Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

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Uridtlbergrr Ztitling.

KreiSlierküuüigungsblatt für üen Kreis Heidclberg unü amlliches Berlündigungsblatt für üie Aints^ und Auits-
Gcrichtsbezirke Heidelbcrg und WicSloch und dcn AmtSgerichtsbezirk Neckargemünd.

Nkl 3tt7. Sonntag, !il December 18«L

* Politifche Umfchau.

* Eine gewisse ausregendc Episodc bei der
jetzigen stillen, an politischen Ereignissen armcn
Zeit bildcn dic von d§r jungeu Gelehrlcnwelt
in PariS hervorgerusencn tumultuarischen Sze«
nen. Jn den Branseköpsen deS Quartier Latin
leben die Erinnerungen an die schönen Tage
der Freihcit, die in PariS und Frankreich von
Aeit zu Zeit wicderkehrlen, lebhastcr, als sonst
irgendwo in diesem Lande sort. Da die jugend-
liche Phantasie dcn Reizen der Börsenspeculation
nicht zuganglich, auch daS Studium der Wissen-
schaften derselben nicht gVtstig ist, da das Ge-
müth deS JünglingS noch zu sehr in idealen
Anschauungen besangen ist, um die Vorthcile
einer Laufbahu zu würdigen, die cine gehörig
brauchbare, aber auch unterthanige und dem
bestehenden Systemc ergebene Kraft bis zur
HLHe der ersten StaatSwürden gelangen läßt;.
da cndlich der Pariser Student nicht auf den
Marschallsstab aspirirt, dcn der sranzösische
Soldat im Tornister trägt, und diesen dem
NapoleoniSmus ergcben macht — so stnd die
Zöglinge der Uuiversität unvcrmögeud, dic bohen
Segnungen der neucn cäsabischen Aera Frank-
reichs zu würdigen. Sie Hesallen sich vielmehr
im Gegentheile darin, bei jeder passeuden oder
uupassenden Gelegcnheit ihren Zukunstproteft
gegen die napoleonische Aera einzulegen, und
daS Andenken an jene Tage zu erwcckcn, in
wclchen dcr Genius der Freiheit das franzo-
stsche Volk begeisterte, leider abcr nur allzu
oft auch berauschte!

* Die Lage der Dinge in Griechenland ist
jetzt wieder der Art, datz der König Georg sich
ohne Jntervention der Schntzmächle kanm län-
ger wird halten könnrn. Ob er wirklich ge-
neigt ist, durch das auf die Dauer prccäre
Mittel einer solchen Jntervention sich zu behaup-
ten, muß vorerst dahingestellt bleiben; schwerlich
wird die frcmde Zntervention aber in dem Falle
überflüssig werden, wenn König Georgiys es
vorzieht, Griechenland zu verlassen und nach
Kopenhagen zurnckzukehren. — Ebenso ernft ist
anch die Lage der Dinge in den Donaufürsten-
thümern. Man gcwinut immer mchr die Ueber-
zcugung, daß anch der dortige Fürst (Cousa)
sich nicht chaltcn kann, sclbst dann nicht, wenn
ihrn wieder, wie schon rininal. ein Staatsstreich
auf kurze Zeit gelingt. ES wird alS thatsäch-
lich bcvorstehrnd berichtet, daß ernste Verhand-
lnngen auch über diese letztere Angelegenheit

Das neue Jatzr. ,

Sei nnS gcgrußt, bu ncucs Iahr!

Sri hold uns, wie baS alte war;

Erhalt' drs FriedenS heil'ges Band
Für unfer deutscheS Vaterland!

Du find'st der Geister. mächt'gen Streit,

Dcn Kampf der Meinung wett und breit,

So finde drnn auch allerwärtS
Den rrchtcn Sinn, daS rechte Hcrz:

Wie auck der Kampf drr Grister glüht,

Es blribe redlich das Gcmüth,

Nnd rtckte immer fich drr Blick
N»r auf deS VaterlandeS Glück. —

Sei unS gegrüßt drnn, neiirS Irhr,

Sei bold unS, wle daS akte war! —

So brrite demrn Srgen aus,
vring' Licht und Freud' in frdeS HauS,
Srwärm' und pflkge jede Krait,

. Die RecbtrS wkll und GutrS schafft,

Nnd dalt' in Gnaden deine Haird

Skadt-Theater in Heidelberg.

