Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

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Paris, 28. Okt. Kraft eiues neucu Ueber-
einkommens wird, wie man der „Presse" tele-
graphirt, binnen achtzehn Monaten Mexicy Ae-
räumt. Bei der nächsten Fsnanzvarlegung soKen
90 Millionen Ersparniffe proclamirt werveu.

Paris, 30. Okt. Der ,Kpinion Wtchnalc"
kommen schlimme NachrichM aus Algerien zu.
Si-Lala, Si-Hamedben-Hamza unv Bidi-Mo-
Hamed-Mulcy-Kerzaz haben an der Spitze von
5.0,000 Mann von dem ganzen südlichen Ab- ^
hange der Gcbirge des Tell, von Sebdu bis
Frenda Kesitz genyuvuen. Di.e Ausstänhischeu
führen Razzias ge<zcn wre den Krsnzaseu treu
gebliebcnen Stämme auS, mch es ift schyn zu
Gefechtcn zu Sebdu, El-Gor, an den Ouellen
der Jsser und dcr Mekerra, zu Dhaya und
selbst zu Hacheru, dem Begräbnißorte der Fa-
milie Abd-el-Kader'S, fünf Lieues im Süden
von MaScara, gekommen. Von Erfolgen der
französischen Truppen und ihrer Verbündeten
gegen die Aufständischen wird noch nicht be-
richtet. Die Bewegung der Aufständischen be-
gann am 16. Oktober n'ach einem von ihren.
HLuPtlingen verabredeten Plane. Der Marabut
Sidi-Mohamed-Muley-Kerzaz ist der Ehef einer
mächtigen kirchlichen Familie, die ihren Sitz in
dcr Oase von Tevclbct, zwischen dem unabhän-
gigen Touat und dcr maroccanischen Oase deS
Taftlet hat; er führt den Titel eines „Kaisers
von Kerzaz". Seine Familie ist die einzige
Autorität, welche die unabhängigen Stämme
der maroccanischen Grenze, namentlich der Bund
der Zegdu, der sich schon oft durch kühne Ein-
fälle in die Provinz Oran hervorgethan, an-
erkennen.

G rr g ! a rr d

London, 31. Okt. Die Stürme an den
cnglischen Küsten dauern fort; sie haben L-amS-
tag wieder viele Menschenlebeu gekostet.

S ch «V e I z.

Bern, 28. Oct. Ein schwcizcrischer Jn-
genieur hatte, um seine Triangulations-Arbei-
ten zur mitteleuropäischen Gradmessung besser
machen zu können, von sich aus dcn untern
Theil dcs Thurmes auf dem Feldberg, Großh.
Baden, schwarz anstreichen lassen. Hierüber
entstand eine große Beschwerde der umliegen-
den Gemeinden, welche diefen Thurm dem
Großherzog bei seiner Vermählung zum Ge-
schenk gemacht hatten. Die badische Regierung
reclamirte demzufolgc und verlangte Ersatz
der Reparaturkosien. Der Bundesrath hat
nach Anhörung des betrcffenden Jngenieurs
diese Reclamation als vollständig begründet
erfunden, die cntstandenen Kosten übernom-
men und der großh. Regierung sein Bedauern
ausgesprochen, sowie endlich dem betreffenden
Jngenieur wegen seincs eigenmächtigen Ver-
fahrens einen Verweis ertheilt. (N. Z. Z.)

Bern, 29. Okt. Vom Nationalrathe wurde
zur Bundesrevision bezüglich der Glaubensfrei-
heit folgender Artikel angenommen: „Die Glau-
bensfreiheit ist unverletzlich. Um des Glau-
bensbekenntnisses willen darf Niemand in den
bürgerlichen oder politischen Rechten beschränkt
wervcn. Die freie AuSübung des Gottesdienstes
ist den ancrkannten christlichen Konfessionen,
so wie innerhalb der Schranken der Sittlichkeit
und öffcrttlichen Ordnung auch jeder andern
Religionsgenossenschaft im ganzen Umfange der
Eidgenossenschast gewährleistet. Den Kantonkn,
fowie dem Bunde, bleibt vorbehalten, für Hand-
habung der öffentlichen Ordnung und des Frie-
dens unter den Kousesfionen die geergneten
Maßnahme« zu treffen."

