Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

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UtidelberM Zeitung.

Kreislicrküiidigungsblatt fiir üen Kreis Heidclberg und amtliches ÄerkünSignngSblatt für üie Amts- und Antts-
Gcrichtsbezirke Heidclbcrg und Wicsloch nnd dcn Aintsgerichtsbezirk Neckargeniünd.


Dienstag, l August



^ Nuf die „Heidelberger
Zeitung" kann man sich
- noch sür die Monate

August und Septemper mit 42 Kreuzern abon-
niren bei allen Postanstalten, den Boten und
Zeitungsträgern, sowie dek Expedition (Schiff-
gaffe Nr. 4).

* Psiitische jlmschan.

Nach der „Kreuzzeitung" ersolgte die Ver-
hastung May's lediglich, um ihn als preußi-
schen Unterthanen iür seine Schmähartikel ge-
genPreußen vor preußischen Gerichten zurVer-
antwortzlng zu ziehen. DasJunkerblatt bemerkt
dazu: „Niemand wird Preußen das Recht be-
streiten können, in dem oon ihm mitbeseffenen
Lande gegen seine eigenen Unterthanen einzu-
schreiten. Der hierhergehörige §. 4 des preu-
ßischen Strafgesetzbuches lautet: . . . Jedoch
kann in Preußen nach preußischen Strasgesetzen
versolgt und bestraft werden... 2) einPreuße,
welcher im Auslande gegen Preußen eine hoch-
perrätherische oder eine landesverrätherische
Handlung, eine Majestätsbeleidigung oder ein
Münzverbrechen begangen hat; 3) ein Preuße,
welcher im Auslande eine Handlung begangen
hat, welche nach preußischen Gesetzen als ein
Verbrechen oder ein Vergehen bestrast wird
und auch durch die Gesetze des Orts, wo sie
begangen wurde, mit Strase bedroht ist u.s.w.

Die Gemeinde des Allgemeinen Deutschen
(Lassalle'schen) Arbeitervcrcins in Berlin wurde
aus Grund des Vereinsgesetzes, §§ 8 und 16,
polizeilich geschlossen. Versammluugen derselben
sind bis auf Weitercs untersagt.

Jn Düsseldors ist das zweite' Blatt der
„Rhein. Ztg." am 26., in Magdeburg ist
die „Magdeb. Prcsse" vom 26. ohne Angabe
von Gründen mit Beschlag belegt worden; eben-
so ist in Danzig bie Abendnummer der „Dan-
ziger Zeitung" vom 25. ohne Angabe des Grun-
des, und in Görlitz die „Niederschles. Z^g."
vom 25. wegen ihres das Abgeordnetensest be-
sprechenden Leitartikels mit Beschlag belegt
worden.

Nach der officiösen „Weimarschen Ztg." sei
Aussicht auf eine Zusammcnkunft der Monar-
chen Oesterreichs, Preußens, Bayerns und Sach-
senS in Salzburg vorhanden.

D e n t s ch l a rr ?>.

Karlsruhe, 29. Juli. Dienstnachrichten.

Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben
mit höchster Entschließung aus großh. Staats-
ministerium vom 21. d. M. gnadigst geruht,
den Kreisgerichtsrath Krebs in Lörrach in glei-
cher Eigenschaft nach Heidelberg, den Kreisge-
richtsasscssor Dr. Fritschi in Mosbach in glei-
cher Eigenschast nach Offenburg zu versetzen;
den Amtsrichter Haaß in Emmendiugen zum
Kreisgerichtsassessor bei dem Kreis- und Hos-
gericht Freiburg, den Sccretär Heinsheimer in
Freiburg zum Kreisgerichtsassessor iu Lörrach
zu ernennen; den Oberamtsrichter Hepp in
Bretten nach Haslach, den Amtsrichter v. Stetten
zu Ncckargemünd nach Meersburg, den Amts-
richter Beck in Walldürn uach Neckargemünd
zu vcrsetzen; den Secretär Nau in Baden zum
Amtsrichter in Emmendingen, den Referendär
Kugler in Mosbach zum Amtsrichter in Wall-
dürn, den Resercndär Jäckle in Stockach zum
Amtsrichter in Radolszell, den ReferendärKamm
in Lörrach zum Amtsrichter in Bretten, den
Referendär Stchle in Breisach zum Secretär
bei dem Kreis- und Hofgericht Freiburg, den
Rcferendär Max Buisson in Offenburg zum
Secretär bei dem Kreisgericht Baden zu er-
nennen.

