Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 9.1893-1894

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IX. Jahrgang. tzeft 18

15. Juni 1894

—Derau^gegeben von Friedrich Pecht -r—

„Die Kunst für Alle" erscheint in halbmonatlichen Heften von 2 Bogen reich illustrierten Textes und 4 Bilderbeilagen in Umschlag geheftet. Bezugspreis im
Buchhandel oder durch die Post <Reichspostverzeichnis Nr. 37Sl>, bayer. Verzeichnis Nr. 438. k. u. I. österr. Zeitungsliste Nr. 1747) 3 M. 50 Ps. sür das Vierteljahr
_ (k Hefte); das einzelne Heft 75 Ps.

Der ^unstklu^stellunrlppalgft zu Dresden und die neue Agl. Ltunstskademie.

von Weggang Rirchbach.
II.*) Die Bildhauer.


Eros. Von Robert Henze.

Figürlicher Schmuck vom Dresdener Kunstausstellungspalast.
Die Kunst für Alle IX.

-Alu der plastischen Ausschmückung der neuen Dresdener
^ Kunstpaläste ist der größte Teil der Dresdener
Bildhauer beteiligt gewesen, und da ihre Arbeiten im
ganzen ein charakteristisches Bild der Dresdener Kunst-
bestrebungen ergeben, wie sie sich in den letzten Jahren
herausgebildct haben, so lohnt es, ihnen auch an sich
eine nähere Betrachtung zu widmen, ganz abgesehen
von ihrer Bedeutung für das Lipsiussche architektonische
Werk. Mit Ausnahme von Robert Diez und einem
jungen sehr talentvollen Meister, Bruno Fischer, sind
alle bedeutenderen und auch einige weniger bedeutende
Namen Dresdens vertreten. Robert Diez hat zwei
andere selbständige Werke von seltener Großartigkeit
und naturalistisch belebter Phantasie vollendet, zwei
große Brunnengruppen, die auf dem Albertplatz der
Dresdener Neustadt zur Aufstellung gelangen. Der
Künstler des entzückenden, weit bekannten „Gänsediebes"
hat hier Bahnen betreten, die in verwandter Weise einst
Peter Paul Rubens als Maler beschritten hat, und
wenn nichts eine innere und äußere Wiedergeburt des
Rufes Dresdens als einer hervorragenden Kunststadt
bedeuten würde, so würden doch sicher diese Werke
allein Dresden einen Namen für lange Zeit hinaus
sichern. Der Ruf, in dem Dresden während einer
nicht lange vergangenen Zeit stand, nämlich, daß es
die Heimat eines engherzigen Akademismus sei, ist so-
wohl durch das in Phantasie strotzende Bauwerk von
Konstantin Lipsius, wie durch jene reichbelebten, aus
Elementargewalten bewegten Brunnengruppen von
Robert Diez hinfällig geworden. Diez stellt das ruhige
und das bewegte Meer dar, in zwei umfangreichen
Rundkompositionen, in denen jede Spur der „Akademie"
und des Hergebrachten gelöscht ist; eine Formen-
behandlung herrscht hier, welche mit vollem Natura-
lismus die Gestalten gewaltiger Seerosse, einher-

*) I. siehe Heft 17.

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