Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

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Wtidlllikrger Zrilimg.

Kreisverküildigmgsblatt sür den Kreis Heidelberg und amtliches Berkündigungsblatt sür üic Amts- und Anits-
jGerichlsbczirke Heidelbcrg und Wiesloch und den Aoitsgerichtsbezirl Ncckargemilnü.

N» 278. Lonntag. 2<i November 18E»S-

* Polilische Umschau.

* Die nach Bismarcks Nückkehr von PariS
erwartete Reaction, auf welch'e wir in den
Spalten diescs Blattes neulich hingcdeutet habcn,
ift bis jetzt ausgeblieben. Graf v. Bismarck
hat in Paris, allen übereinstimmenden Nach»
richten zufolge, mit seinen Plänen und Absich-
ten nicht den Anklang gefundcn, den er sich
erwartet hatte, und sein Acrger über den Miß-
erfolg scheint sich nun auf Oesterreich entladcn
zu wollen. Die österrcichische Regierung aber
ist, seit dem sie die Gcwißheit darüber gcwon-
nen hat, daß Hr. v. BiSmarck über sie hinwkg
die schleswig -- holsteinische Angelegenheit mit
Frankreich zu ordnen beabsichligte, aber dcn
Kaiser Napoleon nicht geneigt hiezu sand, auf
seine Absicht einzugehen — ihrerseits mißträui-
scher gegen den treuen Alliirten geworden. Sie
kann nun nicht mehr daran zweifelu, daß Graf
v. Bismarck sie nur für seine Znteressen ge-
branchen will, um sich baldmöglichst gegcn sie
zu kehren, und sie aller Vortheile zu berauben,
auf welche sie aus der bisherigeu Lfährigen ge-
meinschaftlichen Action Ansprüchr erworben zu
haben glaubt Sie hat dieser Gemeinschaftlich-
keit schon bedeutende Opfer dadurch gebracht,
daß sie an der Untergrabung ihrer Stellung
in Deutschlaud rüstig mitgearbeitct, sich nament-
lich die Regierungen und Völker der Mittel-
staaten vielfach enlfremdet hat, und muß nun
sogar fürchten, daß, wenn sie dem Grafcn v.
Bismarck alle möglichen Dienste geleistct, der-
selbe zum Danke hiefür, Frankreich und Jta«
lien gegen sie aufhetzt. Da ist es nur zu er-
klärlich, daß sie die in Deutschland mit der
bekanntcn Frankfurter Affaire begonnenen Reac-
tionsversuche nicht dem preußischen Ministerium
zu Gefallen fortsetzen, sonvern-dieselben lieber
einschlasen lasscn will.

Nach dem „Alt. ^Nerk." HLtten sich Preußen
und Oesterreich geeinigt, in einem demnächsti-
gen Bundesantrag den Frankiurter Senat auf-
zuforderu, diejenigen Maßregeln zu treffen,
welche im Jnteresse der Bundeswürde erfordcr-
lich seien, um Vorgängen, wie beim Abgeord-
netentage, vorzubeugen, widrigenfalls der Bund
selbst die uöthigen Maßregeln treffen müßte.

Ueber die Correspondcnz zwischen dem Ge-
neral v Mantenffel und dem Herzog Frievrich
hört man noch Folgendes: Auf das jetzt ver-
öffentlichte Schreiben vom 18. Oct. antwortete

der Herzog, indem er die darin enthaltenen
Thatsachen bestritt, und die Auffassung des
GeneralS v. Manteuffel bezüglich deS Herzogs
Stellung zu berichtigen untcrnahm. Der Ge-
neral -richtete darauf an den Herzog eine letzte
Erwiederung, die allem Anschein nach, ungleich
nächdrücklichcr und unumwundener gehalten war
alS der erste Brief. DieseS zweite Schreiben
des preußischen Gouvernemenls trug die Ueber-
schrift: An den Prinzen Friedrich und wurde
von dem Herzoge deßwegen nicht angenommcn.
General von «Manteuffel sandte es darauf mit
dem Vermerken des Absenders auf dem Cou-
vert an den Frhrn. v. Gablenz, mit dem Er-
suchen, cs an seine Adresse gelangen zu kassen,
waS denn auch geschehen ist.

