Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

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hat im Jahr 1863 einen Reinertrag von
21,435 fi. 36 kr. abgeworfen. (K. Z.)

XX Von -er ?Wuttach, 12 Novbr.
Die heutige Versammluug in Thiengen behufS
der Abgeordnetcnwahl gab den besten BeweiS
dafür, daß die Wühlcreien der ultramontanen
Kapläne daS Volk vollständig bekehrt haben.
Eö hat eingefehcn', daß eS sich dabci lcdiglich
um weltliche Herrschaft und nicht um GlaubenS-
und ReligionSangelegenheiten gehandelt. Die
Römlinge haben zwar im Geheimcn AlleS auf-
geboten, um ihre Creaturcn zur Gcltung zu
bringen, allein wir können mit Beftimmtheit
mcldcn, daß ein Mann aus der Wahlurne
hervorgehen wird, welcher von deutscher Gesin-
nung beseelt, dem gesunden Fortschritt aufrich-
tig ergeben und ein entschiedener Feind der
clericalen Bestrebungen ist. Herr Tritscheller
in Lenzkirch und Herr Oberamtmann Say
find bei uns die Vorgeschlagenen und die An-
sicht, das bürgerliche Element in der Kammer,
welches überhaupt schwach vertreten ist, zu
kraftigen, ist sicher ein Beweis von gesunder
Beurtheilung bei unS Hotzen. — Nach dem
Albb. wäre die Wahl des Hrn. Jos. Hebting
von Vöhrenbach völlig gcsichert. Der clericale
Kandidat erhielt nur 3 Stimmen!

Ober-Olm (Rheinhessen), 10. November.
Hier sind neuerdingS sieben dcr angesehensten
Familien aus der kathollschen Kirche zur deutsch-
katholischen Gemeinde übergetreleu. Es knüpft
sich daran neucrdings der alte Wunsch, die
Regierung möge endlich das Concordat mit
Mainz anfheben und daS Land von dem Trei-
ben deS UltramontaniSmuS und Jesuitismus
befreien.

Wien, 10. Nov. Der Kaiser hat die Be-
willigung zur Gründung eiues Vereins für
volkswirthschaftlichen Fortschritt crtheilt und die
Statulen desselben bewilligt. ES ist gewiß
auffallend, daß die Genehmigung hicrzu vom
Kaiser ertheilt werden mußte und nicht schon
das Handelsministerium oder das StaatSmi-
nisterium die Befugniß dazu hatte.

Wien, 11. Nov. Die Briefporlo-Erma-
ßigung wird mit dem 1. Januar eintreten, und
zahlen von diesem Datum an einfache Briefe
je nach der Entfernung 5 und 6 Kreuzer. —
DaS Militär-Budget, welche« bekanntlich unter
dem neuen Ministerium auf 80 Millionen an-
gesetzl war, ift bereitS überschritten und eS stellt
sich jctzt heraus, daß ungeachtet der inzwischen
eingetretenen Reducirungen selbst die von dem
Ministerium Schmerling verlangten 84*/, Mill.
zur Deckung der Militär-Auslagen nicht hin-
reichen. (Köln. Z.)

K r a n k r e i ch

Paris, 12. Novbr. Nach Berichten der
französischen Botschaft in Wien ist die Fort-
dauer der freundlichen Bcziehungen zwischen
Frankreich und Oesterreich nicht zu bezweiseln.
Gerüchte über eine Spannung zwischen den
beiden Mächten sind unbegründet. Dagegen
sind alle Nachrichten über erncucrte An-
strengungen Oesterreichs wegen einer intimen
Annäherung oder eines Bündnisscs mit Frank-
reich aus der Luft gegriffcn.

(Gine heilige Allianz.) Die Nachricht von
einrm Constict zwischen Kräulein Gallmeyer und
dcr Directivn des Larltbeaters (in Wien) wird ln
ofstcieller Weise dementirt. Das „Wiener Fremden- i
blatt" enthalt folgende Zuschrtsten:

„Geehrter Herr Redacteur! Jn mehreren geach-
tetrn hiesigen Journalen werden Lonflicte, welche
zwischen der Dirrction deS CarltheaterS und Fräu-
lein Aosephine Gallmeyer stattgefunden haben soll-- j
ten, sogar in detailllrter Form bcsprochen. Ach fühle i
mich veranlaßt, alle diese Gcrüchte als vollständig i
auS der Luft gegriffeu und unwahr zu brzeichnen.

Wien, 28. October 1865,

HochachtungSvoll ergebenst i

„Geehrte Redaction! Wäre Drutschland so einig,
wie die Direction des k. k. privilegirten Larlthea-
trrS und ich, so wärcn alle Noten zwischrn den x
Großmächten und Frankfurt überflüsfig.

Wien, 29. October 1865.

