Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 9.1893-1894

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F>cibstk>crgcstcttrr Sclüschciücn.

Von Vr. A. Mi et he (Rathenow).

ie käuflichen Gelbscheibcn sind einmal
sehr teuer und dann auch vielfach
fehlerhaft. Man kann sich jedoch ohne viel
Mühe selbst solche Herstellen. Zu diesem
Ende braucht man gute photographische
Gelatine, Glycerin und einen gelben Anilin-
farbstoff, am besten Aurantia. Man ver-
fährt nun folgendermaßen: Zuerst wird die
Gelatine aufgequollen, indem man 15 gr
derselben mit 150 ccm reinen Wassers
überzieht, das man während 2 Stunden
5—6 mal erneuert. Dem vorletzten Wasser
setzt man etwa eine Messerspitze voll Soda
zu. Wenn die Gelatine vollkommen auf-
gequollen ist, erwärmt man das Ganze
allmählich und bringt nach dem Schmelzen
durch Wasserzusatz die Lösung auf 175 ccm.
Hierzu fügt man 10 gr Glycerin und 2 Ar
Aurantia, welches man in 5—8 ccm Al-
kohol aufgelöst hatte. Jetzt wird alles durch
Baumwolle filtrieit uns lauwarm vergossen.
Man präpariert hierzu fehlerfreie Glasplatten,
indem man sie zunächst in heißem Wasser mit
Svdazusatz abspült, dann trocken mit einem
Leinenlappcn reibt und daun mit Spiritus
putzt. Schließlich reibt man sie mit etwas
Federweiß (Ualllum) ab und gießt dünnes
Rohkollodium auf. Wenn das vollkommen
getrocknet ist, legt man die Platte horizontal
auf einen Filz und gießt die Gelatine in
der Mitle aus (30 — 40 ccm auf eine
13 X 18 Platte). Alan verteilt sie hier-
auf mittelst des Fingers gleichmäßig und

läßt sie erstarren. Das Trocknen dauert
ca. 12 — 14 Stunden. Wenn die Schichti
vollkommen trocken geworden ist, schneidet
man sie rings mit einem Messer ein und
zieht sie ab.

Zum Gebrauch legt man sie mit der
Platte zugleich in die Kassette und belichtet
so die Platte hinter derselben. Eine sarben-
empsindliche Platte bedarf selbstverständlich
einer sehr viel längeren Exposition als eine
gewöhnliche ohne Gelbscheibe. Man kann
etwa rechnen, daß man hinter einer mitt-
leren Gelbscheibe auf Facbenplatte 7 bis
10 mal so lange belichten muß wie ge-
wöhnlich.

Wenn man die Gelbscheibe, wie es mit
den käuflichen gewöhnlich geschieht, vor dem
Objekte in der Sonnenblende anbringt,
kann man sich noch eines besonderen Kunst-
griffes bedienen, um dieselbe jedem Objekt
anzupassen. Die Gelbscheibe muß bekannt-
lich um so dunkler sein, je mehr die un-
wirksamen Farben (rot, gelb, grün) in den
tiefen Schatten vorherrschen. Ist sie jedoch
zu dunkel, so erzielt man unnatürliche
Bilder (Baumlaub wie bereist, Ferne zu
dunkel, Schatten zu grau und zerrissen).
Man kann sich dann folgendermaßen helfen.
Man belichtet zunächst eine gewisse Zeit
(z. B. 10 Sek.) mit der Gelbscheibe, schließt
dann vorsichtig ohne Erschütterung den
Deckel und den Kassettcnschieber, nimmt die
Gelbicheibe heraus, öffnet dann die Kassette
wieder und belichtet noch eine kurze Zeit
(etwa 1 Sekunde). Die Wirkung der Gelb-
scheibe wird dadurch weniger merkbar pur

Lichtempfindliche Postkarten-

/^hr. Harbers „lichtempfindliche Post-
^ karten" sind eine glückliche Bereiche-

rung auf dem Gebiete des photographi-
schen Zeitvertreibes. Vor uns liegen nor-
male deuttche Reichspostkarten mit dem
obligaten Texte auf der Vorderseite, die Rück-
seite ist zur Illustration vorbereitet. Ihre

Vesper im Mühlgraben.

„Lichtempfindlichkeil" beruht nun darin,
daß sie kopieriähig find und sich auch in Be-
zug auf Tonfixieibäder gleich jedem andern
Chlorsilberpapier verhalten. Zur Tonung
- erwies sich jede gute Tonfixage brauch-
^ bar, sehr gut auch Harbers Universalbad.

! Die Bilder haben einen angenehmen, licht-
druckähnlichcn Ton; schwarze Drucke erzielt
man durch Platinieren der Silberbilder,
HarbersLipsiavlatintonsalz ist hierzu vorziig-
! lich geeignet. Es steht natürlich im Belieben
des Amateurs, diese Karten ganz oder nur
teilweise, etwa die beliebte linke obere Ecke
zu illustrieren; auf den Raum, der weiß
bleiben soll, kommt beim Kopieren eine
schwarze Papiermaske, die sich jeder leicht
Herstellen kann, auch liegen einzelne davon
! jedem Paket der lichtempfindlichen Postkarten
bei. Die gewaschenen Karten lassen sich
normal mit Tinte oder Stift beschreiben.

Verantwortlicher Redakteur dieser Abteilunq:
vr. Adolf Miethe, Rathenow, Berlinerstraße.

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Redaktionslchlllß 4. November. — Lurgabe 18. November.

Inhalt des runften wertes: T-rt: Her-

man Hetterich. G. F. Watts. — Fr. Pecht.
Weibnachtsbücherschau <II). — Personal, und
Aleliernachrichte». Die Anna im Laute: Fried,
rich Fischbach. Tie Muster der weiblichen
Handarbeiten. — Otto Schulze. Tie farbige
Nlein-Plastit im Dienste der Zimmerschmückung.
Der Amateur-Z-batograpb: Or. Ad. Mieth'e
Selbsthergestellte Gelbscheiben. — Lichtempfindliche
Postkarten. — Aitderbeilaa'U G. F. Watts.
Cardinal Manning. — Derselbe. Zeit, Tod und
Gericht. — V. de Stefan!. Tie Anklage. —
Georg Order. Winterstimmung.

Im Haidekraut. Momentaufnahme von A. Mi et he.

Verantwortlicher Redakteur: Fritz Schwartz. — Druck der Bruckmann'scheu Buchdruckerei in München.
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