Nach den „Flcnsb. Nachr." sind daS „Hamb.
Amtsblatt" , die „StaatS - und Gelehrtcnztg.",
und der „Unparteiische Correspondcnt" für daS
Gebiet deS HerzogthumS Schleswig verboten
worden.

Gutem Vernchmen nach beharrt die hanno-
ver'sche Regierung auf ihrem bisherigen Stand-
punkte der Nichtanerkennung Jtalicns.

L. Simon von Trier hat vor Kurzem von Paris
aus, wo cr seit 16 Jahren lebt, ein Schreiben
an seinen Freund und politischen Schicksalöge-
nossen Löwe-Calbe gerichtet, das, wcnn auch in
sehr rücksichtSvoller Form, eine Art politischen
Absagebriess darstellt. Beranlaßt ist dieser
Schritt durch die Rede, welche Löwe in »er letz-
ten Generalversammlung des NationalvereinS
gehalten hat. Hr. Simon billigt daS Auftreten
seineS alten Freundes nicht; er will durch die
Freiheit zur Einheit und sieht in dem von
Löwe vertheidigten Bcschluß des Nationalver-
einS eine Unterstützung BiSmarck's, das heißt
des preuffischen JunkerthumS.

Mittheilungen aus Neapcl bestätigen in Ueber-
einstimmung mit einer Erklärung, welche die
Freimaurcrloge von Palermo erlassen, daß der
Papst PiuS IX., als er noch einfach Mastai
Ferretti war, sich in den Freimaurerorden hatte
aufnchmen lassen und den vorgeschriebenen Eid
gelcistet hatte.

Die „Patrie" versichert, daS Cabinet von
Madrid sei geneigt, in der chilenischen Ange-
legenheit eine Vermittelung anzunehmen;' die
Nachricht sei in Loudon eingetroffen. Der Ad-
miral Pareja habe Befehl erhalten, Chili nicht
anzugreifen.

Dr. Jenner, der Leibarzt der Königin Vic-

toria, hat über den Gesundheitszustand deS
Königs der Belgier günstig berichtet.

Jn Bomb^ly herrschte große Aufregung
gegen eine englische Familie, welche ihre Tochter
für 3000 Rupien dem Fürsten von Chatna
vcrkanft hatte.

Die letzten Wahlen in der Union ergeben
eincn entschicdenen Sieg der republikanischen
Partei. Jn Neuyork wurde der demokratische
Candidat für das Staatssecretariat, Slocum
von Barlow (Nepublikaner) mit 27,000 Stim-
men Majorität geschlagcn. Jn Neu-Jersey
wurde MarcuS L. Ward (Nepublikaner) mit
2000 StimmemMajorität zum Gouverneur er-
wählt. Jn Massachussetts erhielt Bullock (Re-
publikaner) bei der Wahl zum Gouverneur
76,000 Stimmen und sein Gegner, General
Crouch, nur 25,000. Die Wahlen in den
westlichen Staaten sind ebenfalls in ihrer großen
Mehrheit zu Gunsten der republikanischen Partei
ausgcfallen.

Die Nachricht von Mißhelligkeiten zwischen
dem sranzösischen Gesandten und der Washing-
toner Regierung und der Abreise des ersteren
sind eine reine Erfindung.

Deutschland.

