Der Kunstwart: Rundschau über alle Gebiete des Schönen ; Monatshefte für Kunst, Literatur und Leben — 11,2.1898

Page: 358
DOI issue: DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstwart11_2/0368
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
auch sonst noch dies und das zur Verbesserung, aber das werden wir
ja zeigen- Jst's erforderlich, so wird der Umfang der einzelnen Hefte
erweitert werden.

Die Kritik hat den Bestellpreis des Kunstwarts wahrhaft lächer-
lich niedrig genannt. Wir erhöhen ihn anch jetzt noch nicht, denn wenn
wir künftig Kunst- und Notenblätter mitgeben, so wird anch der wenig
bemittelte Kunstfreund unser Blatt erst recht besitzen und nicht nur lesen
wollen. Aber, wie wir's schon andeuteten: wir können nach der be-
vorstehenden Neuerung nur dann den Preis so niedrig halten, wenn
unsre Leser die weitere Verbreitung des Kunstwarts mit reger Bethätigung
unterstützen. Daß sie damit keiner schlechten Sache dienen, wissen sie.
Und so dürfen wir sie bitten um ihre Förderung durch Wort und
Schrift, um ihre Empfehlung von Verwandtem zu Verwandten, von
Freund zu Freund. Und wir bitten sie herzlich darum. Probehefte
verschickt der Verlag natürlich unter jeder Adresse unberechnet, die ihm
aus Leserkreisen aufgegeben wird.

Aunstwart-Verlag. Aunstw «rt-Leitung.

Georg D. w. Lallwey in München. FerL. 2lvenarius in Dresden.

Oaturgenuss aut Neisen.

Die Sommerfrischenzeit ist aus; die Glücklichern unter den Städtern,
denen Frau Kultur zur Erholung von ihren Segnungen wenigstens vier
Wochen Natur zugebilligt hat, kehren zu steinernen Thoren und Gassen
heim, um einen Herbst, einen Winter und einen Frühling lang von dem
Mitgebrachten an Erquickung zu zehren. Wer auch mit draußen gewesen
ist an dem großen sommerlichen Gasttisch unterm Grün, an dem uns
Hungrigen so viele Gerichte vorgesetzt werden, hat wohl auch kleine be-
hagliche Beobachtungen gemacht über die geistige Eßlust seiner Mitgäste.
Appetit nämlich hatten sie alle im Freien. Sonderbar aber, wie ver-
schieden sie ihn befriedigten. Der eine nahm von allem, was er er-
reichen konnte, hastig, gierig, so daß er sich ganz gewiß allmählich den
Magen verdarb. Das war der Bädecker-Mann, welcher die Sterne ab-
graste, als wären's Weiden, und als wär er selber, was dort zu speisen
pslegt. Der andere schaufelte sich immer wieder nur von einem Ge-
richte den Teller voll, was zwar sehr solid war und gesundheitlich, aber
doch wohl ohne zwingende Not den Genuß beschränkte. Dieser Mann
hatte bei näherem Zusehn viel mehr seinesgleichen, als anfänglich schien.

Da ist der Waldläufer — zeige ihm Rigi und Camaldoli, es
läßt ihn kühl, denn was gibt es herrlicheres als den Wald? Wald, Wald
und immer wieder Wald will er haben, alles andre mag ja auch ganz
nett sein, gegen Wald aber erscheint es ihm doch im Grunde als mit-
leiderregendes Stümperwerk der Schöpfung. Da ist der Strandla g erer.
Jhm fängt das Meer durchaus erst da an, wo man drüben nichts mehr
sieht — zweifelt er auf das leiseste, ob ein Wölkchen am Horizont etwa
jenseitige Küste bedeuten könne, so ist ihm die Sache verdorben. Genießen
aber thut er ihrer als ein moderner Troglodyt, eingegraben zu drei
Vierteilen in Höhlcn des Strandsandes, nnd nur widerwillig zugebend,
daß es noch andre Vergnügungen gebe neben dieser. Da ist der

358
loading ...