Bern, 30. Oktbr. Der Nationalrath ver-
warf heute nach sechsftündiger Discusston den
Antrag der Commifsionsmehrheit zu Gunsten
eines schweizerischen HandelSgesetzbuches mit
58 gegen 39 Stimmen.

^ t a l i e n.

Rom, 31. Octbr. DaS Römische Journal
btklagt die VerlLumdungen, deren Gegenstand
Msgr. v. Merode sei. Der Papst habe Me-
tdde aus besondcrcn Gründen, nainentlich ans
Rücksichten der Gei»ndheit, vou i-in-n AmtS'
lastcn besrcit, ohne ihm seine Zuneigung und
Achtung, dic er verdicne, zu cntzichen.

B e l g i « n.

Lüttich, 2S. Okt. Heute Bormittag hat

die feicrliche Eröffnungssitzun^ dcs internatio-
nalcii Studenlen-CvngicsseS IN eincm Conccrt-
saale, da der academijche Senat die Uula »vr-
weigert hatte, in Gcgenlvart von et»M laMeuji
Thkilnchmern stattgefnnden. Mit drr Znlcv-
nationalität ist cs freilich nicht wcit hei, denu
Äp Paciser Siudenten nnd viclleicht ebcn sv '
viele hoüändische ungerechnet, stnd die anslän-
dischcn Univerfltäteii nnr in ganz geringer An-
zahl vertreten. AnS Deulschland schciiit Nie-
niand da zu sein, und auS Jtalicn ist nnr
eine AchM angckommeu. DagLgcn sind ne-
bc» »,r chiksigcn auch dic Univcrfitätcn vou
Gsnt nnd Brüffcl zahlr.eich.vertreten, während
41 Zöglingc dcr kaiholtschen Hochjchulc zn Lö-
wcn dem Verbot ihreS RektorS zu trotzcn und
sich am Congresse zu bctheiligen gewagt haven.
Die eingeladcneu Berühmlhcitcn, wic MiUer-
maier, Guizot, LiNre, JnleS Simon, Biktor
Hugo ic., habcn in Znschrifien abgelehnt. Der
Congrest wird also weder in politischcr noch in
wissenschaftlicher Hinsicht eine großc Bedenlung
in Anspruch nehmcn können.

P or tug a l

Liffabo», 31. Ock Aus Rio de Aanciro
den 8. d. M. wird gemeldei: Die Brasilia-
ner habcn Uruguayana besetzt. Die Garnison
von 6000 Paraguyilen hat sich auf Gnade
und Ungnadc ergeben.

St i> ß r a n d

Nach rnjsischen „Militär-Annalcn" betrng
dcr Effectivbestand dcr Urmee im Zahre 1864
27,561 Offizi-re und 1,076,124 Soldaten;
dermalen habe Rußland an leicht aus den Kriegs-
fuß zu setzender Mannschafti 685,572 Mann
Jnsanterie, 45,572 Mann Kavallcrie, 50,976
Mann Artillerie und 15,801 Mann vom Genie.

Reueste N-rchrichten.

Rewyork, 21. Okt. (Mil dem Dampser
„City vs London".) Eine Rede des Herrn
Humphrey crklärl die separalion snr incvnsti-
tutioncll und spricht sich sür die absolule Eman-
cipation Ler Negcr aus. Ei» in Ncwyorl ab-
gehalteneS demokraiischeS Meeling unterstützt
die Berwaltung dcS Präsidcnten Zvhnson und
erklärt eS für nothweiidig, die Monroedoctrin
aus Mexico anzuwenden. Die Convention von
Nordcarolin-a spricht stch für Bezahlnug der
conföderirten Schuld aus. Es wird versichert,
ein fenistischcr Congreß habe geheime Maßre-
geln von Wichtigkcit beschlvssen. Jn einer Rede
dxs Herr» Seward sprichl sich die Erwartung
aus, die repubiikanischen Jnstitutionen überall
aus dx'm amerikanischen Continent, wo ste vor-
her bestauden, erneuert nnd wiedcr anerkannt
zu sehen: weun dieser FortschriN vollendet sei,
so würde mau die Zeichen seines Einfluffes
auf die andern Continente sehen. Gold
146^/,; WechselwuxS 159; Bonds 103V^;
Baumwollc 57—-58. Gold knapp.

