Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

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Darmstadt, 19. Dec. Am Schluß der.
heutigen Sitzung der zweiten Kammer vertagte
der Präsident »ieselb^, bis die Arbeiten der
Ausschüsie so weit vollendet sind. daß ein
Wiederzusammentritt geboten erscheint.

Lan-au, 20. Decbr. Hr. v. Schnitzlein,
Gouverneur der Bundesfestung Landau, ist
heute Nacht gestorben.

Müncden, 19. Dec. Nach den „Neuesten
Nachrichten" wird Semper auS Zürich in Auf-
trag des KönigS doch deMnächst hierher kom-
men, um mit dem Monarchen nähere Bespre-
chungen wegen Errichtung eines Opernhauses
im Glaspalaste zu pstegen. — DieS und die
Pensionirung des Frhrn. v. Lerchenfeld (der
übrigenS 4000 fi. Nuhegehalt bekömmt) würde
wohl andeuten, daß die ultramontane Partei
sich verrechnet hat, wenn sie durch die Entfer-
nung Wagners einen dauernden Sieg errungen
zu haben meinte.

Paffau, 17. Dec. Bci dem gestern zur
Aufführung gekommcnen großen Concerte im
hiesigen k. Redoutensaale kamen unter andern
auch drei Compositionen von Wagner zur Vor-
führung. AlS unser Capellmeister, Herr Hans
Mader, sich bei dcr dritten Abtheilung deS
Concertes, dic nur Wagner'sche Piecen ent-
hielt, zum Dirigentenpulte begab und eben die
„Jntroduction und Chor" auS der Opcr:
„der stiegenbe Holländer" beginnen lasien
wollte, erhob sich ein hier noch nie oagewesener
enthusiastischer Beifall mit dem Rufe: Hoch
lcbe Richard Wagner! Wagner hoch! der fast
den Saal erbeben machte; minutenlang währte
diese laute und einstimmige Ovation, die sich
in den Zwischenpausen in stürmischfter Wcise
wiederholte. Bei den beiden nachfolgenden
Pieccn aus „Tristan und Jsolde" und „Rienzi"
geschah daS in gleicher Weise. Sämmtliche
Musikstücke wurden 6a cnpv gespielt. Am
Schlusie wollten der Beifallssturm und die
Hochrufe gar nicht enden. (R. Anz.)

Meimar, 19. Decbr. Die des Prinzen-
raubversuchS und der Erpresiung angeklagten
Dr. med. Weiße und Weber Heise sind in
der gestrigen Hauptverhandlung mit 11 gegen
1 Stimme für schuldig erklärt worden. Auf
die jcdoch vom Vertheidiger FrieS beantragte
Frage, ob der Angeklagtc Weiße nicht voU ber
AuSführung deS VerbrechenS in dcr gesetzlich
vorgesehenen Frist freiwillig zurückgetreten sei,
antworteten die Geschworenen mit 8 gegen 4
Stimmen mit Ja. Hiernach wurde Dr. Weiße
freigesprocheu, der Angeklagte Heise hingegen
zu 3 Jahrcn ZuchthauS verurtheilt. (F. I.)

Triest, 19. Dec. Die heutc eingctroffene
Ueberlandpost bringt Nachrichten aus Bombay
bis zum 28. Nov. Am 11. Nov. hätten die
Engländer in Cuxa mit Bhutan einen Frieden
abgeschlossen, in Folge desien sie DuarS behal-
ten und die Regierung von Bhutan mit Geld
entschädigen. Der König von Bokhara hatte
dem Emir von Kabal ein Bündniß gegen
Nußland und England angeboten. Jung Ba-
hadur soll beabsichtigen, England abermals zu
besuchen.

Agram, 19. December. Jn der heutigen
Sitzung des Landtages wurde eine Erklärung

der Vertreter von Fiume verlcsen, daß diesel-
ben, waS staatsrechtliche Beziehungey betrisit,
nur jene Landtagsbeschlüsie als rechisgültig be-
trachten werden, welche im Einvernehmen mit
dem ungarischen Landlage zu Stande kommen.
F r a n k r e i ch.

