Der Kunstwart: Rundschau über alle Gebiete des Schönen ; Monatshefte für Kunst, Literatur und Leben — 11,2.1898

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anspruchon hat. Dafür soll's denn auch mit dem kgl. Musikalienschatz lückenhaft
genug aussehen. Die musikalische Bibliothek nimmt überhaupt nur einen schr
bescheidenen Nebenraum ein. Und von den Verwaltern dieser Abteilung muß
bedauernd eingestanden merden, daß die Sammlung selbst zur nötigsten Er-
gänzung fast ganz auf „Schenkungen" angewiesen sei. Wie mag's damit bei
anderen deutschen Residenzbibliotheken bestellt sein? Es würe doch sehr lehrreich„
einmal auch auf dies stille Gcbiet hier- und anderwärts den öffentlichen Schein-
werfer zu richten.

Und nun möge man eine Fakultät odor ein Prüfungsblatt gründen —
gleichviel: wenn nur überhaupt etwas Energisches zur Rettung aus dem augen-
blicklich bankrotten Zustandc unserer Tonkunst gethan wird.

Jedenfalls möchte ich nicht, daß mein Aufsatz als ein Gegonvorschlag
zu dem Hans Sommers aufgefaßt werde, vielmehr als Nebenrat, als Ueber-
leitung zur Verwirklichung des seinigen. Denn eine Fakultät, wic er sie ver-
langt, steht nicht von heut zu morgen fertig da, ihre Gründung muß sorgsam
vorbereitet werden. Dic Befolgung meines Rates soll nur der erste bcste
Schritt dazu sein.

Bei der von mir gcforderten Einrichtung kann es freilich immer noch
geschehen, daß einem Werke cincs Künstlers durch ungerechte kurzsichtige Be-
urteilung Unrecht geschieht. Fast ausgeschlossen erscheint es aber, daß ein Ton-
dichter der Mitwelt völlig vorenthalten bleiben könno, wie seiner Zeit das
tragischte Beispiel dieser Art: Franz Schubert. Jn scinem Andenken sei das
Werk begonnen und vollbrachtl

Groß-Lichterfelde, Pfingsten A u g. Ludwig.

Lose Klätter.

Der Schwank.

Von Erich Schlaikjer.

Vorbemerkung. Als Pfarrer Naumann sein leider bald wieder ein-
gegangcnes Tagesblatt „Die Zeit" herausgab, erregte bei „den Wenigcn, die
was davon erkannt"', auch ihr Feuilleton eine ungewöhnliche Teilnahme: es
war kein Musterfeuilleton, durchaus nicht, aber es war cin eigenartiges, ein
durchaus pcrsünliches Feuilleton, das Geist zeigte und, o höchst seltcne Erschei-
nung, doch keinen „Geist". „Geist", wie ihn von Saphirs Zeiten hcr die Lindau
Blumenthal, Stettenheim u. s. w. auf Flaschen ziehen, vom svgcnannt pocti-
schen Kunstsekt bis zum sogenannt kritischen Gilka: „Geist" ist sa heute um ein
Billiges zu kaufen. Schlaikjer zog keinen bsrühmten Stvfs aus den Fässern, halb
und drei viertel Literweise, — was cr schrieb, war unmittelbar, war Ausdruck
scincr Stimmung, war er. Stimmungen wechseln, es war sehr unglcich. Schlaikjer
ist jung, es war nicht immer reif. Und als er das Beste davon zusammen
mit kleinen Novellen in einem Buche „Der Schönh eits w a n derer" (bei
Eugen Kundt in Berlin, M- t-^o) herausgab, ward auch das Buch sehr un-
gleich und nicht überall reis. Aber man lcse ein Stück, wie daS folgende auS
der eingegangcnen „Zeit" und aus dcm „Schönheitswandcrer" — und man
weiß, warum Eincn dicses Buch trotz scincr Mängel interessiercn wird.

Jch spreche heute nicht über cin Stück, ich spreche über einc Gattung.
Und ebensowenig mag ich über den an sich glcichgültigcn Theatcrabend

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