Karlsrube, 29. Juli. Das heute erschie-
nene großh. Regbl. Nr. 36 enthält: Bekannt-
machung deS großh. Ministeriums des großh.
Hauscs und der auSwärtigen Angelcgcnheiten:
Den Vertrag über die Fortdauer des deutschen
Zoll- und HandelsvereinS betrcffend.

Baden, 28. Juli. Heute Nachmittag 4
Uhr fand dahier in dcr von Seiner Großher-
zoglichen Hohcit dem Prinzen und der Prin-
zessin Wilhelm bewohnten Villa die Aufnahme
des üblichen Beurkundungsactes über die Geburt
der neugebornen Prinzessin durch dcn Präsi-
denten des MinisteriumS des Großh. Hauses
statt. — Nach dem neuesten Bülletin ist das
Besinden Jhrer Kaiserl. Hoheit dcr Prinzessin
Wilhelm und der ncugebornen Prinzessin so
erfreulich und dcr Verlauf des Wochenbettes so
günstig, daß man für das Wohlergehen der hohen
Wöchnerin und der neugebornen Prinzessin die
besten Hoffnungen zu hegen berechtigt ist.

c? Aus Baden, 29. Juli. Die orthodoxe
Partei, die bei allen ihren Angriffen anf die
Glaubensfreiheit bis jctzt unierlegen ist, setzt
nun — so viel man hört — ihre Hoffnung
auf die im künftigen Jahre (1866) zusam-
mentrctende Geueralsynode, welche die Frage

über das Princip ver Lehrfreiheit, dcn Ge-
minarzwang rc. behandeln und übcrhaupt von
entscheidcnder Wichtigkeit werden wird. Daß
nun das Princip der Lehrfreiheit auf dieser
Synode untcrliege, ist nach der ganzen bishe-
rigeu Haltung der eminenten Mehrheit der
Bevölkerung äußerst unwahrscheinlich. Da-
gegen werden gerade die Vertreter der fteien
Richtnng in ihrer Mehrheit für Aufhebung
des Seminarzwanges stimmen. Es wider-
spricht dieser nämlich den übrigen Grundsätzen
unseres kirchlichen Lebens; mit ihm fällt dann
auch jeder vcrnünftige Grund desTadelsüber daS
Seminar selbst und dessen Lehrcr. Es wird
sich dann zeigen, daß die Zahl derer, welche
von der wohlthätig wirkenden Anstalt keinen
Gebrauch machen, nur eine sehr klcine ist.
Es haben schon unbefangene Orthodoxen selbst
erklärt, daß ihre Söhne in dem Seminare kei-
nerlei nachtheilige, sondern fördernde Einwir-
kung empfangen haben.

Darmstadt, 29. Juli. Mit den Nach-
mittagszügen ist bereits eine Zahl Turnergäste
dahier eingetroffen und von den aus der Schul-
jugend recrutirten „Turnersührern" in die ihnen
angewiesenen Quartiere gebracht worden. Die
Stadt ist im Begriff, sich in ihr Festgewand
zu kleiden, und bieten schon'diejenigen Stadt-
theile, wo Indnstrie und Handel vorzugsweise
ihren Sitz aufgeschlagen haben: die Altstadt,
der Markt und seine Umgebungen, einen schönen
Anblick oar, währcno es den Anschein hat, als
wollte sich die Mehrzahl der Bewohner oer
Rhein- und Neckarstraße und deren Sciten-
straßen, der Sitze der Beamtenaristokratie, dem
Feste gegenüber theilnahmlos verhalten. Vor-
theilhaft zeichnet sich hier das Hotel des Mini-
sters v. Dalwigk anS mit seinen schwarz-roth-
goldenen Fahnen von gewaltigcn Dimensionen.
Von dcn 2000 zu erwartenden Gästen konnte
nicht einmal die Hälfte in Privatquartieren
untergebracht werden und ist daher leider eine
unverhältnißmäßig große Anzahl auf die leidi-
gen Masscnquarticre angewiesen. (F. I.)

