Der Kunstwart: Rundschau über alle Gebiete des Schönen ; Monatshefte für Kunst, Literatur und Leben — 11,2.1898

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Lur DeukmalMege.

,Der Schutz aller Denkmale des Altertums, die einen Kunst- oder Erinne-
rungswert haben, ist die Pflicht eines jeden auf die eigenen Thaten zurück-
blickenden Kulturvolkes, ja ist eine Schuldigkeit gegen die Nachkommen." Von
dieser Pflicht, wie sie der — Galizische Landesausschuß am Dezember »8y2
mit den angezogenen Worten betonte, sind alle Kulturstaaten jetzt mehr oder
minder überzeugt. Vor uns liegt ein Buch von Jos. Alex. von Helfert, das
unter dem Titel „Denkmalpflege" die „öffentliche Obsorge für Gegenständc der
Kunst und des Altertums nach dem neucsten Stande der Gesetzgebung in den
verschiedenen Kulturstaatcn" bespricht; es ist bei Braumüller in Wien erschienen.
Die Unterlagen zu dieser „übersichtlichen Registrierung" sind durch amtliche Um-
fragen bei den verschiedenen Staaten zusammengebracht worden. Das Buch
schließt sich einem früheren Aufsatze des gleichen Verfassers aus dem Jahre ;8?s
und dem Buche über die Erhaltung der Denkmüler in den Kulturstaaten der
Gegenwart von A. v. Wussow an. Es gliedert sich in drei Abteilungen: Ein-
richtungen, worin über dic Organisation des Altertümerschutzes in 27 euro-
päischen Staaten Auskunft gegebcn wird; 2. Bcstimmungen (Legislation) und
s. Erscheinungen (Manisestation). Die dritte Abteilung ist viellcicht die inter-
essantcste, wenngleich die allgemeinen Auslassungen etwas kurz sind. Hicr
spricht Hclfert u. a. über Sammlungen. Sie haben, wie er betont, ihren
Wert nicht bloß in Hauptstädten als Mittelpunkten der Wissenschaft und Bildung,
sondern auch in kleineren Orten, die Stätten alter durch Jahrhunderte fort-
dauernder Kultur waren und wo es daher von entschiedenem Vorteile ist, die
Denkmale und die erhaltenen Neste der Kultur eben auf dem Bodcn vor sich
zu haben, auf welchem sie entstanden sind. „Es bemächtigt sich aber nicht selten
individuelle Liebhaberei dieser Gegenstände und gefällt sich, Sammlungen an
Orten von geringerer, ja minimaler Bedeutung vom Standpunkte geschichtlicher
Entwickelung anzulegen und mit dem hochstrebenden Titel von Muscen auszu-
statten." Wir können Helfcrt da nicht ohne weitercs beistimmen, wenn er von
Ausartung spricht und von der Errichtung „solch unbercchtigter Lokalmuseen"
abmahnt. Denn wie kann man denn den Leutcn, die für Kunst, Geschichte und
Altertum Teilnahme haben, die aber ein ungünstiges Gcschick an „Orte von
geringer oder minimaler Bedeutung" versetzt hat, verdenken, daß sie ihrer Frende
an Kunst und Altertum durch eine derartige Sammlung Ausdruck geben und
die Oede ihres Daseins durch eine geistanregendc Bcschüftigung zu beleben
suchen? Des Forschers wegen sollte man die Zentralisierung der Altertümer
in wenigen Orten doch ja nicht begünstigen, der mag nur seinem Namen Ehre
machen und sich aufsuchen, was er zu seinen Forschungen braucht. Daß aber
„der gewonnene Schatz beim Ableben des Bcsitzers nicht vernachlässigt, wohl
gar zerstreut oder vernichtet werde", dafür mag nur die k. k. österreichische
Zentralkommission oder die entsprechende Bchürde in andern Staaten sorgen;
dazu ist sie da- Ueberhaupt können wir den Abscheu vor den Altertümern und
Kunstwerken im Privatbesitz, dem Helfert wiederholt Ausdruck gibt, nicht so
vollständig teilen, müssen vielmehr den privaten Kunstfreunden neben den staat-
lich angestellten Kunsthütern ihr Recht wahren. Je mehr Stätten dcr Kunst-
freude, desto besser; und es ist ja bekannt, daß selbst in staatlichen Sammlungcn
Kunstwerke zugrunde gehen. Daß Sammlungen wie die Spitzersche in alle
Welt hinausgehen und die einzelncn Stücke zahlreichen anderen Menschen Freude
machen, scheint uns ganz in der Ordnung.
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