Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

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rrKilung.

Kreisverkündigungsblatt füc Sen Kreis Hcidelberg unü amtliches Lerkündigungsblatt für die Aints- und Amts-
Gerichtsbezirke Heidelbcrg und Wicsloch und dcn Amtsgerichtsbezirk Neckargemünd.

Nk>- 306. Samstag, so. December


186S

Einladung zum Abonnement.

Auf^as mit dem 1. Jaiiuar 1866 beginnende
1. Quartal der „Heidelberger Zeitung"
laden wir anmit zum Abonnemcnt ergebenst ein.
Die Heidelberger Zeitung ist durch Beschluß
Großh. Ministeriums des Jnncrn vom 24. No-
vember v. I., Nr. 14,731, als Kreisver-
kündigungsblatt für den Kreis Heidel-
berg und als amtlichesVerkündigungs-
blatt für die Amts- und Amtsgcrichtsbezirke
Heidelberg und Wiesloch und den AmtS-
gerichtsbezirk Neckargemünderklärt worden,
in Folge dessen alle Bckanntmachungen der
betreffenden Staatsftellen darin zu erscheinen
haben.

Jndem wir uns im Uebrigen auf das mehr-
fach veröffentlichte ausführliche Programm be-
ziehen, bemerken wir hier noch, daß das vier-
teljährliche Abonnement in hiesiger Stadt 1 fl.
3 kr., durch die Poft bezogen 1 fl. 24 kr. be-
trägt. Jnserate, welche durch unsere Zeitung
die ausgedehnteste Verbreitung finden, werden
mit 3 kr.»die dreispaltige Petitzeile oder deren
Raum berechnet.

Heidelberg, im Decbr. 1865.

Die Exvedition.

-' (Schifsgasse Nr. 4.)

* Politifche Umschau.

* Der Kaiser der Franzosen hat dem Papste
ein für diesen sehr werthvolles Weihnachtsge-
schenk gemacht. Französische Blätter berichten,
daß er demselben 10,000 Soldaten überlaffen
habe. Der Papst soll diese in seinen eigenen
Sold nehmen, nnd damit einc Armee zu seinem
Schutze bilden. Dieses Uebercinkommen ift von
großcr Wichtigkeit. Ndchdcm man sich bisher
vielfach den Kopf darüber zerbrochen hattc, in
welcker Weise der im September 1864 zwischen
Frankreich nnd Jtalien abgeschlossene Vertrag
ausgeführt werdcn würde (kraft dessen die fran-
zösiichcn Truppcn in 2 Jahren Rom zu ver-
lassen hätten), nachdem man häufig hin und
hcrgestritten hatte, ob dieS überhaupt geschehen
würde, — löst sich das Räthsel nunmehr zicm-
lich unerwartet dahin, daß die Franzosen Nom

Trichinen!!!

„Trichinen!" heißt's bei Nacht und Tag,
„Trichinen!" aller Orten!

Doch was die Welt auch reden mag:

Ich kenne schlimmre Sortenü!

Um sie zu findew müßt ihr nicht

Es wiinmelt rings im TageSlicht
DaS Leben von Trichinrn.

Kennt ihr die bleiche, stille Schaar,

Die jede Schmach brmäntelt?

Und AbenvS — wird getändelt/

Die Sünde blickt so öd', so hohl
AuS ihren frommen Mtenen —

Was frag ich noch? ihr kennt fie wohl,
DeS EhristenthumS Trichtnen!

Der Ueberzeugung Heiligkeit
Die ehrt und achtet Ieder;

Doch ost ruft Eigrnnutz zum Strett
Und netzt die feile Feder.

verlaffen und zugleich bleiben. Man nennt
dte sortan noch in Nom blcibenden französischen
Truppen päpstliche, und Alleö ist in Orvnung.
Ein Unterschied ist nur darin, daß küuftig die
srauzösischcn Finanzen, die bisher wegen der
eudlosen Besetzung Noms schr iu Anspruch ge-
nommen waren, hinsichtlich dieses Puuktcs ent-
lastet werdcn, und daß der Papst die künftige
Garnison NomS zu bezahlen haben wird. Nun
sind freilich die päpstlichen Finanzcn in einem
äußerst schlcchten Zustande, bcsonderS nachdem
der Papst den größten Theil seiurr weltiichen
Besitzungen verloren hat, aber dennoch die Zin-
scn der Staatsschuld für den ganzen Kirchen-
staal zahlen muß. Auf Anordnuug Napo-
leons Lll. soll j«doch — unter Uebereinstim-
mung des KönigS von Ztalien — auch hier
Nath gcschafft werden. Es soll nämlich —
nach dcr Versicherung deS Parijer BlatteS „la
France" ein Abkommen getroffen werden, wo-
nach die für jene Zinsenzahlung nöthige sehr
bedeutende Summe auf das große Schuldbuch
Jtaliens übertragcn werdcn wird.

Dcr Kaiser von Oesterreich hal dem kaiscr-
lichen Prinzen von Frankrcich ncvst einem
Handschreiben daS Grogkreuz dcs L-t. Ttephanö-
Ordens zum WeihnachlSgeschenke überreichen
lassen.

. Der Justizminister Graf zur Lippe hat an
sämmtliche Staatsanwaltschaflen lm Königreich
Preußen cin Nescript erlassen, nach welchem,
wenn ein Zeitungsblatt an einem Orte mit
Beschlag belegt und Anklage erhobcn wird, die
Staatsanwallschaften allcr Orten, wo ein Blatt
dcn incriminirlen Artikcl abgeoruckl hat, eben-
falls Anklage erheben müssen.

