Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

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wäre die Stadt sogar in Brand gesteckt wor-
den. Von Windsor sollen Truppcn dahin ge-
sendet worden sein. — Fernere Ruhesrörungen
werdcn gemelbet aus Lincoln, Knigs, Lynn,
CarliSle, Oldham, Tavystok, Notlingham und
Shesfteld.

. Jn Ncuyork circulirt unter dem Handels-
stande eine Petition an den Präsidenten John-
sou, um ihul darzulegen, daß eS den Jnteressen
und einer guten Politik entsprechend sei, oen
Kaiser Maximilian anzuerkennen. Die Peti-
soll zahlreichc Unterschriften erhalten.

D e « t s ch l a u d

Heidelberg, 13. Juli. Die hiesige Uni-
versität soll, wie der „Augsb. Allg. Ztg." ge-
schrieben wird, eine Erweiterung in der Art
erhalten, daß neben den vicr herkömmlichen
Facultäten eine fünfte, welcher die staatswissen-
schaftlichen und kameralistischen FLcher im en-
gcren Sinn zugewiesen werdcn, hergestellt wird.
Dieser Plau ist nicht neu; er ist bekanntlich
au der Univcrsität Tübingen schon vor längerer
Zeit, namentlich durch Zuthun ihres damaligen
Mitglieds, des Staatsrechtslehrcrs Robert Mohl,
zur Ausführung gebracht worden. Hier will
man indeß noch etwas weiter gehcn, und nament-
lich auch Forstwissenschaft, Technologie, Land-
wirthschaft in den Lehrkreis der neuen Facultät
hineinziehen. Die eigenthümlichen Verhältnisse
unserer Pfälzer Hochschulc, an der in neuerer
Zeit mehr und mehr Russen, Polen, Serben,
auch Nordamerikaner, ihre höhere geistige Aus-
bildung suchcn, legen eine solche Erweiterung
ihres Studicnkreises nahe, der den mehr reali-
stischen Bedürfnisscn der genannten Nationalen
entspricht. Unsere Rcgierung ist für die Reali-
sirung des Plans günstig gestimmt, und die
Untcrhandlungeu darüber sind bereitS im Gang.
Auch der Kostenpunkt dürfte bei dcn Ständen
keine Hindernisse berciten, da bei dem schon
vorhandenen zahlreichen Lehrerpersonal nur we-
nige neue Berufungen crforderlich würden.

— Aus der Diöcefe Weinkeim, 12.
Juli. Es scheint, daß wir allmählig doch an
das Ziel unserer Wünsche kommen, und das
Sprichwort: „Gut Ding will Weile haben"
beginnt sick bei uns in erfreulicher Weise zu
erfüllen. Wir haben schon oft über die Klein-
heit unserer Diöcese und über die damit ver-
bundenen Nachtheile, die wir erst im verflosse-
nen Jahre wieder recht lebhaft empfanden,
Klage geführt, ohne zu ahnen, daß die Zeit
dcr Abhilfe so nahe sei. Unsere Diöcese be-
steht uämlich, wie bekannt, nur aus sechs
Pfarreien, von deren sechs Geistlichen nur
Einer dcr freieren, die fünf übrigen der ortho-
doxen Richtung angehörten. Durch den be-
greistichen Einfiuß der Geistlichen auf die mei-
stens schon unter der Protection derselben ge-
wähltcn weltlichen Mitglieder des Kirchenge-
meinderachs und der Diöcesausynode wurde bei
der Abstimmung über kirchliche Fragen immer
daS kaum zu verhütende Ergebniß erzielt, daß
die orthodox-pietistische Richtung in der Mehr-
heit blieb, ungeachtet in der Gesammtheit der

von venen jedock zu tiefem Sckmerze der Eltern

Prinzessinnen gediehen unter der sorgsamen Pflege
der hohrn Eltern.

Nur zwei Ereigniffe brachten inmitten des hei-
tern Lauses dieser glücklichen Zeit eine schmerzens-
reicke Lrauer.

Die Grsundheit der Königin von Schweden war
seit längercr Zeit gestört; Sie mußte deßhalb ein
milderes Clima aufsuchen, und begab Sick im
August 1826 auf Anrathen der Aerzte nach Lau-

Jn trüber Ahnung sah die junge Markgräfin
die innig geliebte Mutter sckeiden, welcke Sie in
Erwartung Jhrer bevyrstehenden Entbindnng nicht
begleitrn konnte.

Bald trafen beunruhigende Nachrichten ein, und
14 Tage nach der am 9. September 1826 statt-
gehabten Entbindung von einem Prinzen, dem
jetzt rrgiercndrn Großherzog Friedrich, mußte die
hohe Wöchnerin den Tod der Königlicken Mutter
betrauern.

