Der Kunstwart: Rundschau über alle Gebiete des Schönen ; Monatshefte für Kunst, Literatur und Leben — 11,2.1898

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Leuten schon lassen rnüssen; warum aber gcrade die schlechtesten Kaiscrbilder,
deren sich ein Dorfwirtshaus schämen würde, hier aufgehängt werden, das er-
klärt selbst ihre Billigkeit nicht zur Genüge. Allerdings, die Uniform ist „tadel-
los^, Scheitel und Schnurrbart sind höchst kunstvoll, der „Rest" aber würe am
besten Schweigcn. Man fragt sich, ob von den Summen, die auf das Militär
verwandt werden, für solchen Schmuck denn kein Pfennig übrig bleibt? Datz
andere Bilder, als patriotische, sich in Kasernen fänden, ist wohl zu viel ver-
langt, dagegen scheint der Wunsch, aus dcr vaterländischen Geschichte mchr als
die Bilder der drei Kaiser zu sehn, mir nicht ganz unberechtigt. Ob sich nicht
ein Kunstverlag zur Herstellung guter und — durch den Massenvertrieb ermög-
licht — billiger Bilder bereit sünde?* Sie würden eine bessere Zierde unserer
Kasernengänge sein als die grelle« Oeldrucke von heute, die sich z. B. von ver-
goldeten Kochgeschirren umrahmt finden, aus denen wahrscheinlich Prinz T.
im Kaisermanöver höchstcigenmündig gegessen hat.

Lassen wirs hiemit gut sein. Jch wollte nur an ein paar Beispielew
zeigen, wie man auf das Stück Volk, das man zwei bis drei Jahre so ganz in
der Hand hat, auch künstlerisch ein wenig einwirken könnte. Wie das geistige
(und sittliche?) Niveau des Mannes in seiner Dienstzeit gehoben wird, so läßt
sich das Glciche, wenn auch erst in fernerer Reihe, mit seinem Geschmack ver-
suchen. Man machte ihm dadurch dcn Dienst erträglicher und schritte zugleich
auf dem Wegc zur Volkskunst ein Stück vorwärts, indem man Menschen
beeinflutzte, die anderweitig gar nicht künstlerisch zu beeinflußen sind.

Lduard Platzhoff.

Lose Wlütter.

Aus Gobincnus „Renaissnnce

Vorbemerkung. Wie langsam mitunter die Kenntnis vom Wirken
cineS bedeutenden Mannes über einen bestimmten Kreis von Menschen selbst
dann hinausdringt, wenn sein Name innerhalb dieses Kreises laut feiernden
Rufes genannt wird, dafür gibt Joseph Arthur Graf von Gobineau ein merk-
würdiges Beispiel. Jn später Freundschaft mit Wagner verbunden, befruchtete
er ihn und ward er von ihm befruchtet, so datz bald alle, die sich um Wahnfried
und die „Bayreuther Blättcr^ scharten, die wundervolle Feinheit dieses Geistcs
kennen, bewundern und lieben lerntcn und von ihr den Deutschen mitzuteilen
suchten. Aber es war, als wenn sic immcr nur zu sich selber sprächen: autzer-
halb dieser Gesinnungsgenossen fand kaum einer für wert, selbst nachzuprüfen,
was auch er wohl an diesem Franzosen finden würde, der als Politiker, Ge-
lehrter, Schriftsteller, Dichtcr und Bildhauer den reinsten und edelsten Zielen
nachstrebte. Und doch hätte Gobineau wahrlich mehr, als manch anderer Schrift-
steller Frankreichs, verdient, bei uns gehört zu werden.

Nun liegen endlich drei deutsche Buchausgaben Gobineauscher Werke vor.
Da ist sein in engeren Kreisen berühmter „Versuch Lber die Ungleichheit der
Menschenrassen" fStuttgart, Fr. Frommanus Verlag sE. Hauffs, erster Band
M. 3.so), der, als kultur- und geschichtswissenschastliche Arbeit, außerhalb des
Kunstwartbereiches liegt. Da sind seine „Asiatischen Novellen^ (Lcipzig, Phil.
Reclam jun., geb. 80 Pf.), da ist schließlich sein dichterisches Hauptwerk „Die 8te-

*) Weih man dcnn in den Kascrnen z. B. von den Breitkopfschen „Flug-
blättern' noch nichts?

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