Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

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Htidelberger Ztilmig.

Krcisverküiiüiguiigsblall für den Kreis Hciüelberg unü aiutliches LKrlünüiguugSblatt für üie Amts- unü Auits-
Gcrichtsbezirke Heidelbcrg und Wicsloch uuü dcn Auitögcrichtsbczirl Ncckargcuiüiiü.



Sonntag, 17 December


* Politifche Umfchau.

Die „Bayerische ZtK." mcldet, daß die Re-
gicrungen von Bayern und Prcußeu sich ge-
cinigt haben, den übrigen Zollvereiusrcgierun-
gen sofortige Eröffnung der Vcrhandlungen
über cinen Handelsvertrag mit Jtalien vorzu-
schlagen. Das betreffende Circularschreiben
wird in dicsen Tagen expedirt werden.

Die Wiener „Generalcorrespondenz" erklärt
die Zeitungsnachrichten über bcvorsiehende Sen-
dungcn österreichischer Soldaten uach Mexiko
für tendeuziösc Erfindungeu und bcmcrkt, das
Wahre an der Sache beschränke sich darauf,
daß Vcrhaudlungcn im Zuge scien, Leuten,
welche ihrer HecreSpflicht in Ocstcrreich voll-
kommen Gcnüge gelcistet, zu gestatten, fich für
mexikauische Dienste aitzvcrben zu lassen. Die
Gesammtzahl der neuen Anwerbungen würde
2000 jahrlich nicht übersteigen.

Darüber wird man sich nicht täuschen, oaß
die Ausgleichung mit Ungarn lrotz deS unge-
heuren Jubels und der großen Begeisterung
nicht wenigcr lang und schwer ist. Aber die öster.
Regierung ist sich ihrer Aufgabe klar bewußr.
Eutgegcukommen wird sie dem ungarischen
Landtag nicht bloS in der Form, sondern auch
iu der Sache, und nur den einzigen Cardinal-
punkt wird sie fcsthalten: daß eine mit allen
constitutionellen Befugnissen auSgestattcte Kör-
perschaft geschaffen werdc und iu Wien ihren
Sitz nehme, welche die gemeinsame n Ange-
lcgenheiten endgiltig behaudclt. Alles Audere,
der Name dieser Körpcrschaft, die Zahl ihrer
Mitgliedcr, dcr ModuS ihrer Verhandlungen
— Alles mit ciuem Wort, was blos die Form
betrisit, steht ihr in zweiter Neihe.

Die Wiener Blatter sprcchen ihre Befrie-
digung über die ungarische Thronrede auS.
Der „Wanderer" meint, eine schroffe, ableh
nende Haltung, wie fie der ungarijche Land-
tag im Jahr 1861 angenommen, jei nach der
diesjährigen Thronrede nicht zu crwarten. Die
„Neue Fr. Prcsse" sagt: Wenn der ungarische
Landtag bcgrcift, daß keinc österreichische Ne-
gierung, ohne das Neich zu zertrümmern, ihm
mehr bietcn kaun, alö ihm jetzt gcboten wird,
dann wird er die Grenzen respcctiren. Wcnn
nicht, dann wird er eS gewcsen sein, der noch
einmal dieses friedenö- und freiheitSbedürftige
Neich in neuc Kämpfe treibt und eS aus's
Neue um die Gclcgenheit betrügt, in verfas-

sungSmäßiger Freiheit sich zu neucr Wohlfahrt
emporzuarbeitcn. Die „Presse" bemerkt, unter
dcn in dcr Thronrede erwähnten verfassungs-
mäßigen Nechlen der übrigen Länder könne
nur eine NcichSvertretung gemeint sein, welche
an Kraft und frciheitlich-volksthümlichcm Geiste
den Völkern nicht wcniger bieten darf, alS
ihnen das Februarpatent bot.

