göler. Wie man
versichert, werden die Gewahlten annehmen.

H ^^eidelberg,^ Ocl. Einem Privatbriefe von

R-lchtbnm der Ecrrkanlsch-n Pctrolcum-

Der Werth dcS im Jahr 1864 auf dcn Markt gr-
brachten Petroleums Ebeträgl, mie DinglerS polytech-

daS vor vier Jahreu nichH viele PennvS brachte. Land-
gütcr, die im Jahr l859 mit 400 Pfund Sterling zu
tbeuer bezahli wordrn maren, sind jetzl für 120.000 biS
200,000 Pfd. Slerl. verkauft morden. Ein kleiner Strich
Lande« im Oilcreek-Lhal im mestlichen Penusylvanien,

mik 1 Pfd. Sterl. per Acre verkauft wordcn wäre und
höchstens 25,000 Pfd. Sterl. gebrachl hatte, ist jetzt mehr
als 50 Millionen Pfd. iLterl. werth. Sein Werth hal
sich also 20,000 Mgl gesteigert.

Das Hamburgcr Postdampfschiff „Bavaria/ Capitän
Taube. von der Linie der Hamburg - Amrrikanischen
Packet'abrl-Actiengesellschafl. ging. expedirt von Herrn
«ugust Boltcn, William MillerS Nachfolger, am 28
Oclobcr von Hamburg nach Nenyork ab.

selbe volle Ladnug und Passagierzahl an^Boid.

Aremdenfrequenz in Heidelberg.

(Herbergen nicht mitgerechnek.)

Vom 16. bi- 31. October sind angekommen:

Jn Gasthösen Jn Privathäusern

1985 _ 301

Summa: 2286.

Hierzu die früheren 45,347.

Jm Ganzen 47,633.

Schluß der Saison.

Deutschkatdolischc Gemcinde.

Mitkmoch, den 1. Nvv. Abends halb 8 Uhr. Geschichr-
licber Voilrag deS Herrn Scholl auS Mannheim über
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