Berlin, 28. Juli. Die „Nordd. Allg.
Ztg." sagt bezüglich der Wiener Correspondenz
der Köln. Ztg. vom 27. über die Concessionen
Oesterreichö an Preußen in derHerzogthümer-
frage: Der Correspsndent sei von der Ansicht
auögegangen, Prenßen würde nach Einsetzung
eines Oberhauptes sich mit diesem verständigen,
während das preußische Cabinet mehrfach er-

Karlsrube, 20. Juli. Die „KarlSr. Ztg." wid-
met dem in den Rubestand getrktenen Dr. Eisen-
lohr folgende Worte: „Die verwichene Woche hat
uns ein Fest gebrack^, wie es nur seltrn vorkomm(;
wirmeinen die schöneDankesfeier(Fackelzug u.s.w ),
welche die Schülcr des Polytechniknms ihrem nack
stchS und vierzigjähriger Wirksamkeit in den Ruhe-
stand zurucktretcnden Lehrer Hru. Gch. Rath Dr.
Eisenlohr bereitct haben. Macht rs in einrr Zeit
der faft slürmischen.Entwtcklung und dcs raschen
Wechsels >chon einen ungewohnten und wohlthuen-
den Eindruck, wenn in dem bunten Gedräng eine
Erschcinung überhaupt nur etnen langen Bestand
hat, wenn cin einzelner Mensch fast ein halbes
Zahrhunvert fortzuwirten vermag, wie viel mehr
muß dics noch der Fall sein, wenn einc solche
Wirksamkctt auf die höckstcn Ziele dxr Menschheit >
gerichtet und von einrm Srgen begleitet war, !
wclchrr fich'auf mehrere Generationen erstrcckt? j
Wir fragen dann unwillkürlich, wie denn dies !
Alles so werdrn konnte, unv findrn in dem vor- i
liegcnden Fall die einfache Antwort tn dem Le- j
benSgang deö Gcfeierten, aus drm wir, so weit
es uns die Rückficht auf die Brscheidenheit des I

bis zuin Jahr 1841, wo er an dte hiefige polytcch-
nische Sckule berufen wurde. Wie er an beiden
Anstalten wtrkre, wie er seine Schüler für bie
Wissenschaft anregte, und wie nachhaltig rr auf
Vie Bildung ihreS Eharakters einwtrkte, davon
würde, wenn es noch eines Nachwrises bedürfte,

Stellungen ihre Tüchtigkcit bewährrn, sondern auch
der Jünglinge, welchc den Antheil des väterlichen
Lehrers jederzeit mit ihrer warmen jugendlichen
Liebe und mit dcm innigsten Vertrauen rrwiederten.
Diese Scküler hab.rn ihre Gesinnungen auf eine
cben so sinnige als würdige Wcise in einer Adreffe
ausgcsprochen, welche fie dem gefeierten Lehrer
überrcichten. Daß der Zubilar außerhalb seineS
LehrberufS auch noch anderweitig, namcntlich auch
für die Wissenschaft und ihre Verwerthung gewirkt
hat, ist bekannt. Die Eisenlohr'sche Zündmaschine,
bei welcher der scharfsinnige Erfinder durch einen
Waffertropfen das sonst so unbequeme Entweichen
des Wafferstosfgases zu verhüten wußte. tst noch
nicht vergeffcn, uud der Eistnlohr'sche Ofen, bet
dcm das Zuströmen der Luft sick durch einrn Eom-
pensationsstab von stlbst regultrt, ist noch im Ge-
brauck, sowie auch scine Apparate zur Erklärung
der Licht-, Wärme- und Hlüsfigkcitsschwingungen
und sein bereitS in neun Auflagen erschieneneS
Lehrbuch der Phyfik fich writ über unser Land
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