Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

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comuüsiare waren vcrgangene Woche znr regcl- i
maßigen MonalSsitzung hier versammelt; in
dersclben sollen gemeinschaslliche Anordnungen
bezüglich der Geschafle und der Geschäftsleitnng
der Kreisversammlungen Hanptgegenstand der
Besprechunz gewcsen sein. — Jm Gegcnsatz
zur ultramontanen Kritik der neuen Organi-
sationcu ist die Bevölkerung gerade mit den
Bezirksräthen nnd der VerwaltungsrechtSpflcge
außerordcntlich zufriedcn. Was dic Polizei-
strafsachen betrifft, so liegt die Besierung gegen
früher auf flacher Hand; früher«gab dcr ein-
zelne Beamte in den vier Wänden seiner Stube
Vorschrift, Urtheil und Dollstreckung; jetzt spricht
dcr Polizeirichter und zwei Schöffcn auf Grund
des Gesetzes in öffentlichcr Verhandlung; ganz
ebenjo sind die Bürgschaften einer guten Civil-
und StrafrechtSpflege unendüch vermehrt durch
die in ganz Europa anerfannten Grundsätze der
Oeffentlichkeit und Mündlichkeit. Abgesehen
voil einzelnen Sporteln und Tapen sind die
Procesie im Ganzcn nicht einmal theurer als
früher, weil sie ungemein verkürzt sind und
eine Verschleppung fast zur Unmöglichkeit ge-
macht ist. (S M.)

KarrSruhe, 9. Oct. Wie der „L>. M."
vernimmt, werden alle vier nculich gewählte
Abgeordnete deS grundherrlichcn AdelS oberhalb
der Murg die Wahl ablehncn, von drcien ist
dies bereits erfolgt. Was die Ablehnung der
Herren v. Kageneck und v. Stotzingen bclrifft,
welche bereitS Mitglieder der ersten Kammer
gewesen sind, so schreibt man solche dem Um-
staüd zu, daß diese Herren von Seiten ihrer
Standesgenosien allerlei Vorwürsen sich ausge-
setzt sahen wegen ihreS angeblich nicht conser-
vativ genug befundenen Verhaltens. Dieß
könnte sich unseres Erachtens nur auf eine ein-
zige, aber allerdings principielle Frage beziehen,
die Rcorganisation dcr erstcn Kammer.

Stuttgart, 8. Oct. Die von dem letzten
Landtage verabschiedeten Gesetze werdcn nun
alle nach und nach promulgirt. Vor einigen
Tagen das neue Creditgesetz für die Studiren-
den der Landesuniversttät; gcstern das Gesetz
über Arandschadenvergütung bei Explosionen
durch Gas u. s. w.; früher das neue Brannt-
weinstcuergefetz, daS Gesetz über die Herabsez-
zung dcs Alters der Volljährigkeit, das Com-
plexlasten-, das Schulgesetz u. s. w. — Ein
neues würtemberg. Eisenbahnanlehcn steht nahe
bevor. Die ersten 10 Millionen der von den
Ständen für- den Eisenbahnbau verwilligten
Anlehen sollen vergebcn werden. Die Obliga-
tionen werden eben gedruckt. (Frkf. I.)

München, 9. Okt. Heute Nacht hatten
wir eineu Scandal in vollster Blüthe. Von
der Oktoberfestwiese herein arretirte Abends
halb 6 Uhr ein Gendarm einen Nennknaben,
der unzüchtige Lieder sang und trotz aller Er-
mahnungen von seinem excessiven Benehmen
nicht nachließ. Da sich eine Menge Volkes
dieser Arrestation widersetzte, brachte der Gcn-
darm den Delinquenten in eine Droschke, die
jedoch in der Schwanthalerstraße von dem
nachdrängenden Volke angehalten wurde. Der
Gendarm ergriff, nachdcm er sah, daß er nichts
auszurichten vermöge, die Flucht, verwundete