Daö Absckeidrn von dieser edlen Frau zerriß ein

Gemeinden ein freierer Geist vorherrschend war.
Daraus enlstanden jedeSmal Unzufriedenheil
und Verdruß und nachträgliche Reibungen
und Kämpfe. Die Gemeinden konnten nie
zu ihrem Rechte gelangen, es nie dahin brin-
gen, daß die kirchlichen Verhandlungen ein
Zeugniß und cinen Ausdruck dcr allgemeinen
Willensmeinung enthielten. Jn einer größeren
Diöcese können nicht leicht jolche bedauerlichen
Zustände eintreten, theils weil es nicht mit
rechten Dingen zngehen müßte, wcnn nicht an
der Spitzc mehrerer Gemeinden auch einfluß-
reiche Geistliche von freieren Grundsätzen sich
befänden, theils weil überhaupt hier der Ge-
nicingeift sich kräftiger entwickeln und entschie-
dener aussprechcn wird. Die oberste Kirkhen-
behörde scheint gleichfalls dlese Uebcrzeugung
gewonnen zu haben, denn in ihrem soeben er-
schienenen und von den nächsten Diöcesansyno-
den zu berathcnden Entwurfe ciner besseren
Eintheilung der Diöcesen ift auch die Vergrös-
serung der unsrigen vorgesehen, was wir mit
Dank und Freude begrüßen. Schon diese ein-
zelne Maßregel, mit welcher wir, um nicht zn
viel auf Einmal zu begehren, uns für jetzt
zufrieden geben, wird eine neue Aera für unser
kirchliches Leben bringen.

)( AuS Baden. Fast überallher auS den
mittleren und kleineren Städten des Landes er-
geht die Kunde, daß man sich für Beibehaltung
des Gewcrbschulzwangs entschieden habe,
und auch von den andern, besonders den Haupt-
gewerbeplätzen wird dies zu erwarten scin. Bei
diesem Zwang kann der Aufschwung der Ge-
werbe nur gewinnen. Es liegt lediglich im
Znteresse der Zndustrie selbst, daß eine tüchtige
Vorbereitung ihrer gcistigen Kräftc stattfiude
und dieselbe nicht auf Kosten lcerer Meinungen,
die in'S Gebiet einer noch ungeklärten Zeit-
strömung gehören, verkürzt werde. Hört der
Zwang zum Besuche der Gewerbschulc auf, so
vermindert sich nothwendigermaßen die Tüchtig-
keit des Arbeiterstandes (?), der mit dem HLnde-
werk allein die großen Erfolge nicht erzielen
kann, zu denen die Gewerdsthätigkeit berusen
ist und die sie auf vielen Gebieten schon errungen
hat, so daß es gilt, sie da auch sestzuhalten
und noch zu höherer Blüthc emporzubringen.
Auch hier ist der Grundsatz anzuwenden, daß
man die Menfchcn oft wider ihren Willen und
in ihrem cigenen Jnteresse zum Rechten und
Guten anhalten muß und> daß man sich durch
die crhobenen Gegenstimmen nichl von der
bessern Erkenntniß und Uebuug abbringen
lassen darf.

Mannheim, 28. Juni. Von hier ist sol-
gende Erklarung erlassen worden: Anläßlich
der vor einigen Wochen in Leipzig abgehaltenen
allgemeinen Lehrerversammlung und in Be-
ziehung auf Einräumung einer Kirche an die-
selbe hat das königlich sächsische Ministerium
des Cultus nnd öffentlichen U.uterrichls am 4.
d. M. in eincr an die KreiSdirection zu Leipzig
ergangenen Verfügung ausgesprochen, die im
Jahrc 1863 zu Mannheim abgehaltene Lehrer-
versammlung habe der Erwartung, daß die
Verhandlungen einer Lehrerversammlung in

rbrn so schöncs als festes Band treuer Liebe, wel-

Wcise gepsiegt hatte.

ungewöbnlicke Tugenden und reiche Erfahrungcn
hoch stehenden Frau Markgräfin Amalie, der
Großmutter der Verewigten, an deren Hofe alle
höheren Jntereffen fich eincr weisen Pflege erfreu-
tcn, welcker dte Stätte eines befruchtenden geistigen
Lebens während einer langen Reihe von Iabren

dock immer zu früb, Ihren Angehörigen im Jahr
1832 durch den Tod entrissen, und die Enkelin,
in dankbarcr Verrhrung der Großmutter ergeben,

ren Verlnst.

