Dehio, Georg
Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler (Band 1): Mitteldeutschland — Berlin, 1905

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Seitlich Marienaltar und Josephsaltar von demselben 1750 und
1751. — Kanzel0 von Permoser und Hackl, Holz in Weiß und
Gold staffiert; die Bühne von einem schwebenden Wolkenknäuel
mit Evangelisten und Engeln getragen; im Gegensatz dazu Brüstung
und Treppengeländer in einfachen Flächen; am Schalldeckel
Trophäe der Marterwerkzeuge. — Weihwasserbecken0, Muschel
auf einer Wolke, aus der Engelsköpfe hervorlugen. — Im Umgang
Beichtstühle von Hackl. — In der Kreuz-Kp. Altargemälde
von Charles Hutin. Die Ausstattung der übrigen Kpp. bietet nichts
über den Durchschnitt hinausgehendes. Die Deckengemälde
der Sakraments-Kp.° von Stefano Torelli, der Benno-Kp.° von
Anton Maulbersch, der Nepomuk-Kp.° von Karl Falko. Im
NWSchiff weichlich virtuose Statue der h. Magdalena0 von
Francesco Baratta. In der Gruft Statue Christi0 an der Marter-
säule von Balthasar Permoser 1721. Johannes d. T.° in der
Tauf-K. angebl. von Lorenzo Bernini. Leuchter, Kelche und son-
stige Altargeräte aus 18. Jh.

Kreuz-K. (Dibelius, Festschrift 1900). Gegr. gleichzeitig mit der
Stadt um 1200; zweimal vollständig erneuert: 1491 und 1760.
Vom 2. Bau sind Grundriß0 und Ansichten0 erhalten: Hallenbau
von 3 Sch. und 6 J. in der Richtung der Erzgebirgsschule; etwas
älter, M. 15. Jh., der Chor; er war in seiner reichen Dekoration an
Streben und Fenstern der Marien-K. zu Bernburg ähnlich und rührt
von denselben Meistern her, Hanns und Matthias Kumoller; die
für eine damals noch basilikal gedachte Anlage begonnene Fassade
hatte 2 Türme; bei der Umwandlung in Hlk. wurde dem hohen
Dach desselben ein breites Glockenhaus zwischen den Türmen vor-
gelegt und die Mitte durch eine dritte Turmspitze bezeichnet. —
Der jetzige Bau 1764—92 von J. G. Schmidt, Exner und Eigen-
willig; die letzte Hervorbringung der für den protestantischen
Kirchenbau so wichtigen Schule G. Bährs. Die Anlage indessen
nicht, wie Bahr es am liebsten hatte, zentral, sondern ein Kom-
promiß zwischen zentraler und longitudinaler Grundform. Von
dem rechteckigen Umfang kommt der WBau für T. und Emporen-
treppen in Abzug; ferner sind am OEnde die Ecken abgerundet;
als Gemeindehaus verbleibt ein Quadrat, in dem aber doch wieder
durch elliptischen Grundriß der Emporen die west. öst. Axe stärker
betont ist. Die Emporen gestützt auf wenige, schlanke, die Über-
sicht nicht hemmende Pfeiler. Ihretwegen kein massives Gewölbe;
sondern nur ein verputztes Schalwerk gewagt. Am wenigsten be-
friedigt die Lichtführung. Die Neuausstattung 1900 will zeigen,
daß auch ohne Nachahmung der alten Stilformen, mit freimodernen
Einzelheiten eine harmonische Gesamtwirkung erzeugt werden kann.
Sophien-K. (ehem. Franziskaner). OPartie E. 13. Jh., weiterhin
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