Paris, 13. Novbr. Die heutigeu Abend-
blätrer versichern, ein heute unterzeichneteS Kai-
serdecret ordne eine umfassende Armccreduclion
an. 7 Gardebataillonc, 2 Cavallerieregimenler,
40 Batterien gehen ein, 100 Infauterieregi-
menter vcrlie«n je 3 Compagnicn, 50 Caval-
lerieregimenter je 1 EScadron. Die Gesammt-
verminderung beträgt 1800 Offiziere, 42,000
Soldaten. Da« Jahresersparniß wird auf 50
Millionen berechnet.

G tl «; L a n d

London, 13. Nov. Die „Times" bringt
Nachrichten über den Aufstand in Jamaica.
Jm Osten wurden alle Weißen niedergemacht.

E ch w e i z.

Genf, 13. Nov. Dic Urner Schützenge-
meinde hat auf die Uebernahme oes nächsten
eidgenössischen Festschießens verzichtet.

Genf, 13. Nov., Nachmittags. (Bund.) Die
Unabhängigcn haben dur^hweg gesiegt. Giltige
Stimmen 11,669. Davon habcn Cheneviere
6899, Camperio 6515, Turettini 6298, Friderich
6217, Vaucher 6225, Ducret 6022, DumaS
5853. Dagegen Richard 5760, Vautier 5635,
Carteret 5607, Piguet 5310, Degrange 5120,
Albaret und Vuy 4853. Also kleinste Diffe-
renz90, größtezwischen Cheneviere und Vuy 2046.

Bern, 13. Nov. Die BundeSversammlung
weist den Nekurs von Basellaud wcgen der
Judenniederlassung einstimmig ab. DaS Lu-
zerner Volk verwarf das Steuergesetz.

Z t a i i e n.

AuS Rorn, 8. Novbr., wird der „Corr.
HavaS-Bullier" geschrieben: „Dieser Tage wurde
in der Campagna wicder ein Advocat, NamenS
Milza, von Räubern gefangen genommen, und
da daS geforderte Lösegcld zur Stunde nicht
bezahlt ward, umgebracht. Die Ungeheuer
hatten 8000 Scudi verlanzt; die Familie, welche
arm ist, vcrmochtc nur 950 aufzutreiben, und
zum Üebermaße deS UnheilS wurde die Person,
welche sie überbringen sollte, unterwegS sammt
dcm Gelde von einer andern Bande aufgegriffen.
Man fand die LeicheMilza'S einige Tage spä-
ter in der Umgegend von Vallecorsa. Auch
ein französischer Soldat wurde kürzlich von den
Räubern ermordet, ein anderer scheußlich miß-
handelt."

Neapel, 9. Nov. Die Cholera hat unge-
heuer zugenommen; 'übcr 300 Personen sind
erkrankt. Große AuSwanderung und Unord-
nung.

Turin, 12. Nov. Der Abgeordnete Boggio
hat soeben eine Flugschrift über die römische
Frage veröffcntlicht, worin er die Nothwendig-
keit einer AuSsöhnung zwischen Jtalien und
dem Papstthum nachzuweisen sucht.

P o r t u g a l

Liffabon, 11. Nov. Das französ. Paket-
boot „Navarra" ist mit der Post von Brasi-
lien und La Plata in den Tajo eingelaufen.
— Vom Kricgsschauplatz ist nichts Neucs zu
berichten. — Man hatte in Rio de Ianeiro
Nachrichten aus Chile erhalten. Der Krieg
war zwischen Spanien und Chile erklärt wor-
den, und- das spanische Aeschwader hatte die
Häfcn von Chile in Blokadezustand versetzt.

A m e r i k a.