Aus Baden. Bei Pforzheim ist vor
einigen Tagen ein Fuhrknecht von seinem Wa-
gen gefallen, dabei Leib und Brust gräßlich
»erletzt worden und in Folge deffen gestorbcn.
Er war in Geschäften seineS Herrn hier ge-
wescn, wo er zwar 2 odcr 3 Schoppen neuen
Weins gclrunkeu, aber durchaus nicht betruuken
war. Etwa Stnnde «on hier, nahe beim
Kupferhainmer, scheint -r auf den Wagen ge-
stiegen und heruntergefallen zu sein. Er hinter-
läßt einc Wittwe und 2 Kinder.

Universttäts - Rachrichten.

Der Privatdocent Dr. Hildebrandt in
Königsberg ist zum ordenllichen Profesior in
der medicinischen Facultät daselbst ernannt
worden.

vrrmischle Nachrichten.

Bruchsal, 30. Oktbr. Der neuernannte
päpstlichc Kriegsminister, General Kanzler, ist
nicht ans der Schweiz, sondern auS.Weingar-
ten bci Bruchsal g-bnrtig und ein Sohn deS
hiesigen KreiSsteuerp?tLqualdrs Kanzier. Ge-
neral Kanzler, der erfi43Jahre alt tst, di-nte
bis zum Jahrc 1846 in dem badischen Armec-
corps und irat dann in römische Disnste; dcr-
selbe ist von srüher her als ein sehr tüchtiger
Osiizicr bckannt.

Klih 40 fl., für eine Kalbin 15 fl. baar und 4 Bilder
(Thierstücke) im Werlhe von 23 fl.; BernhardWeber
von Neuenheim für eine Kuh 25 fl. Dann erhieüen

Georg Nohc und Hauptlehrer Herterich^ von Diel-
heim 10 fl.; Joseph Bitz von L-t. Leon 5 fl.; für Ta-
bak: Job auö dem landw. Garten in Heidelberg 15 fl.;
für Obst: derselbc 15 fi. s Gustav Bronner von WieS-
loch ^für^ 150^^o^rlen voi^ ^rauben^ Marlin

übcr oie Fraae: „Welchen Einfluß wird der zwMm dem
deulschen Zollverein und Oesterreich kürzlich abgeschlos-

sür Ersatz der Handarbeilen sorgcn rc. Wir können
unmöglich auch nm in Umrisjen dMen Aorlrag weiler
scizziren und ^ünfchen schr, dcr hochgeehrte Hr. Redner
möge deyjelven dprch oen Dnrck pcröffenllichrn; er ist
mchl allnn für^Lanowirthe, nein, er^ist lüc 'je^en Bür-

dung" der Landwirlhe, die er den Lnwesenden sehr an'S
Herz legte, wobei er von eincm derselben schr unlerstützl
wurde und man an die Lanhwirthe die Bilte.richtete,
die Lchrer in ihren Bestrchuugen nach höherer Bildung.
nach einem dreijährigen SeminarcurS, zu unterstütze«.
Zu beklagcn ist es. dast dicsen äußerst inleresianten Ler-'
handlungen nur elwa 80 Zuhörer qnwohiuen. Landwirthe
solllen nie versäumen, stch bei solchen Verhandlungen
zu belheiligen, denn .sie haben sür sie gxoßen Werjh: deß^
halb haböu wir auch dir Ansichl, saß jene Manner,
deivn die Festorbnung rc. iu die Händc gelegt ist, felbst
aus alle mögliche Weisr dasür anzuziehen bestttbt sein
möchten. Während dßv B-rhandlmiLen solllen also alle
Zugänge zu -en Anssteüungen geschloffe» sein, um da.
mil anzuüeulen, um, essich^ Handell. ^Wir hören

nen wir lassen, daß Hr. Dr. Herth von Heidelbsg,
der eifrige Beförderer dcr LUchn'iühschrft, zum Mitgliede
des landw. CentchlatzMussrS lür hen Pfälzer Gauver-
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