/r. Den letzten Tbeaterabend dcr vorigen Wocke !
wollcn wir nur flüchtig bcrüchren, da wir mtt drm -
unft.rn Brlprechungrn zugrwiesenen kargrn Raum
sehr bauSbälterisck umgehrn müffrn. „Ei»e homöv-
pathische Kur' nach drm Französischen von WagrS >

zur Zeit zwischen den curopäischen Cabineten
obschweben. Die weitere Entwicklung der Dinge
im europäischen'Oriente kann plötzlich und un-
erwartet eintreten. und vielleicht sofort grvße
Dimensionen annehmen. Zu gleicher Zeit mag
diese Sachlage mit als ein Grund dienen-, die
so überraschende Nachricht eineS BündnisseS
zwischen Oesterreich und Frankreich einiger-
maßen zu erklärcn. (Dgl. Wien, 27. Dec^)

Auch Hamioper hat sich jetzt herbeigelassen,
eii.e bedingungSweise zustimmende Erklärung
bczüglich dcS italienischen HandclSvertrags ein-
zusenden.

Der franz. Senator Marquis Larochejaque«
lein ist gtstern Nachmittag in Pecq bei St.
Gcrmain gestorben.

Die an der Wiener Abendbörse am 27. ver-
breitete Nachricht über die Erklärung Napo-
leonS, die Convention von Miramare durch-
führen zu wollen, ist unbegründet; Frankreich
erklärt im Gegentheil die Convention als un-
ausführbar und unterhandelt mit Kaiser Mari-
milian übcr eine neue, die Räumung MexikoS
bezweckende Csnvention.

Die „Frauce" widerlegt die Nachricht, wel-
cher zufolge der französische Gesandte bei Len
Vereinigten Staaten von Rordamerika bezüg-
lich der mexikanischcn Angelegenheit.neue Jn-
structionen verlangt und dem Cabinet 'von
Washington erklärt häben sollte, er würde ab-
reisen, wenn der Präsident Johnson einen Ge-
sandten an Juarez sende.

Neucsten Nachrichten zufolge hat Lanza daS
Portefeuille der Finanzen angenommen.

Jn Portugal ist den Kammern ein auf den
frewsten Grundlagen ruhendes Preßgesetz vor-
gelegt worden. Alle Präventivmaßregeln, Cau-
tion, Stempel rc. werden damit beseitigt.

Deurfchland.

Karlsruhe, 29. Dec. Se. Großherzogl.
Hoheit dcr Prinz Karl ist heute früh 3 Uhr
zum Besuch Seiner Königlichen Hohcit deS
GroßherzogS uach Vevsy abgercist.

Karlsruhe, 29. Dec. DaS heitte erschäe-
nene Regbl. Nr. 59 enthält Bersügungen und
Bekanntmachungen dcr Ministerieii. s) Be-
kamitmachuiig des großh. Ministeriums des
groffh. Hauses und der auswartigen Anqelegen-
heiten: Deu zu Paris am 17. Mai 1865 ab-
geschlosstuen internationalen Tolegraphenvertrag
betreffcud. b) Bckanntmachuiig dcS großherz.

einer höchst wivksamen Charaktcrfigur. Am Montag
ging Cbkrubtni's „Waffcrträgrr" in Scene. A»f
dcn Zaubrr drr Musik, die Kraft und Anmuth
harmonisck vereint unb sich durck mristrrbafte In-
strumeiitation auszeicknrt, könnrn wir ntckt nährr
eingeben. Die Vvrstrllung bot virl Gutrs, vor-
^gsweisr ^in den ^Lristungcn^ der Herren Pichon,

Applnus hrrausfordernde Glanzpunkte. Untrr tzen
Episodrndarsteflern vrrhiencn Hr. Ttcsrl, Hr. Albi-
nuö (drr sletS, wrnn^rr^die Flasche ^n drr Hand