Jamaika. Einem Privatbriefe, datirt
Kingston, Jamaika, 16. Octbr., entnehmen
wir daS Folgende über den Ausbruch des Ne-
geraufstandcs auf der Jnsel: „Jch kehrte von
der Nordseite, wo ich Vieh für Hopewell und
Fort George gekauft hatte, zurück, als mir um
11 Uhr Abends zu Golden Spring Herr
Hammott, der Aufseher und Director, einen
Brief aus St. Thomas-in-the-East einhändigte,
welcher die Nachricht enthielt, daß eine schreck-
liche Scene in Morant Bay stattgefunden habe.
Das Volk sei in cine so teuflische und fcheuß-
liche Rebellion ausgebrochen, wie sie noch nie
ein Land oder ein Volk entehrt habe. Eine
außerordentliche Sitzung habe in dem Gerichts»
hofe stattgefunden, bei welcher die Mehrheit
der achtbaren Einwohner der Gemeinde gegen-
wärtig waren. Dies war die Zeit, welche von
den Führern der Rebellion zu dem Ausbruch
gewählt worden war; es hatte sich demgemäß
eine große Anzahl Volk, versehcn mit aller
Art Angriffs- und Vertheidigungswaffen, um
das Gcrichtsgebaude versammelt und begann
hier großen Lärm und Aufruhr zu machen.
Baron von Ketelholt verlas die Ausruhracte,
und da der Haufen sich nicht zerstreute, feuerte
das Freiwilligencorps eine Salve auf denselben
ab. DieS schien daS Signal zu einem allge-
meinen Aufstande zu sein und mit erschreck-
lichem, wildem Geschrei drängten die jctzt
wüthend gewordenen Neger auf daS Gerichts-
gebäude zu. ,Der Kustos nebst dcn Richtern
und Freiwilligen zogen sich in daS Gebäude
zurück und die bcwaffnete Macht setzte ihr
Feuern durch die Fcnster fort. Unglücklicher
Weise hatten sie aber nur wenig Munition.
Auf dieseS Niederschießen deS VolkeS zerstreute
sich der Pöbel und während dessen entflohen
GeorgcS und einige andere auS dem Gerichts-
gebäude, aber sie wurden gesehen und verfolgt.
Die Aufrührer vermehrten sich jetzt und noch
wilder als zuvor umringten sie das Gebäude
und legten Feuer an dasselbe, um die Versam-
melten herauszutreiben odcr zu verbrennen.
Die meisten derselben suchten' durch die Thür
zu entkommen, aber sobald der Einzelne sich
am Eingange blicken ließ, wurde er in barba-
rischer Wcise von den Insurgenten hingeschlach-
tet.' Der Baron war unter den ersten, welche
hinausgelangten, er ward buchstablich in Stücke
zerschnitten. Seine rechte Hand wurde Glied
für Glied abgeschnitten; sein Kopf gespalten;
sein Gehirn mit Rum gemischt und aus seinem
Schädel von den Mördern getrunken. Sein
bis auf die Sockcn cntblößter Körper blieb auf
der Straße liegen. Black Pricc wurde, blos
weil er mit den Weißen verkehrt hatte, auf die
schrecklichste Weise zugerichtet. Nachdem sein
Leib mit SLbeln aufgcschnitten. wurde er bei
den Füßen in die Höhe gehoben, während die
Weiber seine Eingeweide herauSschnitten und
auf die i-vtraße warfen. Dem Geistlichen Her-
schel wurde die Zunge ausgeschnitten bevor er
todt war. Es ist mir unmöglich Ihnen alle
Einzelheiten dieser abscheulichen Handlungen zu
berichten oder Alle zu uennen, welche hier ihr
Leben verloren. Georges entkam mit 2 Schuß-

Gothenburg. Letzten Sonntag bemerkten zwei
Fischer in Frölunde einen Wallfisch, der auf Grund
gerathen war. Nach einigen Bcrathungen, ob sic

Stange und stäch ihm damit inö Auge, aus wel-
chem soglrich ein heftiger Blutström hervorstürzte.
Die Anstrengungen deS ThirreS, loSzukommen,
trieb eS näher anS Land. Der Anfall wurde den
ganzen Tag mit Arrten und Messern fortgrsetzt,
am Montag mit einer Sense erneuert. Erst am
Nachmittage gelang rS dem auf seinen Rücken ge-
klettcrten Fischer, dem durch den Blutverlust ge-
schwächten Thiere den Todesstreich beizubringen, und
nun liegt das 54 Fuß lange Ungeheuer dort ver-
ankert, beschaut von cmer großen Menge zuströ-
mender Neugieriger.

P Mufikalisches.

Heidelberg, 15. Nov. Wir machen die htcfigen
Musikfreunde darauf aufmrrksam, daß densrlben
in den nächsten Tagen ein seltener Kunftgenuß
bevorstebt. Herr Buckel aus Weimar, Orgel-
und Claviervirtuose, ein Schüler deS großen Con-
trapunctistrn F. Kühmstedt, hat die Absicht, im

Laufe dirser Woche, unterstützt von namhaften
Künstlern, ein Orgelconcert zu gcbrn. Hr. Buckel
besitzt, nach vorliegenden Zeugniffen von aner-
kannten musikiilischen Autoritäten, nicht nur^ eine

hiesiger Stadt, wie z. B?in WieSbaden, Klssin-
gen, Würzburg rc., eine freundliche Aufnahme
und ancrkennende Theilnahme zugewendet werdrn.

Unter allen in Deutschland rrscheinenden Mode-
blättern ist die in Berlin im Verlage von A. Haack
herauskommende Vickoria, illustrirte Muster-
und Modezeitung, einS drr am Prächtigsten
auSgestattctrn und nützlichsten. Reich mit zahlrcichcn
Allustrationen verschen, die in jedeS Gebic^ der
wriblichen Handarbeit hineingreifen und außerdem
vorzügliche illuminirte Modekupfer und große Schnitt-
muster bringend, sollte di'scS Aournal, dffen Feuille-
ton auch durchweg interessant und lehrreich fin die
Damenwclt ist, in kei«er Haushaltung fehlcn. Wrr
erlauben uns, die „Victoria" unsern zahlreichen
Leserinncn auf'S Wärmste zu empfehlen, zumal da
der PreiS, 1 ff. 12 kr. per Quartal, ein überaus
billiger ist im Verhältuiß^zu dem, was geliefert wird.
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