Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

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könncn aber auch migbraucht werden, und ein
solcher Faü licgt hier vor.

Karlchruhe, 15. Novor. Es liegen nun
die Berichte über die KreiSversammlungen in
Heidelberg, Konstanz> Lörrach, Badcn und Mos-
bach vor. Ueberall, und zur besonderenUeber-
raschnng auch in dem „gefährlichen" Kreis
MoSbach zeigte sich ein auffälliges Zurücktreten
der ultramontanen Partei schon der Zahl nach.
Die Regierung hat allen Anlaß, mit diescr
Probe zufrieden zu sein, und der liberalen Partei
blcibt daS wohlthuende Bcwuytsein, durch festen
Zusammcnhalt auch den außersten Anstrengun-
gen der politischen Klerisei die Spitze bietcn zu
können. Diese erstmaligen KreiSversammlungen
sind übrigenS, wie der srühere Minister v. Rüdt
in Mosbach sehr richtig sagte, nur konstituirendc,
gewiffermaßen die häuSliche Einrichlung der
Jnteressentenvertretung.

Karlsruhe, 17. Nov. Dem Vernehmen
nach hat Hr. Ministerialrath Winler die im
Landbezirk Pforzheim aus ihn gefallene Wahl
als Landtagsabgeordneter abgelehnt. (K. Z.)

* Heidelberq, 18. Nov. Als Abgeord-
nete wurden gemählt: im 3. Aemterwahlbezirk
(Stockach, Meßkirch, Engen) Adlerwirth No oer
von Meßkirch an die Stclle des Hrn. Verwal-
tungsgerichtSraths Schwarzmann; im 14. Aem-
terwahlbezirk (Waldkirch, früheres Landamt
Freiburg) Rechtsanwalt Eckard von Offen.
burg mit 37 von 68 Slimmen für Hrn. Hof-
Ger.-Nalh Meyer von Constanz; im 10. Städte-
wahlbczirk Pforzheim (Ersatzwahl für den frei-
willig ausgetretenen Abgeordneten Le»z) Kauf-
mann August Kayser jun. mit 26 von 46
Stimmen.

Lörrach, 14. Novbr. Die Kreisversamm-
lung unseres Bezirkes trat gestern zusammen.
Der frühere Landtagsabgeordnete Rottra wurde
zum Vorsitzenden und die Herren Neumänn
und Pflüger von hier zu Schriftführern er-
nannt. Die vorgelcgte Geschäftsordnung wurde
ihrem vvllen Jnhalte nach gutgeheißen. Be-
schloffen wurde den Mitgliedern der KreiSver-
sammlung keinerlei Entschädigung zu gewahren;
ein Gegenantrag wollte den nicht am Kreissitze
wohncnden Abgeordnetcn eine Tagesgebühr von
2 fl 30 kr. bcwilligt haben. Die KreisaüS-
schußmitgliever, welche nicht am Versammlungs-
orte wohnen, svllen Tagegelder von 3 fl. und
die Reiseentschädigung erhalten.

xx Von Görwihl, 15. Nov. Unsere
Römlinge schen, daß all ihr Streben an dem
Vcrstande unserer Bewohner scheitert und daß
ihnen jetzt bald allc Mittel ausgegangen sind,
wodurch sie für daffelbe noch Epoche machen
können. Als ein letzteS Mittel möchten wir,
wie das Gerücht es sagt, die Berathung über
Fragen christlicher Liebe und freiheitlichen Fort-
schritts bezeichnen, welche durch die Herren
v. Andlau, v. Hennin, v. Rinck undAn-
dern mit ihren Standes- und Gesinnungsge-
noffen aus dem Seekreise in unserer dem Fort-
schrittc huldigenden AmtSstadt Wgsdshut statt-
finden soll. Was auS der Sache wird, wcrden
wir mittheilen. Die klerikale Partei suchte als
Kandidat zum Abgeordne.ten Herrn Gerber
Maier in Unteralpfcn durchzusetzen. Maier
ist wohl ein tüchtiger Geschäftsmann, braver
Familienvater und cin ordnungSliebender Bür-
ger, aber, wenn wir es ehrlich sagen wollen,
für die Stelle eines Abgcordneten nicht ge-
wachsen, und müßten nur bedauern, ihn alS
ein Werkzcug benützt zu sehen. Unser Volk
hat am 12. in Thiengen bewiesen, wie es die
Stelle eineS VolksvertreterS auSgcfüllt haben
will; und daß von den Ultramontanen viele
Wahlmänner fchlten, gab den Beweis, daß sie
sich jetzt schon besicgt sehen.

Berlin, 16. Nov. Wie die „Voff. Ztg."
hört, hat die Rathskammer des Stadtgerichts,
übercinstimmend mit dem Obertribunal, ver-
neint, daß die Stadtverordnetcn Beamte im
Sivne des Gesctzes seien. Dr. Löwynson sei
des Betruges angeklagt.