Ucken Spielrs genannt zu werden. Außev ben bei
grfülltem Hause stattgehadten Wiederholungen der
„Afrikanertn" und drr „weißen Tamr" wurde am
M'ttwoch daS iüngstr Kimr- drr „Birch-Pfriffrr'scben''
Muse. daS Originalschauspiel „In drr Hrimath" zur
Anfführung gedrackt. Wrnn der Erfolg der brste
Richter tst, so muß dtcse nrueste Production der
fruchtbarcn Dame rinrn Ehrenplatz unter tbrrn,
dcr Zabl Hundrrt fich berritS näherndrn brama-
tischrn Srzeugniffen einnehmen. DaS Stück hatte I

Handel-ministeriumS: Dcn neuen deutsch-öfier-
reichischen TelegraphenvereinSvertrag betr.

^KarlSruhe, 24. Dcc. Die Eiscnbahn-
schiffbrücke bei Maxau, welche die direkte Ver-
bindung unserer Knielinger Bahu mit der
pfälzischen LudwigSbahn vermittelt. ist nuii be.
reltS seit einem halben Jahre in Gebrauch, und
hat sich vortrefflich bewährt. Aüe Zweifel,
wclche über die Tragfähigkeit einer solchen
Schiffbrücke sür dcn ununkerbrochenen Eisen-
bahnverkehr über grvßerc Flüsse AnfangS ge«
hegt wurden, sind verschwunden; daS Problem
ist gelöst und hat sich zur vollkommeneu Zu-
fricdenheit der Unternehmer bewährt. Mit
einem Aufwand von etma 200,000 fl. ist hier
erreicht worden, wozu sonst zur Herstellung
eincr feststehenden- Eisenbahnbrückc mchr als
eine Million Gulden ersorderlich sind.

Seit der Herstellung dieser direkten Verbin-
dung hat sich der Verkehr auf unserer Karls-
ruhe'Knielingcr Bahn außerordentlich gehoben.
Jnsbesondere gilt dieS vom Güterverkehr, der
jetzt monatlich im Durchschnitt 200,000 Ctr.
beträgt. Hauptsächlich sind e« Steinkohlcn und
Holz, auch Wein, die jotzt nach und über KarlS-
ruhc, und von da nach den mittlern und obern
LandeSgegenden wohlfeiler und schneller besör-
dert werden könncn. Die von der Stadtge-
uieinde KarlSnihe in schwerer Zeit auf ihre
eigene Kosten unternommene und den vielfachen
Bcfürchtungen gegenüber muthig ausgesührte
directe Schienenverbindung nüt der bayerischen
Pfalz ist nunmehr auch bezüglich ihrer Renta-
bilität ein gesicherteö Unternehmen, daS bereits
ungefähr 3 Prozent abwirft, und für die Zu-
kunft einen noch reicheren Ertrag in kaum
zweifelhafte AuSsicht stcllt. Wir freuen uns
dieses Rksultates, wclches das Unternehmen
eincr Bärgergemeinde unseres LandeS gehabt
hät, und daS ihr um so mehr zur Ehre anzu-
rechnen ift, als lcider in unserem Deutschland
man immcr noch gewöhnt ist,^ bei allen eini-
gcrmaßen bedeutenderen Unternehmungen, welche
doch durch daS wohlerwogene eigene Jnteresse
nahe getegt sind, nichtS beffercs zu wiffen, als
sofort an die Hilfe und den Credit dcs Staa-
tes zn appellircn, wic wir dies jetzt wieder bei
einem vielbesprochenen Eisenbahnproject in der
Nheinebene vorfinden. (Die Stadt Mannheim
macht cine Ausnahme und ift zu Opfcrn be-
reit. s. AnS Baden.)

— Maunheim, 30. Decbr. Bezüglich

drrum als drnkende Köustler. Auck die Herren
Frrimülter und Hagrn tbaten ibr BestcS. Die Da-
nikn, die dteSmal Frau Birck-Pfeiffer mit beson-
ders gutrn RollkN bedacht hat,^ krr^tten ^alle

WSrm,^,md^nniglett

kann. Obne Zmrif'rl wtrd eS auch bet der nächstrn
Aufführung recht zahlreiche Zuschauer anziehen.
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