i jedoch seinen Arrestanten. vorher noch durch
einen Säbelhieb und eilte dann, verfolgt von
der Menge und geschützt von eiuigen andern
Gendarmcn, in die „Westendhalle." Nun
wurdc diese umringt und cin mördcrisches Ge-
schrei erhob sich. Bewaffnetc Mannschaft von
der Hauptwache kam, Polizeidirektor, Regie-
rungSpräsident und Stadtkommandant eilten
herbei, der Scanda! wuchs, bis er endlich durch
die vorrückenden Kürassiere niedergcdrückt wurde.
Um 10 Uhr war eS ruhig und bis nach 11
Uhr fiel keine Störung der öffentlichen Ord-
nung vor. Mvtzlich aber zog vom ^Oultplatz
her ein ncuer Haufe^. Volkes, der in wenigen
Minuten zu Tausenden angewachsen war. Die
ankommenden Kürassiere wurden ausgezischt,
Polizeidirektor Pfeufer, der dic Menge zum
Auseinandergehen aufforderte, ausgelacht, das
Militär mit Steinen gcworfen. Die Auffor-
derung, den. Platz zu räumen, wurde verlesen,
umsonst; Reiter sprengten unter die Menge,
vergeblich! Die Leute wichen pfeifend und
schimpfend zurück, um im nächften Augenblicke
wieder zu kommen und das alte Tpiel zu be-
ginnen. Da (gegen 10 Uhr) licß der Stadt-
commandant mit gefälltem Bajonette den Platz
säubern, und die Sache schien cndlich beigelegt
zu sein, so daß das Militär gegeu halb elf
Uhr abziehen konnte. Kaum aber waren die
Soldaten verschwunden, als die Menge neucr-
dings gegen die verschlossenen Thüren stürzte
und um Herausgabe des Gendarmen schrie
und cin paar Gendarmen tüchtig durchprügelte.
Wieder kam das Militär, zahlreichcr als zuvor.
Einer Ansprache des Regierungsprasidenten
und dcr erncuten Aufforderung zur Ruhe und
den Platz zu verlasien, wurde nicht Folge ge-
leistet; das Schreien und Pfeifen dauerte fort.
Endlich schien dem Commandanten die lang
bcwiesene Geduld zu reißen, und es wurden
mehrere Angriffe befohlen (N-chts 12 Uhr)
und mit scharfen Waffen eingehäuen. Sehr
viele Verhaftungen wurden vorgenommen und
zahlreiche Verwundungen sollen vorgekommen
sein. Noch um 1 Uhr NachtS, wo wir Die-
ses schrciben, ist Militär vor der Westendhalle
aufgestellt.

München, 9. Okt. Ueber die Excesie be-
merken die „N. Nachr." u. A.: L)oviel kön-
nen wir schon jetzt als das Resultat der Mit-
theilungen konstatiren, daß die Exeesie hervor-
gerufen wurden durch den großen Mangel ge-
setzlichen SinneS bei cinem Theile des Publi-
kumS, daß ste aber zu solcher Höhe erst ge-
steigert wurdcn durch die Rohheit einzelner
zur Dämpfung des Aufruhrs Berufener, durch
die Beschimpfung und Rücksichtslosigkeit, mit
welcher von Seite dieser gegen ganz ruhig
Vorübergehcnde, selbft in von dem Orte des
Excesics entfernten Gegenden verfahren wurde.
Wir konstatiren ferner, daß unter dem Mili-
tär keine, dagegen unter dem Publikum viel-
fache Verwundungen vorkamen, ein Beweis
dafür, daß die Widersetzlichkeit keinesfalls cine
sehr gewaltthätige war. Die verhafteten Exc^-
denten sind 129 Personcn.

Berlin,. 4. Octbr. So weit bis jetzt bc-
stimmt, werden II. MM. der Köniz und die

Kvnigin am 13. October Baden>Baden ver-
lasscn, zunächst zu einem kurzen Aufenthalt
nach Koblenz' gehen, und dann sich zur Jubel-
fcier nach Münsier begcben, von wo der König
am 20. October wieder in Bcrlin eintreffen
wird.

Bcrlin, 7. Okt. Der Redakteur deS Klad-
deradatsch, Hr. Dohm, wurde gesteru von der
Preßdeputation des hiestgen Stadtgerichts we-
gen Beleidigung des Barons Senfft-Pilsach
(in Bezug auf eine von letzterem am 14. Juni
d. I. im Herrcnhause gehaltene Rede) zu 50
Thalern Geldbuße verurtheilt.

Kölv, 7. Okt. Classen-Kappelmann hat in
dem Proceß, den die Stadt wegcn der Gürze-
nichmiethe bei Gelegenheit des Abgeordneten-
festes gegen denselben anstrebt, dic Regierung
beiladen lassen, indem er annimmt, daß der
Polizeipräsident im Auftrage dcr k. Regierung
den Gürzenich polizeilich besetzen ließ und ihn
davurch än seincm Micthverhältniß störte. Da-
raus folgert der Verklagtc, daß auch die Re-
gierung zur Zahlung der Miethe von 75 Thlrn.
verpflichtet sei; ein Drittcr habe nicht das
Recht, ihn im Genusse eines Micthvertrages
zu beeinträchtigen. Jn der auf heute anbe-
raumtcn Sitzung bcantragtc der Vertreter der
Regierung, Hr. Esier jun., eine dreiwöchige
Vertagung, welche nach einigen Erörterungen
bewilligt-wurde. Adv.-Anwalt Bessel vertritt
Hrn. Clasien-Kappelmann und Adv.-Anwalt
Du Mont die Stadt. ' (Fr. I.)

