Der Kunstwart: Rundschau über alle Gebiete des Schönen ; Monatshefte für Kunst, Literatur und Leben — 11,2.1898

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errungene Klcinod, das zu schweißen auch das künstlerischo Feuer redlich mit-
geholfen hat, von dem auch einzig Hülfe kommen kann, ist die Ehrenpflicht
übergegangcn, ein Hort der Kunst, vornehmlich aber der deutschen Musik zu
werden.

Also auch dafür sollen grohe Summen herbeigeschafft werdcn? Keines-
ivegs I Nur um müßige Aufwendungen handclt es sich, und auch um diese nur
vorübergehend, bis dem Reiter in den Sattel geholfen ist. Alsdann wird er
schon von selbst vorwärts kommen. Was wir an guter Musik besitzen, ist ein-
träglich genug. Nur auf eine gerechtere Verwendung dieses Schatzes käme es
an und auf eine damit zu begründende umfassende Organisation, die als Haupt-
zweck die Förderung der Kunst selbst und ihrer begabtesten Jünger ins Auge
zu fassen hätte. Das finanzielle Fundamcnt dafür ist aber nur durch Abänderung
einer reichsgesetzlichen Bestimmung zu sichern. Von dieser Grundvoraussetzung
der ganzen Organisation möge daher zunächst die Rede sein. !s. Sommer.

(Fortsetzung folgt.)

Wurckdardt über IKubens.

Wir besitzen schon einige schätzcnswerte Würdigungen des großen Bra-
banter Meisters, sei es in Werkcn, die Rubens besondcrs gewidmet sind, sei
es in Wcrkcn weitergehender Art, in dencn er nur an seiner Stelle gcwürdigt
wird. Von ersteren ist zu nennen das fünfbändige des Max Rooses übcr
Nubcns und sein Wcrk, von letztercn Bodes Beschreibung der Lichtensteinschen
Galerie in Wien, beide ungeeignet für weitere Kreise, jcnes wegcn seines Um-
sangs, dieses wegen seiner rein fachmännischen Darstellungsweise. Von den
üsthetischen Würdigungen aber sind zu erwähnen die meisterhafte Analyse des
Nubens durch den Maler Fromentin in seinem geistvollen Buche ,Oes maitres
ä'mitretois", die kürzere, aber nicht mindsr lesenswerte Darstellung von H. Taine
in der »Ubilosopbie äe I'art äsos les Zu diesen Werken ist jetzt

ein neues gekommen, die „Erinnerungen an RubenS", die aus Jakob Burck-
h ardts Nachlaß kürzlich zu Basel in Lendorffs Verlag hcrausgegeben wordcn
sind. Wir dürfen uns beglückwünschen, daß der Verfasser des Cicerone uns
als Vermächtnis auch noch, wenn auch nicht einen Cicerone durch Holland
und Belgien, so doch cine ^Anleitung zum Genuß der Kunstwerke" des RubenS
bcscheert hat. Denn so müssen wir wohl das köstliche Buch bezeichnen. Wir
möchten nun freilich nicht jedem unserer Leser ohne WeitereS anratcn,
es sich zu kaufen. Nur der wird den richtigen Genuß davon haben, der
Rubens bereits kcnnt. Um Nubens mit diesen Erinnerungen recht würdigen zu
lernen, bedarf man einer reichen Sammlung von Nachbildungen oder wenigstens
der mit zahlreichen, wenn auch nicht besonders guten Nachbildungen ausge-
statteten Rubensbiographie von Knackfuß zur Ergünzung. Burckhardt allerdings
geht in der Schätzung von Nachbildungcn unsercs Erachtens zu weit.

Burckhardt gehört entschieden zur alten Schule der Kunsthistoriker, zu
jenen Männern wie Burger, die nicht uur forschton um den Forschens willen,
die vielmehr ihrem Gegenstande, der Kunst, mit inniger Freude, mit voller
persönlicher Teilnahme und genießender Begeisterung gegcnüberstanden. Und
diese seine Begeisterung, seine Liebe für Rubens mehr auf andere überzu-
pflanzen, ihnen all das Schöne nahe zu bringcn, was die Wcrke des Rubens
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