Unter dcn Pesthcr Blättern schöpft „Pesti
Naplo" aus dcr Thronrede höhere Hoffnung
auf AuSgleichung, bedauert aber, daß conser-
vative Beftrebungen bei dcr Nevision der
1848er Gcsetze zu sehr hervortreten. „Magyar
Vitag" findet in dem Jnhalt der Thronrede
eine Politik der Ehrlichkeit und in der Be-
schränkung der Selbstständigkeit eine Berech-
tigung, welche dem Lande Einfluß auf die ge-
meinsamen Angelegenheitcn der Monarchie
sichert. „Lloyd" freul sich' übcr die uuge-
schminkte Auerkennuug dcr NechtScontinuität
und hofft, die Adresse werde bezüglich der Ver-
ständigung mik den jenseitigen Ländern deS
Königs und dcr Nation würdig ausfallen.
„Hon" constatirt, daß die Wirkung dcr Thron-
rede theils Billigung, theilS Betroffenheit war;
lctzterc bei dcr Stelle, wo die Nevision der
1848er Gcsetze verlangt wird. „Hirnök" sagt,
die Thronrcde habe größere Befriedigung er-
regt, als erwartet wnrde

Die „Corrcspottdenc-ia" stcllt die Nachricht
in Abrede, daß die spanische Ncgiernng beab-
sichtige, dnrch Vermiltelung deS Herrn Pereire
eine Anlcihe abzuschließcn, da eine solche nicht
nöthig sei. Dcr Marschall Serrano ist zum
Präsidentcn deS spanischen Senats ernannt
worden.

Deutschland.

Karlsruhe, 14. Dec. Se. Großherzogl.
Hoheit der Prinz Wilhelm siud heutc Mittag
nach Brüssel abgcrcist, um der Beisctzung dcr
Leiche dcs Königs der Belgier bcizuwohncu,
und Sr. Majestät dcm rcgicrendcn König Leo-
pold It. das Beileid Sr. Königl. Hoheit wcgen
diescs TrauerfalleS, sowie die Glückwüusche zu
dem Negieruugsantritt auszusprcchen.

Im Gefolge Sr. Großherzogl. Hoheit befin-
den sich Obcrstleutnant Frhr. v. Laroche und
Ordonuanzoffizier Oberleutnant Mohl.

Karlsruhe, 15. Dcc. DaS heute erschie-
nene Ncgierungsblatt Nr. 58 enthält (außer
Personalnachrichten):

I. Gcsetz, die Stenerhebung für die Monate
December 1865, Januar, Februar und März
1866 betrcffend.

II. Vcrfügungcn und Bckanntmachungcn der
MinisteUien. 1) Bekanntmachungcn deS großh.
MinisteriumS dcs Jnnern: a) Dic Uebersicht
über den Zustand der General-Wittweukasse
im RechnuugSjahr 1864 betreffend. li) Das

i amtliche Verkündigungsblatt, der „Weinhcimer
i Anzeigcr" betreffend. Darnach wurde der in
i Wcinhcim erscheinende „Weinheimer Anzeiger"
an Stelle des „Mannh. Journ." vom 1. Ja-
nuar 1866 ab zum amtlichen VerkündigungS-
blatt für dcn Amts- und AmtSgerichts-Bczirk
Weinheim beslimmt. o) Die Apothekerlicenz
deS Ednard Schaaff von Buchen betrcffcnd.

UI. Diensterlcdigung. Die Stelle eineö Ex-
peditors bei dem großh. KreiS- und Hofgcricht
Mannheim.

IV. Todesfälle. Gestorben sind: Am 3. d.
M. der zroßh. Polizcikommissär Schwarz in
Basel; am 9. d. M. der Hauptmann M. Leger
vom 1. Füsilierbataillon in Freiburg.