Karlsrude, 25. Nob. Seine.K^ligliche
Hoheit der Großherzog haben sich gnädigst be-
wogen gefunden: dem kaiserlich sranzösischen
Präfecten Ponsard in Kolmar daS Komman-
deurkreuz mit Stern, und dem kaiserlich fran-
zösischen Untcrpräfecten v. Bailleul in Mül-
hausen das Ritterkrcuz mit Eichenlaub des
Zähringer-Löwen-Ordens zü verleihcn; dem
Vorstand des großh. PostamtS Karlsruhe, Ober-
postmeister Weitzel, daS Nitterkreuz deS Zäh-
ringer-Löwen-Ordens, und dem Oberpostrath
Scheyrer, Mitglied der Direktion der Main-
Neckar-Eisenbahn in Darmstadt, das Eichenlaub
zu dem bereitS innehabenden Ritterkreuz des
Zähringer - Löwcn - Ordens ; ferner dem
Untererheber Horn in Schwetzingen, in
Anerkennung seiller langjährigen treucn Dienste,
die silberne Zivil-Verdienstmedaille zu verleihen.

Kirr-Lsruhe, 23. Novbr. Jhrc Königliche
Hoheit dic Großhcrzogin lraten heute Vormit-
tag die Rückreise in Koblenz an, woselbst sich
der Oberpräsident der Rheinprovinz, v. Pom-
mer-Esche, der kommandirende General v. Her-
warth, und der erste Kommandant von Kohlenz
und Ehrenbreitftein, Generalmajor v. Hartmann,

Palwerston Anekdotcn.

(Schluß.)

„Vor Iahrcn" — so erzählt ein Parlamentsmit-
glikd, welches Lord Palmcrston scit elnem Viertcl-
Jahrhundert kannte — „vor Jahren hatten wir im
Unterhause einc Subscription eiugeleitet, um Lady
Palmerston das lebens^roße Btld ihres ManneS
zum Gcschenk zu machcn. Ich war mit in die De-
PUtation gewählt, wclche cs überreichen sollte, und !
der verstorbene Lord Dudley Stuart hatte die An- !
rede zu halten. Lady Palmerston trat am Arme !
ihres ManneS in die Stube und setzte sich; Dudley !
Stuart bielt eine kurze, nicdliche Gelegenheitsrede, ^

schon nach den ersten drei odcr vier Worten bekam
das Weib in ihr die Oberband und fic konnte vor
lauter Wctnen nicht weiter. Darob weinten wir !
Männcr alle mit, und die ihre Thränen vcrbergen !
wolltcn, sahen am lacherlicbsten aus. Da kam Pal- >
merston zu Hilfe. Seine Empsindung fichtbar nie- ^
derkämpsend, sprach er einige Sätze zu uns —


Die ehcmalige Ladv Cowper, dte in den Tagen
der Regentschaft vielbewunderte Schönheit, die Pa-
troneß jener Bälle, auf denen sie mit dem jungen
Palmerston QuadriUe und Schottisch getanzt hat,
steht jctzk trauernd am Grabe dessen, dem sie in
Leid und Freud ein gutes, tüchtiges Weib gewe-
sen war. (K. Z.)

Nürnberg, 15. Nov. Lieutenant Frey schreibt
aus Albacete vom 10. Nov. an den Nürnb. Korr.:
„Hoffmann ist wahrscheinlich das Opfer eines
schändlichen Verbrechens geworden, wie es nur in
einem so verwabrlosten Lande und bet einer so
herabgrkoiiRmenen Bcvölkerung vorkommen kann;
dafür sprechen wentgstenS alle Aussagen, die ich
nunmehr sorgfältig eingezogen. Was ich biS jetzt
ermtttelt, ist Folgendcs: Hoffmaim war bereits
auf und dachte nur noch an seine Abrrise, als der
Arzt, der dcs AbendS das Hospital zu besuchrn
hat, mkt Namen Iofe Gonsales, sich bei seinem
Besuche am 30. in lateinischer Sprache an thn
wandte und, so meint man verstanden zu haben,

besttmmte Summe zu bezahlen oder ntcht. llnser
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