Paris, 18. Dec. Die Botschaft des Prä-
sidenten Johnson macht, nachdem der Worl-
.laut bekannt geworden ift, einen immer grö-
ßern Eindruck. und besonders nehmen die un-
abhängigen Blätter mit begreiflicher Genug-
thuung von dem Act, waS über den Segen
der republikanischen Einrichtungen gesagl ist.
nicht mindern Eindruck macht die Sprache, die
der neue König der Bclgier bei seiner Eides-
leistung führte. Sogar Siccle und Opinion
Nationale verzichtcn unter diesem Eindruck auf
ihre chauvinistischen Aunexionsgelüste. — Jn
dew Tuilcrien ist eS schr übel vermerkt wor-
den, daß Prinz Napoleon, der hcute von Pran-
gins hier angekommen ist, statt an der Hoch-
zeit der Anna Murat am Leichenbegängniß von
A. Bixio Theil nahm. An dieser Trauerfeier-
lichkeit betheiligtcn sich nicht weniger als 5
bis 6000 Menschen, fast alle politischen, indu-
striellen und literarischen Berühmtheilen von
Paris, ohne Unterschied der Parteien.

E ch »v e t z.

Edur, 17. Dcc. Ungrfähr 2000 Schwci-
zerbürger auS allen Theilen Graubündens und
St. GallenS haben mit imposanter Einmüthig-
keit beschlossen, Beseitigung des EiseUbahnzankF
auS dem Bundesrathhause, Einschlagung ciner
würdigrn BuudeSpolitik und das Abstimmungs-
recht deS Schweizervolks in dcr Gesetzgebung
anzuftreben und 50,000 Unterschriften zu die-
sem Zwccke zu sammeln.

Bern, 18. Dec. Die schwcizerische LandS-
gemeinde in Langenthal tagte gestern nur 200
Köpfe stark in einem Saal, beschloß aber
gleichwohl Abbernfung der eidg. Räthe. Ein
Comite soll die hiefür nöthigen 50,000 Utt-
terschriften sammeln.

Z t a l i e n.

Florenz, 19. December. Jn dcr heutigen
Sitzung verlangtcn einige Abgeordnete, daß
das Decret, welcheS der Bank daS Schatzaml
zutheilt, getrennt von dem GesetzeScntwurf
übcr die provijorische Fortführung des Finanz-
dienstes, welcher ihre Billigung habe, berathen
werde. Finanzminister Sella bekämpfte den
Antrag. Die Kammer nahm mit 197 gegen
1 Stimme (4 enthielten sich), eine Tagesord-
nung an, worin der Minister eingcladen wird,
das Decret über den Schatzkammerdienst nicht
in Ausführung ;u bringen ohne Genehmigung
dcS ParlamentS.

S ch w e d e n

Christiania, 13. Decbr. Die steigende
Popularität deS KönigS und die Freude über
die Verfasiungsreform haben dazu beigetragen,
daß das Storthing gestern die königl. Civilliste
von 64,000 auf 84,000 Spec. erhöht hat.

Neueste ^dachrichteN.

Newyork, 9, Dec. (Mit dem Dampfer

ren Zeit sollte man daher mcinen, dürfte der Ge-

dir Lhüre klopfrn als gerade jrtzt, nm dir Mittcl
zu empfehlrn, unserc Lieben auf alle Fälle und mit

nigen nicht hülfloS zurück; ick kann mit dem Be-
wußtsein, meinr Pfltcht gegen sie erfüllt zu haben,
von ihnen scheiden!" Zu dirsem Zielc führt unS
nickts so sicher, als die LebenSversickerung, wofür
wlr den oft geführten Beweis an dieser Stellc ge-
trost auf sick beruhen laffrn können. Dabei wird
man uns nicht zutraurn, alS verlangten wir auf
den Weihnachtstischen nur Polizrn zu sehen. Wir


Am 27. v. M. wurde in der Nähe von PariS
rin den höhrren Ständen angehörender Mann er-
hängt gefunden. Der 77jährige GreiS hatte fick
srlbst entleibt und rine Selbstbiographie hinterlaf-
sen, derrn Einlkitung fülgendermaßen lautcte: „Ick

„City of Baltimore".) General Logan soll die
Annahme des Gesandtjchaftspostcns bei der
Republik Mcxico abgelehnl haben. Die Dauer
der Präsidentschaft von Juarez wurve bi- zu
dem Zeitpunkt verlängert, wo eine neue Prä-
sidentenwahl ausführbar fein wird.