Knrlsruhe, 11. Dec. Der „Schw. M."
schreibt: Die Wiederbcrufung der Kammern
wird erst erfolgcn, wcnn die wichtigern Vor-
lagcn der Regierung, welche diesc an den ge-
genwärtigen Landtag bringcn will, in den ver-
schiedenen Kreisen der Negierung selbst durch-
berathcn sind. Bei der Kürze der Zeit, die
seit dem letzten Landtag vcrflossen, war dies
nicht möglich Zu diesen Vorlagen gehört:
ein MinisterverantwortlichkcitSgesetz, cin Gcsetz
über dic Presse und daS VereinSrecht, endlich
ein vollständigcS VolkSschulgesetz. LctztcrcS, daS
nach dcr Natur dcS GcgenstandeS ziemlich um-
fangreich wcrden dürfre, bietet die meisten
Schwicrigkeiten, da dieAnsichten und Wünsche ge-
radeaufdicsem GebieteweitauSeinaudergehen und
cS schwer fallcn dürfte, selbst in beiden Kam-
mern nach dercn gegenwärtiger Zusammen-
setzung eine geschlosseue Mehrheit nach der
eiuen oder andern Nichtung hin zu gewinnen.
Denn unläugbar hat in der ersten Kammcr
daS ultranrontane Element an Zahl und Be-
deutnng gewonnen, währcnd in Wr Volkskam-
mcr eine entschiedcnerc liberale Nichtunß durch
Zahl und Befähigung sich gelteud machen
wird. An eine Abschwächung dcr Grundlagen
unserer Schulreform ist nicht zu denken; jeder
Versuch nach dieser Seite hiu würde nicht nur
an dcr Fortschrittspartei, sondern auch an man-

Schwurgerichtsoerhandlungen.

liLkitt statt. In Felge des Wadrspriichs der Hcr-

Tiige Hungerkost, verurtheilt.

3) Der ledige 27 Jahrc alte, bcurlaubte baycr.
Solr-at Ioh. Grorg Schmjtt ist angcklagt, am
3. Octob« r d. I. bci Hcrrn Moritz Koppct dahicr
rincil falschcn prcnßischcn 50 Tbalcrschcm, drn cr
obnc Ei»ivtrnändniß^mit dcm Vcrfcrtigcr an sich

drr Zeiigcn wurdc tas GutaLtrn brr Hrrrcn Münz-
rath Kachrl von Karlsrnhc, Dr. Lorent, Ban-
kirr Karl Hohei»kmser und Gravcur Dirm von
bier rrhobcn. Die Vertbridigung dcs Angrklagtcn
wnrde voi^Hcrrn Anwalt Wcller gesührt. Die

Zrrtbum als falsLrs Papirrgrlv zum Zwcck der !
VerauSgabung an fich brachte und alS ächt auS- !


— Die Uebrrfrommen nach Ncunkirch n. — Die
Iägrr nach Zägrrndorf, Hirschbrrg, in's Haslithal
oder^auf die Fuchsi'isrk^ —. Die Schn^idcr^nach

nach Dünkclsbühl.^— -^ie Einsarnrn nach Oedrn-
durg. — Die Wurstmachcr nach Darmstadt. — Die
Bartputzer nach Bartseld. — Die Vrrlicbtrn nach
Küßnacht. — Die Weibrrfreunde nach Magdebürg.

— Die Briefträgrr nach Oporto. — Die Rrcen-
senten nach Rügen. — Die Lehrer nach ^Schul-

pforta. — Die Kaltblütigen nach Eislrben. — Die
Iungfraurn auf die Iungfraurn-Inseln vder auf
den Mädchensprung.

** Literarisches.

Naturgcschichte für Volksschulen und Fortbil»
dungSclassrn. l. Tbirrkundr. Von I Rirdrlre.
VorstrbrndrSWcrkchen, dcssen Verfaff.r sick schon
dnrch verschicdene Arbrttrn um das Erzirhnngs-
wrsrn vrrdient gemacht hat, hilft eincm für die
Volksschnle längsk gcfübltrn Bkdürsn'ffc ab.

^ Die V^lkss^ülcr sol^cn biShcr^Allcs a^us unzu-

laffiing, auf die von drmsrlbrn Verfaffrr hrrauS-
gegcbcne Naturlrhre für Volksschnlrn aufmerksam
zu machcn. Berrits ist srit '/r Iahre dte dritte
Auflage crschienrn, was am brsten sür ihre auS-
grzcichnrte Brauchbarkrit sprtcht.
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