Am 3V. März 1830 starb Großherzog Ludwig,
und es ging die Regierung des Landcs auf den
Markgrafen Leopold uber. DaS junge Rcgenten-

Großherzogin Sophie wußte bald durck Ihr lie- !
benswürdiges Wobkwollen die Herzen der Badener '

würdiger Weise würden geführt werden, nicht
entsprochen; eS sehe jedoch die damaligen Vor-
gänge uur alS eine vereiuzelte Erscheinung an,
die sich hoffentlich in Sachsen nicht wiedrrholen
werde. Dieser von dem „Dresdner Zournal"
in Nr. 129 d. I. veröffentlichte Erlaß macht
es nun zwar unmöglich, dem gegen die allge-
meine Lehrerversammlung dcs Jahres 1863,
welche in der hiesigen evangelischen TrinitatiS-
kirche gehalten wurde, geschleuderten herben
Vorwurf der Unwürdigkeit ihrer Verhandlun-
gen eine thatsächliche Widerlegung entgegen zu
stellen, da er, überhaupl unmolivirt, Thatsachen
anzuführen untcrläßt. Wir können jedoch auch
in solchcr Fafsung diesen Vorwnrf auf der
damit in ihrer Gesammtheit angegriffenen, von
unserer Stadt in ihrer ganzen Bürgerschaft mit
Freude aufgenommenen Versammlung nicht
ruhen laffen und erklären deßhalb aus genauer
Kenntniß jener. von den Einwohnern der Stadt
mit dem größten Jntereffe begleiteten Verhand-
lungen die Anschuldigung der Unwürdigkeit für
völlig grundlos, unwahr u. uuberechtigt. Mann-
heim, 28. Zuni 1865. Gr. Bürgcrmeisteramt
Der erste Bürgermeister. Achenbach. Der ev.
protestantische Kirchengemeinderath. Schellen-
berg, Stadtpfarrer.*)-

Frankfurt, 14. Juli. Der Eisenbahnzug,
welcher die Tchützen aus Baden, Würtemberg
und der «schweiz, die zum Schützenfest nach
Bremen reisen, hieher führte, wurde von den
hiesigen Dchützcn und Tausenden von Menschen
eingeholt. Hr. Ravenstein begrüßte die Schweizer
Schützen, worauf Hr. Präsident Ziegler aus
Schaffhausen dankte. Hierauf gings in die
Stadt, um aus dem Nömcr die Fahne des
deutschen Schützenbundes abzuholen. Hr. Dr.
Müller nahm dieselbe von Herrn Senator
v. Bernus entgegen. Als die Bundesfahne und
die andern, Frankfurt von der Schweiz, Amerika
und Wien verehrten Fahnen am Portale des
Römers erschienen, erscholl tausendstimmiges
Hoch, das sich auf dem Wege zum Main-
Weser - Bahnhofe noch mehrmals wiederholte.
Um 8 Uhr Abends verließ der Extrazug nach
Bremen, aus 17 Waggons bestehend, unsere
Stadt.

WieSbshen, 15. Juli. Bei der heutigen
Wahl der Großindustriellen in Limbnrg zur
ersten Kammer siegte die Fortschrittspartei mit
großer Majorität. Gewählt wurden: Giebeler
iu Dillenburg, Wimpf in Weilburg und Di-
rector Scholz in Wiesbaden.

Stuttgart, 14. Zuli. Jn der heutigen
Sitzung der Kammer der Abgeordneten beschäf-
tigt sich das Haus mit der Petition dcr Thier-
ärzte des Landes um Verbesserung der socialen
und pecuniären iHtellung der Thierärzte. Die
Eingabe macht zur Begründung ihrer Bitte gel-
tend, daß der den Thierärzten des Landes an-
vcrtraute Theil deS Nationalvermögens
120.520,000 fl. betragc, daß es zunächst ihm

zu gewinnen; aber die Gkwandtheit, Anmuth und
Begabung der jungen Fürstin erfüllte die bedeu-
tendsten Männrr des Landes mit Bewunderung,
Staatsmänner und Gelehrte der Hockschulen rühm-
ten die Fülle des Geistes, das Verständniß für
die Intereffen des Gemeinwcseiis, der Wissenschaft
und Kunst, welche fich in der gewanvten Rede der
hohcn Frau kundgaben.

(Fortsetzung folgt.)

(Neuestes Wiener Bonmot.) „Wir befin-
den uns in einer sonderbaren Lage; haben zwei
Häuser und kein Labinet." — Antwort eines Ab-
geordneten: „Sonderbar, abcr immer besser, als
ein Cabinet ohne Häuser."

Im Briefkasten der j,Frankf. Latern" finden wir
folgende Antwort an cinen E. in Darmstadt: „Sie
sragen bei uns an, woher der Name des badischen
Flüßchens Oos stamme. Es ist vor alten Zeiten
einmal ein Sachsenhäuser hineingefallen."
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