Berlin, 20. Dec. Die heutige „Provin-
zialcorrefpondenz" bespricht die demLande auS
der Neorganisation erwachsenen Vortheile
und schließl ihre Betrachtungen mit folgcnden
Worlen: bie reorganisirte Armee ist ein gewal-
tiger Schild für die innere Entwickelung des
Vaterlandes; die Auswcckdungen für das Heer
tragen dem Lande rciche Früchte. Die Ehre
und daS Wohl deS LandeS erfordern unabweiS-
lich, daß daS Werl dcs Königs nicht crschüttert
werde. — Ferner äußert die Corrcspondenz
über die von einigen Organen der FortschrittS-
partei vorgeschlagene Verweigerung der Bndgel?
berathung, daß eS gleichgültig sei, in welcher
Form das AbgeordnetenhauS seinc Mitwirkung
sür daS Zustandckommen deS BudgetS versage.
Die Regierung werde sich allein an die Sache
halten und darnach und mit Nücksicht auf has
wahre Wohl des LandcS ihr Verhalten einrich-
ten. — BelreffS der Bcschaffung von Panzer-
'fregatten kann die Correspondenz als zuver-
lässig mittheilen, daß die Rcgierung wegen Er«
bauuug einer Fregatte mit einem Marseiller
und Londoner Hause unterhandle.

Prag, 20. Dec., Nachm. Jn der heutigen
Sitzung des böhmischen LandtagS legte Herr
v. Schmerling (nicht der frühere StaatSmini-
ster) fein Mandal nieder mit der Motivirung,
daß die von dem Regierungsvertretcr bei der
Adreßdcbatte über den ReichSrath gemachten
Bemerkungen ihm als Mitgliede des Abgeord-
netenhauses nicht gestatten, ferner einen Sitz
im Landtag einzunehmen. ^

Paris, 20. Decbr. Der „Moniteur" mel-
det: An den Eingängen der Facultäten ist
folgende Bekanntmachung angeschlagcn: Jeber
Studcnt soll scine Jmmatrikulationskarte bei
sich lragen, um in das Jnnere der Facnltät
zugelasien zu werden. Schwere Strafen wer-
den über die Studenlen verhängt, wclche ihre
Karlen an anbere Personen verleihen. Stu-
denten, welche die Ordnung gefährden, können
eine oder mehrere Znscriptionen verlieren und
zeitweili^ oder für immer von der Pariser
Academie auSgeschlosien werden. (Diese Maß-
regel ist durch die Ausregung veranlaßt, welche
die Relegation der Theilnehmer'' am Lütticher
Studentencongreß im lateinischen Viertel her-
vorgebrachl hat.)

Pnris, 20. Dec. Ans Nom vom 16. d.
M. hier eingetroffcne Bricfe melden, daß zwi-
schen Jtalien und dem päpstlichcn Stuhle cine
Vereinbarung getroffen ist, wclcher zufolge Zta-
lien von jctzt ab die Zinsen für 25 Millionen
römischer Thaler der päpstlichen Anlcihr an
das Haus Rothschild zahlen wcrde. Bei Ab-
gang der Depesche (12 Uhr 45 Min. Nachm.)
stand 3proc. Rente 68,28 und Cred. Mob. 887.

Florenz, 20. Dec. Man versichert, Vegezzi
werde an Stelle deS verstorbenen Grafen Nigra
zum Minifter des königlichen HauseS ernannt
werden.

Vermögen größtentbeilS eingebüßt, eine sehr vor-
theilbafte Stellung verloren und zehnmal tie Ge-
lkgenhrit. mich glücklich zu verheirathen, verabsäumt.
Hullc^ Krcund^ ^^

r^obnheit des AinsckikbcnS^ nur^ctn Vorwand mar,
binter dkm sich Selbftfucht und Trägbcit bnrgen.
Habe ich mick doch vor geistiger und körperlicker
Anstrkngung immer gefürcktet und immer nur le-

ick auch, daß die Selbftverurtbeilung, die ick jetzt

ist. Meinem Alter nack stebe ick am Rande deS
Grabes. Der Gedanke an Selbstmord tst über mick
gekommen, und wenigstkns rinmal im Leben will
rck einen energtscken Entschluß auck energisch und
ungesäumt durchführen. Ick hängc mich auf.
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