Der Kunstwart: Rundschau über alle Gebiete des Schönen ; Monatshefte für Kunst, Literatur und Leben — 11,2.1898

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Ström: Das ist ja, als ob es gar nicht zählte. Sind Sie schon lange
Braut?

Johanna: Seit zwei Jahren. (Er blickt sie an — Pausc — Johanna,
verschämt) Sie müsssn mich nicht so anstarren!

Ström: Ja, ich muß mir ja nun ein ganz andercs Bild von Jhnen
machen.

Johanna: Ein anderes —

Ström (etwas zögernd und sanft): Sie waren ja — Sie sind ja Künst-
lerin, mit jcder Faser! Sozusagen: Vollblut! Ohne Anhang, ja, verzeihen
Sie! — von Familienrücksichten und dergleichen. Und mit einem Willen (er
ballt die Hände, wie sie es vorhin that) so fest auf den eincn Gcdanken ge-
richtet: etwas zu werden, von dem Glanz ausgeht.

Johanna (leuchtend): O, und Sie glauben wirklich daran, daß ich's
könnte!

Ström (still): Nein, nein, so etwas läßt sich nicht machen, mit einem
Diencr Gottes vor Anker obcn in einem üden Pfarrhof, der Sie und Jhre
Kunst angähnt. Da werden Sie hübsch hcim müssen, vor der Zeit.

Johanna (steht mit dcm Rücken gegen das Fenster, in der vollen
Sonne — flehend): Ach bittc nein, das dürfen Sie nicht sagen. (Wendet sich
halb nach dem Fenster um.)

Ström (nach einer Pause): Frau Pastor Bergheim also?

Johanna (ihm entgegen, schnell): Nichts mehr davon. Hören Sie?
Richt in dieser Weise — (Lächelnd) Sein Sie lieber so freundlich, mir das zu
gcben, was mir gehört.

Ström: Jhnen gehört? Was denn?

Johanna: Das Gedicht, das Sie mir versprochcn haben!

Ström (schüttelt den Kops): Nein, noin, das paßt nun nicht mehr.

Johanna (faltet die Hände über der Brust): Doch ja, Sie werden
schen, es patzt.

Ström (blickt sie lange an, sie steht an die weißen Gardinen gelehnt
da, die Sonne schcint ihr übers Haar. Sie sieht ihn an, als erwarte sic eine
Antwort): — So wie Sie so dastehen, sind Sie das Kind in Mutters Stüb-
chen, das Spielzeug des altcn Onkels, und die Gottesgabe des Pfarrers. So
will ich Sie in meiner Erinnerung bchalten und alles vergcssen, was in die
Luft gebaut war. — So leben Sie denn wohl, liebes Fräulein. — (Reicht ihr
die Hand.)

Vom

Litcratur.

* Wie's gemacht wird.

Der Schriftsteller Arthur Achleit-
ner hat neulichseinfünfundzwanzigstes
,Werk" herausgegeben, von welcher
Thatsache in mancher Zeitung die Rede
war. Da hieß es dann zunächst: „Der
vielfach mit Orden und Medaillen (für
einen Volksdichter jedenfalls etwas be-
sonders Unentbehrliches) ausgezeich-
netc Autor wurde zu seinem Jubiläum

Tage.

in außergewöhnlicher Weise beglück-
wünscht, in erster Neihe natürlich von
alpinen Korporationen, in welchen
Achleitner als gottvoller (so l) Huinorist
und Nedner geschätzt ist" u.s. w. Dann
wurde von hohen, höhercn, höchsten,
aller- und allerallcrhöchsten Auszeich-
nungen für den Begnadcten bcrichtet,
ferncr von den Bcweisen für seine un-
glaubliche Popularität, von Kränzen,
Wildpretbeilagen, Dirndlbriefcn und
Dorfmusik, was alles sehr gemütvoll
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