Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 9.1893-1894

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von tvolfgang Airchbach.

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und auch sonst lebt etwas von dem trotzigen Sinne florentinischer Renaissance darin. Besonders schön und
kraftvoll gewendet und durchstudiert ist die Gestalt des Lucifer; keine Leere ist zu sehen, alles ist innerlich
belebt und mit zusammengefaßter Darstellungskraft empfunden und ausgeführt. Dasselbe kräftige Leben, dieselbe reiche
innere Bewegtheit herrscht in seinen Putten, welche das „Landschaftsstudium" malt, als einen Knaben, der in die
Sonne schaut und die Hand als Blender benützt, zwischen Palmenblättern sitzend, das „Tierstudium" (s.S. 278) als
ein Bübchen, das mit zwei Kätzchen spielt, „Kostüm" als eine Putte, die sich mit einem Gewände drollig-gravitätisch
drapiert. Es herrscht hier eine Art, welche auch das Genremäßige nicht zu fürchten braucht, denn sie weiß es
durch gedrängte Kraft der Formensprache schlagkräftig zu monumentalisieren. Diese Schöpfungen dürften, neben
Schillings andersgearteten trefflichen Werken, als die plastischen Meisterschöpfungen gelten. Überaus edle und
an Ort und Stelle sehr wirksame Zwickel hat Richard König geschaffen, der auch zu den „Jungen" Dresdens
gehört, in seiner ganzen Art aber seinem Meister Hähnel am nächsten stehen dürfte, wie dieser in seiner Blütezeit
schuf. Die beiden Viktorien dieses Künstlers (s. S. 258) zeigen die schönen Linien und reich durchgeführten linearen
Draperien jener Schule, aber sie atmen gleichzeitig ein volles, sinnliches Leben und ergeben an Ort und
Stelle eine überaus anmutige Wirkung. Wertvolle Arbeiten sind ferner die beiden Zwickel von Prof. Fritzsche
in Dresden, welche „Ausdauer" und „Fleiß" versinnlichen. Es sind vollentwickelte, einfach schöne Gestalten,
welche ihre Zwickel anmutig ausfüllen und in der Architektur als schön organisierte Masse stehen. Zu den besseren
Werken gehören ferner zwei Putten von Friedrich Offermann (s.S.276), zwar nicht von der fein individualisierten
Formensprache der Hartmannschen und Königschen Sachen, aber mit viel Geschmack und guter Haltung aus-
geführt. Eine sehr edle Gestalt ist auch die „Renaissance" von Eppler, eine fein charakterisierte und lebendig
durchgeführte Frauengestalt. Die Porträtstatue von Rauch, ausgeführt von Prof. Hultzsch, gehört zu den besten
ihrer Gattung, und sehr innig ist das Relief „Glaube, Liebe, Hoffnung" von Engelke empfunden. Die übrigen
Arbeiten stellen mehr Mittelgut dar; Bäumer, dem man in Dresden einige sehr zart empfundene andere Werke
verdankt, ist nicht gerade sehr glücklich gewesen in der Plastischen Ausfüllung seiner Zwickel und in der Durch-
bildung. Aber selbst diese minder bedeutenden Arbeiten
erfüllen wenigstens an Ort und Stelle ihren dekorativen
Zweck und wirken als gut empfundene Noten in der
ganzen, melodienreichen und vollinstrumentierten archi-
tektonisch-plastischen Symphonie.

Es ist ein frischer Zug-in das Dresdener
Bildhauerschaffen gekommen, es ist einer Anzahl her-
vorragender Talente Gelegenheit geworden, ihr Können
zu zeigen, und es wird nicht ausbleiben, daß die Zu-
kunft noch mehr Bedeutsames in einer Kunststadt zeitigen
wird, welche die Kunst durch ein solches Monument
des Schönen geehrt hat, als welches die neuen Paläste
sich darstellen.

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Aphorismen über tlunst.

Fama, von Robert L)enze.

Aolossalbronze auf der Auppel des Dresdener 2iunstausstellungsxalastes.
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