Berlin, 16. Nov. Sachsen hat jetzt offi-
ciell seine Bcreitwilligkeit erklärt, dem Handcls-
vertrag zuzustimmen, der zwischen.Preußen als
Mandatar des Zollvereins und Ztalien abge-
schloffen wurde. Die Zustimmung soll ange-
sehen werden als in sich schließend die Aner-
kennung des KönigreichS Jtalien, mit welchcm

Sachsen alsdann diplomatische Beziehungen auf-
nehmen würde.

Hamburgi, 16. Nov. Die „Hambnrger
Börsenhalle" veröffentlicht ein vom 3. LNtober
datirteS Telegvamm auS Valparaiso, rvelches
bestätigt, daß die Häfen von Chili seit dem
24. Scptember blokirt sind; die Schiffe „Mar-'
garita" und „Ricardo" wurden abgewiesen.

Z r u n k r e i ch

Paris, 15. Novbr. Berichte, die von der
Reunionsinscl vom 10. Oct. eingctroffen, mel-
den von MadagaScar, daß die HovaS bei ihrer
Forderung beharrcn, daß der französische Com-
mandant Tricault, welcher daselbst erschienen
war, den Lambert'schen Vertrag auSlicfere, wel-
cher vernichtel werden solle, und dȧ Frankreich
auf alle seine Ansprüchc auf Madagascar vcr-
zichte, der Commandant Tricault lehnte die
Enlschädigung, die ihm unter solcheu Bediugun-
gew angebotön wurde, ab, und kehrte nach der
Reunionsinsel zurück.

Paris, 16. Nov. Die österreichische An-
leihe ist abgeschloffen- Die hauptsächlichsten
Kontrahirenden sind die in Paris sitzende öster-
reichische Bodenkreditgcscllschaft und Pinard im
Namen einer Gruppe von Bankiers, die er ver-
tritt. Unter diesen BankierS nennt man be-
svnders Fould, Fremy, Pillet-Vill, Hottinger,
Selliere, Bischoffsheim, Mallet, Heutsch, Kö-
nigSwarter, Marquard und die hauptsächlichsten
Bankiers von Amsterdam und Franksurt.

T ch w c i z.

Bern, 14. Nov. Der Große Rath von
Luzern hat mit ^ Stimmen Mehrheit 1 Mill.
Franken Subvention an die Gotthardbahn vo-
tirt (daS Gotthardkomite hatte 1^/z Mill. be-
gehrt), uachdem die Stadt Luzern mit 800,000
Fr., statt der verlangten 500,000 Fr., vorange-
gangen war. Zugleich wurde mit großer Mehr-
heit grundsätzlich eine Staatsbetheiligung bei
der projektirten Linie Luzern-Langnau beschlos-
sen.

Z t a l i c n.

Florenz, 15. Novbr. Der Köuig Victor
Emanuel ist gestern von Ncapel^hier wieder
eingetxoffen. Am Bahnhofe wurde er von
einer großen VolkSmenge mit Acclamationen
empfangen. Am Abende verfügte er sich in
das Theater, wo ihm ein begeisterter Empfang
bereitet wurde.

S V a » i e n

Madrid, 15. Novbr. DaS KriegSministe-
rium wird cine erhebliche Ersparniß vom 20.
d. an durch Beurlaubungen bewerkstelligen.
Eine Ordonnanz der Königin hat diese Re-
duction angeordnet.

Neuefte Nachrichren.
Southampton, 16. Nov. DaS westin-
dische Paketboot ist angekommen. Der Aufstand
auf Jamaica ist vorzeitig, ausgebrochen aus
Veranlaffung der Vechaftung eines Verschwo-
renen, der wegen eincS andern Verbrechens
gerichtlich. verfolgt wnrde. Ein allgemeiner
Ncgeraufstand sollte an Wcihnachten losbrechen.
Die Verschworenen sollten sich der Häuser der
Weißen und Mischlinge bemächtigen, die MLn-
ner und Kinder tödten und Eigenthum und
Frauen unter sich vertheilen. Der Aufstand
ist, so wird schon gemeldet, zum großen Theil
niedergeschlagen. Durch die Vorkehrungen der
Behörden ist seiner Verbreitung Einhalt gethan.
Die Mehrzahl der Aufständischen, einschließlich
der Häuptcr, ist festgenommen und hingerichtet.
Man glaubt, bis zum Abgang des nächsten
PaketbootS werde der Friede und die Ordnung
wiederhergestellt sein. Eine Depesche meldet
die Gefangennahme des Petcr Bogle, deS Haupt-
rädelSführerS.