Wie die „Jtalie" vom 25. meldet, hat endlich
die MinistcrkrisiS zu einem günstigen Ergebniß
geführt. Der Eintritt der Herreu Lallza, Chia-
ves, Saracco und Jacini scheine entschieden zu
sein. Ucbcr die Ministcrien dcS Krieges, der
Marine und deS öffcnllichen UuterrichtcS sci
indessen noch nichtö enljchiedcn. Man erwar-
tet, auf Sonntag Abend eine Lösung diescr
Frage zu haben.

Nach dem „Moniteur" ift in der internatio-
nalen Conferenz eine Münzconvention zwischen
Frankreich, Belgien, Jtalicn und der Schweiz
am 23. Dcc. untcrzeichnet worden.

Nach der „France" ist das Verbot der „Jn-
dependance belge" im Kaiscrreich Frankreich cr-
folgt. — Wie letztcre schreibt, soll eS im

Oft muß daS stolA, deutsche Wort ,

Gcmeinen Ränkcn dienkn:

Der Presse Schan d -T rich inen!

Ihr wollt für Deutschlands Glück und Ruhm !
Die jungen Kräfte weihen?

Doch üppig blüht das Iunkerthum;

Kann da das Volk gedeihen?

Wer findet für das kranke Kind
Die rechten Medicinen?

Glaubt mtr's: Gcwiffe Leute sind
DcS Vaterlands Trichinen!

Du wirst dereinst gesunden.

Ward erst däs Uebel rechr erkannt,

Jst Hülfe bald gefunden.

Voran, trotz Mühsal und Gefahr,

Bis dir das Heil rrschicnen:

Kocht mir taS Zeug nur gründlich gar,
Dann sterbcn die Trichinen!!!

Arthur Freiherr von Deich. !

Werke sein, die auswärtige Preffe in Frankreich
noch strenger alS bishcr zu behandeln. Jede
ConfiScation soll einer Vcrwarnung gleichge-
achtet und nach drei dieser ConfiScationen soll
daS Verbot des Blattes auSgesprockcn werden.

Der oberste Untcrrichtsrath in PariS hat
daS Urtheil, durch wclcheS scchs Studenten
wegcn ihrer Theilnahme an dem Lütticher Con-
greß von der Universität Paris relcgirt wnr-
den, bestätigt.

Die Sludentenbewegung beschäftigt die Pa-
riser noch immer. Auch hat der „Moniteur"
bereitS angekündigt, daß Hr. Tardieu seine
Stelle alS Decan der medicinischen Facultät
bereits iliedergelegt hat. Ein Schrciben de«
UnterrichtsministerS an denselben wird als Ver-
anlassung bezeichnet.

DaS „Journal deS DebatS" findet die über
den jungen Grafen Eulenburg in der Ott'schen
Angelegenheit verhängte Festungshaft von 3* */,
Mouat nicht genügend. Solche Festungshaft,
meint es, sei in Preußen nur eine Art Villeg-
giatur.

Der „TempS" meldet, die Generalcongrega-
tion der Cardinäle habe in eincr am 21. d. M.
abgehaltenen Sitzung sich dasür auSgesprochen,
daß der Papst auch nach dem vollständigcn
Abzuge der französischen Truppen in Nom-blci-
ben möge.

Dcm „Newyork Herald" zufolge habe bei
einem Banket, daS dcr General SickleS gegeben,
Gcneral Grant sich vffcn dahin ausgesprochen,
daß jctzt der günstige Äugenblick da sei, Maxi-
milian auS Meriko hinauSzujagen, und daß
eine so gute Gclegenheit niemals wiederkommen
würde.

Deurschland.

— Mannheim, 27. Dec. Wenn die in
dcr 2. Kammcr sich bildende entschiedenc Fort-
schrittSpartei, von der schon so viel gcsprochen
worden ist, keinen weitcr gehcnden Zweck ver-
folgt, als die Negicrung in ihren Bestrebungen
anzufcuern und sie zu überzeugen, daß sie in
ihrcn Neformcn durchaus nicht, wie die Kle-
rikalcn -ehaupten, zu weit gegangen sei, son-
dern daß die bcgonnencn ncuen Staatscinrich-
tungen noch ciner wcitercn Entwickelung auf
der vorhandencn Grundlage fähig seien: so
wird sie der Negierung zu ciuer wesentlichen
Stütze dienen und ihren Plänen förderlich wer-
den. Wenn sie aber eine feindselige Opposi»

, § Mannheim, 19. Dcc. In drr Buchdruckerei

j von I. Slbnridcr dahter wird in einigrn Tagen
i ein diographischeS Sckriftchen erscheinen, auf welcheS
j Einscnder, der eS im Manuscript zu lesen Gelegen--
! heit hatte, das Publikum aufmerksam zu machen
! nicht untcrlaffrn will. Es führt drn Titel: „Er-
i innerungen von Hermann Mors, und enthält
in leichter humoristischer Sprache die pikanteften
LebenSereigniffe drs VerfasserS auS feiner Iugrnd-
zeit, seinem llniversitätsleben, scinrr Betheilignng
i an der badischen Rrvolution von 1848 und 1849
und seinrm zehnjährigen Aufrntbalte in Amrrika,
von wo er srtt vier Jahren wieder zurückgekehrt ist.
Da der Verf. durck die militärische Stellung, die
er in drm Rcvolutibnsheere rinnahm, in den Stand
gesitzt war, manche intereffante Einzelheitrn zu be-
rickten, die nicht in die officrellrn Actenstücke über-
grgangrn sind, so wird drr Lrser diese Blätter nicht
odne Drfriedigung auS der Hand legen und zu-
gleich daS lodnenve Bewußtsein in fich tragrn, zur
Gründung einer nruen Berufssphäre des von dem
- Sckicksal bin und her geworfenen VerfafferS EtwaS
! beigrtragen zu haben.
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