Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 9.1893-1894

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Personal- und Ateliernachrichlcn.



Jaguar, Capybaras brschleichenü.

Adalbert Fischers verlas, Leipzig. (Bespr.S. 108.)

-s. Berlin. Professor Franz Skarbina hat den Sommer
und einen Teil des Herbstes in Frankreich verlebt — auf dem
Lande, an der Oise. Eine Stunde von Paris liegt die Sommer-
frische Valmondois, die jetzt von manchem Künstler wegen ihrer
abgeschlossenen, runden Lieblichkeit gesucht wird. Sie ist nicht
so mannigfach wie die Umgebung von Fontainebleau, doch ebenso
gemessen und feinlinig. Viel Sonne, schöne dichte Gärten, eine
milde durchsichtige Atmosphäre — immer ist die Palette des
Malers auf Heiterkeit gestimmt. Da ist ein Modell aus der
Ecole Julien, das für Aktstudien im Freien gewonnen wird, —
Studien, wie sie Harrison und Besnard lieben. Skarbina stellt
es in den funkelnden warmen Sonnenschein oder unter das
schattenkühle, tiefgrüne Reflexe spendende Laub. Er sucht den
Teint zu erfassen, wie er unter den Einwirkungen der freien
luft- und lichterfüllten Natur sich giebt, und er sucht seinen Weg
weit abseiten der akademischen, wächsernen Aktmalerei. Er kränzt
das Haupt des Modells wie eine Venus; er zeigt es, mit der
Toilette beschäftigt, wie ein unbeobachtet dem Bade entsteigendes
Mädchen. Es sind künstlerische Experimentierstücke, zu denen sich
nun ein volles Meisterwerk gesellt, die klarste und naivste Arbeit,
die aus den Händen dieses heftig und intensiv schaffenden Malers
bis heute hervorgcgangen ist. Eine elegante, zarte Pariserin,
duftig in blasses mattes Blau gekleidet, steht am schönsten Sommcr-
tag in engbelaubter Parkecke. Nkichts weiter. Während es aber auf
Skarbinas früheren impressionistischen Bildern immerhin noch
feste und angestrichcne Stellen gab — statt des reinen Eindruckes
ein mehr Illustratives — ist hier von solcher Ängstlichkeit im
Schaffen nicht das geringste zu spüren. Die Natur ist völlig
gelockert in Luft und Licht; die Gestalt ist nicht Masse mehr, sie
ist Flimmer — buntester, lebensvoller Flimmer, erzeugt von den
tausendfältigen Reflexen der Bäume, der Büsche, des grasigen
Grundes. Eine hüpfende Freude am allmächtigen Lichte geht
durch die Arbeit, und diese Freude übt eine starke poetische
Wirkung. Von Werken, die, gleich diesem, sowohl als Geschmack

wie als reizvoll beseelte Wirklichkeit ganz unzweifelhaft eine
Individualität bezeugen, werden nur sehr wenige geschaffen; ihr
Schicksal ist, viel gelobt und viel gescholten zu werden. l^ss;

— München. Die Münchener Kunst wird künftig auch
in China vertreten sein. Kommerzienrat Krupp in Essen hat
dem Münchner Bildhauer Otto Lang, der sich bei ihm durch
sein treffliches Grabdenkmal für den verstorbenen Friedrich Krupp
empfohlen hatte, den Auftrag erteilt, ein Standbild des Vize-
königs Li Hung Chang für Tientsin zu schaffen. Der Vizekönig
hat für China eine große Thätigkeit auf dem Gebiete des Marine-
und Verkehrswesens entfaltet und dabei die Essener Industrie
vielfach beschäftigt, wofür Krupp ihm durch das Denkmal seinen
Dank ausdrücken will. Li Hung Chang hat sich zur Annahme
des Geschenkes bereit erklärt und dem Künstler mehrere Natur-
aufnahmen, sowie eine mit der vollständigen Staatskleidung aus-
gerüstete Modellpuppe übersandt. Auf die peinlich genaue Wieder-
gabe der Staatskleidung wird besonderer Wert gelegt, damit das
Standbild nichts für chinesische Augen verletzendes enthält. Das
Standbild wird eine Höhe von fast drei Meter erreichen und
auf einem Granitsockel ausgestellt werden. 2üssi

— Berlin. Für die Ausschmückung des ReichstagSgebäudes
mit Bildwerken und Malereien sind im Extraordinarium des
Reichs-Budgets als zweite Rate 400,000 M. angesetzt. Im
Etat 1893/04 waren schon 340,000 M. ausgeworsen. Vornehmlich
kommen bei dem neuen Ansatz in Betracht: Glasmalereien in
der großen Halle und in anderen Räumen (etwa 90,000 M.),
figürlicher Schmuck der großen Halle (vier freistehende Figuren,
Modelle und Ausführung in Stein 53,000 M), die Beschaffung
der Modelle zu acht Standbildern (56,000 M.) und zu vier
Nischenfiguren (28,000 M.) für die Süd-Eingangshalle, zwei
Kamine sür die Vorsäle des Bundesrats und des Reichslags-
präsidiums (40,000 M ), die dekorative Malerei in den nämlichen
Räumen (6l,000 M.) und Vorarbeiten sür die dekorative Malerei
in der großen Halle, den Schreib- und Leseräumen, dem Ecksaal
der Restauration und dem Bundesrats - Sitzungssaal (etwa
75,000 M ). - pessi

— München. Der bekannte treffliche Maler und Radierer
R ob. R aud n er in Schleißheim hat eine neue Original-Radierung
vollendet, welche einen jungen, lächelnden Burschen mit einem
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