Dresden, 17. Nov., Nachm. Gegenüber
der gestern telegraphisch gemeldeten Mittheilung
der „Weim. Ztg." bemerkt das heutige „Dresd.
Journal", daß die sächsische Regierung aller-
dings den Abschluß eineS Handelsvertrages mit
Jtalien neuerlich in Berlin mit der Erklärung
angercgt habe, ihrerseits werde eventuell die
Ratification dcs Vertrages in ciner der italie-
nischen Regierung genehmen Fassung erfolgen,
dagegen sei von Zweifeln, welche nach dcr
„Wcim. Ztg." Preußen bezüglich dcs Eingehens

auf diesen Weg Seitens der italienifchcn Re-
- gierung hegen sollte, hierort^ nichtS bekanrvt.

BerUn,, 17. Nov. Jtalien, welches stets
^ die Ancrkdnnung als Folge des Handetzvertrags
in Aussicht genommen hatte, wird wahrschein-
lich die von Sachsen vorgcschlagencn Uuter-
handlungen annehmen.

Wien, 17. Nov. Aus der Verhanvlung
der beiden Großmächte über den Tripelantrag
am Bunoestag resultirte die Annahme der von
Oesterreich vorgeschlagenen Reducüon. Die
betreffende Erklärung wird von Seiten Preu-
ßenS abgegeben wcrden.

-f- Heidelberg, 17. Nov. Ueber den in
der heutigen gem'einschaftlichen Sitzung deö Ge-
meinderathS und engeren Ausschnsses mit sast
Stimmeneinhelligkeit genehmigten Bcschluß be-
züglich der Errichtung einer flie.gcnden
Brücke zwischen dem weftlichen Ende der Stadt
und Neuenheim, tragen wir noch nach, daß die
Berathung der Sache cine sehr cingehende und
vorhcr den Mitgliedern der Collegien davon
Kcnntniß gegeben war. Die Zustimmung des
großcn Ausschusscs wird noch eingeholt werden.

K Aus dem Amte Wiesloch, 16. Nov.
Dem Vernehmen nach tagten hcute Landwirthe
uusereS BezirkS in Wiesloch, um eine Regelung
dcr Maklcrgeschäfte beim Ankauf der Tabake in
den Gemeinden anzustreben. Ein ausreichen-
des Ergebniß dieser zwar zweckmäßigen Be-
mühung wurde jedoch nicht erzielt, indem man
es ganz richtig der Natur der Sache angcmes-
sen erachtcte, daß jeder Verkäufer fürffich selbst
sorgen und dazu auch am beften in der Lage
sei. Folgende kurze Darstellung mag indcsscn
zur Bcurtheilung der Tabaköproduction unsereS
Bezirks im Zahre 1864 dienen. DaS Acker-
feld dcs ganzen Bezirks beträgt etwas über
21,000 Morgcn; davon wurden etwa 1350
Morgen mit Tabak bebaut, welche in runder
Zahl 16,000 Ceutner ertrugen. Der durch-
schnittliche OrtSpreis deS Tabaks belief sich auf
1 l fl. 30 kr. pr. Centner, so daß ein Ge-
sammterlös von unzcfähr 184,000 fl. anzu-
nehmen ist. Die meistproduzirenden Gemein-
den waren WieSloch mit 4200 Ctr., Walldorf
mit 3500 Ctr., Rolh mit 2000 Ctr. Die
höchsten d urchschuittkichen Preise wnrden
in Wiesloch und St. Leon mit 13 fl., in Roth
mit 12 fl. 45 kr. bezahlt; die niedersten Preise
deS Durchschnitts berechneten sich auf 10 fl. in
einzelnen Gemeinden.

Aus Baden. Wie dic „B. L. Z." ver-
nimml, hat der fürstlick fürsteubergische Ar-
chivar, Freihcrr Roth v. Schreckenstein erklärt,
auch die zweite auf ihn gefallcne Wahl zuck
Abgeordneten des grundherrlichen Adels ober-
halb der Murg nicht annehmen zu können. —
Jn Waghäusel hat am 16. d. die alljährliche
Genercrlversammlung der Actioyäre der dortigen
Zuckerfabrik stattgefunden. DaS Ergebniß dcs
abgelaufenen Geschäftsjahres war kein günstiges,
dem Vernehmen nach haben die Actionäre fl. 6
pr. Actie erhalten.

fj Sandkausen, O.-A. Heidelberf,. 16. Nov. Jm
Verkauf unsereS beurigen HopfenqewächseS herrscht biS
jctzt etwaS starke Flauheit. Die Ursache hiervou dürfte
sein, daß in Folgc ungünstiger Witlerung in der
So m ui^c rz r i ta ^ e^n -

70 0. O'r

Käüfcr^ weun si^sich von der Aechtheit des GewächseS

Vermischte Uachrichten.

Freiburg, 12. Nov. Heuke lagte dahier die Ver-
sammlung der AuSschußmitglieder des badischru LandeS-
auSschusseS dcr Feuerwehrcn. Sämmtiiche Mitglieder
des HauplausschusseS waren anwesend. Beschlossen wurde
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