Aus der Provinz PreuHen, 5. Okt
Ein Cirkularschreiben dcs Regierungspräsiden-
ten v. Kamptz in Königsberg lhut das Schul-
blatt für die Provinz Preußen und dcn Volks-
kalcnder Wandcrer, welchc vbn dcm aus dem
Amte diSciplinirten Lehrer Eduard Sack hcraus-
'gegeben werden, in den Bann. Den Lehrern
wird untcr Androhung unbestimmter Strafen
untcrsagt, Beiträge zu jenen Schriften zu lie-
fern, dieselben zu lesen und zu verbreiten. Eben-
so wird den Lehrern geboten, auS dem alten,
von Diesterweg angeregten Pestalozziverein aus-
und in den ncuen mückerischen Wantrupp-Pe-
stalozziverein einzutrcten.

Dresden, 6. Okt. Die zur Bearbeitung
eines allgemeinen deutschen Obligationsrech»
tcs nicdergesetzte Kommission, welche sich nach
Beendigung des Entwurfes in erster Lcsnng
im Sommer dieser Jahres vertagt chatte, ist
gestern zur Aufnahme der Berathungen in
zweiter Lesung wieder zusammengetreten.

Leipzig, 7. Dctober. Die Leipziger Bank
wird von 'morgen ab ihren Diskonto auf 7
pCt. erhöhen.

Eutin, 3. Okt. Frhr. v. Gablenz hat dein
großherzogl. Hoflager gestern einen Besüch ab-
gestattet. Begleitet von seinem Eivil-Adlatus,
Ministerialrath v. Hoffmann, und zwei Offü
zieren, stieg er im Schloß ab, wosclbst um 6
Uhr großc Tafel war, und fuhr gegen 10 Uhr
nach Kiel zurück. (H. N.)

Hamburg, 7. Okt. Hr. May wird jetzt
die Redgktion der von ihm im Namen und
für Nechnung einer Anzahl schleswig-holsteini-
scher Patrioten gegründeten „SchleSwig-Hol-
steinischen Zeitung" wiedcr übernehmcn nnd

sich Georg MünL in Begleitung des Rathschreibers
Knapp von Kattelbach zu Valentin Schäfer. Bansch-
bach bemrrktr den Münch, als dieser durch Wagen-
schwend ging, vachte fich sogleich, daß dies der
Käufer des Gutes sri und forderte während des
Mittagskffens seinrn Vater auf, mit ihm zu Va-
lentin Schäfer zu gehen, um ihm zuzureden, daß
er sein Gut feiner Tochter übergrben möge. Bcide
trafen auch zwischen 1 und 2 Uhr in Unterscheiden-
thal ein, während bie VerkaufSunterhandlungen
noch im Gangc waren. Augusr Banschhach erklärte
der Kathartne Schäfer, daß er heute nicht gekom-
men wärc, wenn er nickt den Mann auS Wagen-
schwend hätte laufen seben, ihrer Mutter aber gab
er als Grund seines Kommens die Avsicht, Vieh
zu knufen an. Dke beidcn Banschback sprachen nun
im Stalle, wobin Valcntin Schäfer durck seine
Ehefrau gerufen wurve, anfänglich vom Viehkauf,
und als dieser bemerkk hatte, er babe kein Vieh
zu verkaufen, kam die Rece auf die beabfichtigte
Heirath und die Uebergabe des GutcS. Münch

Um 3 Uhr NackmittagS kam dann der Verkauf des
Gutes um 4900 fl. an Geld zu Stande.

August Bunsckbach wurve hierüber sehr aufge-

Stande bringen. Dirs wurde im Hofe des Hauses
> Sckäfers verhandelt, nnd als etnige Zeit darauf
! Münck die beiden Bansckbach von dem Kaufab-
! schluffe in Kcnntniß srtzte und fich August Bansch-
! bach darüder verstimmt zetgte, bemerkte ihm Georg
! Münch, wenn er ihm Profit gebe, wrrde er von
! dem Gute wieder abtrcten, worauf aber A. Banschbach
' erwiederte, er habe kein Gcld zum Profitgeben.sSchl.f.)

(Scklauheit dcr Berliner

mit^seiner Mutter zusammenlebt, begab fick/ wie
die „Staatsb. Ztg." '.ttttheilt, am Montag nach
einem in der Nähe der Linden gelrgene« Caw.
Mütze und Degen legte er im Vorzimmer ab un»
begab fich dann in daS anstoßende Zimmcr, wo
seine Kameraden Platz genommen. Als er imL
Verlauf einiger Stunden wicder nach
hausung zuückkehren wollte, vermißte cr seine Mupe
und schickte deshalb einen Auswärter nack Hauie,
um cine andere Kopfbedeckung zu holen. Wie er-
staunte er, als ihm seine abhandcn gekommen
Mütze gebracht wurde. Eiligst kehrte er m >"n
Wovnung zurück und crfubr hier, baß ein anstan-
dig gekleideter Herr seine Mütze achgcgebcn und ee
Helm und 25Thalcr in Empfang gcnommcn yav'
indem er der alten Dame vorschwindelte, ber pe
Lieutenant müsse söfort in Dienstangelegenyen

Wir kömU-»

nicht noch mehr wünscken. Daß wir .
r dänische Unterthanen sind, hakten wn l ' ö^
arz aus weiß, über nnstre letzige polimcy
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