Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 9.1893-1894

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s Wie'lange soll man in einem Innrn-
rsum belichten;

Don vr. A. Mi et he (Rathenow).

ei der Aufgabe, einen Jnnenraum auf-
zunehmen bildet in den A^gen der
Amateure immer die Expositionsfrage die
größte Schwierigkeit. Und doch kann in
dieser Hinsicht wohl mit Recht behauptet
werden, daß die Belichtungszeitbemesfung
hier leichter ist als sonst. Man kann '-lbst-
verständlich keine festen Regeln geben Man

Hierin kommen bei reichlicher Exposition
fast momentan die höchsten Lichter. Sobald
alle Schattendetails heraus sind, nimmt
man die Platte heraus, spült ab und ent-
wickelt in folgender Lösung weiter:

Lösung I 5 ccm

Lösung III 25 ccm

Wasser 100 ccm

Hierin beläßt man die Platte unter

gelegentlichem Schütteln so lange, bis die
richtige Kraft in den Lichtern erzielt ist.
Dies dauert je nach der Belichtungszeit

Vlulrnburg bei München. Ausnahme von I Niedermaier in München.

achte vor allem darauf, welche Farbe die
Wände und wie dunkel die tiefsten Schatten
sind und bedenke, daß man nur nach
diesen, nie nach den Hellen Stellen be-
lichten muß. Im übrigen belichte man
lieber 10 mal zu lange, als nur die Hälfte
zu kurz. Es gilt als ungefährer Anhalt
folgendes: Bei einer Blende gleich s/gx und
hochempfindlichen Platten exponiere man in
Hellen Jnnenräumen mit unverhängten
Fenstern und weißen resp. mittelhellen

Wänden 50 —150 Sekunden: diese Zeit
wächst je nach Licht und Farbe des Raumes
bis zu 12—20 Minuten; dunklere Räume
mit Draperien :c. erfordern 4—12 Stunden.
Nun entwickle man in folgender Weise:
Lös. 1. Schwefligsaures Natron 10 gr
Kohlensaures Kali 10 gr
Wasser 250 ccm

Lös. 2. Schwefligsaures Natron 12 gr
Eikonogen 10 gr

Wasser 200 ccm

Lös. 3. Hydrochinon 10 gr

Schwesligsaures Natron 12 gr
Wasser 250 ccm

Zunächst..legt man die Platte in fol-
gende Mischung:

Lös. 1. 50 ccm

Lös. 2. 50 ccm

Wasser 250 ccm

zwischen 20 Minuten und 4—5 Stunden.
Ein Verschleiern ist hierbei nicht zu befürchten,
doch darf die Lösung nicht zu warm werden,
wofür man in heißen Sommern eventuell
durch Kühlen mit Wasser zu sorgen hat.
Man setzt zu diesem Ende die Schale in
eine größere Tasse mit kaltem oder besser
Eiswasser.

Wie soll man ckZcgalive kopiere»;

von Or. A. lNiethe (Rathenow).

Ehe der Amateur eine so große Übung
in richtiger Belichtung, Entwicklung und
Beurteilung von Platten bekommt, daß er
nur über gleich dichte, normale und gut
kopierende Negative verfügt, vergeht eine
geraume Zeit. Meist sind die Negative
außerordentlich ungleich und demgemäß
fallen die Kopien sehr verschieden, teils zu
flau, teils zu kontrastreich aus. Man kann
sich nun in verschiedener Weise helfen, um, nur
immer das gleiche Kopierpapier — etwa
Aristo- oder Celloidinpapier — vorausgesetzt,
gleichmäßigere Kopien von schöner Wirkung
zu erhalten. Das eine Mittel besteht darin,
daßfman dünne Negative im weniger Hellen
Licht, d. h. im Schatten einer Mauer
w. kopiert, dichte Negative aber in der
Sonne. Wenn hierdurch der gewünschte

Effekt nicht erzielt werden kann, so Hilst
man sich bei allzu flauen Negativen folgender-
mnffen: Das Negativ wird zunächst auf der
Glasseite mit Mattlack übergoffeu und zum
Trocknen gestellt. Bei ganz dünnen Nega-
tiven ersetzt man den Mattlack durch eine
Lösung von Asvhalt in Benzol (4 gr As-
phalt, 100 gr Steinkohlenbenzol werden in
einer Flasche geschüttelt und die braune
Lösung nach 3 Stunden filtriert). Wenn
man dann im Schatten kopiert, wird man
schon viel bessere Resultate erzielen. Sind
dieselben immer noch nicht zufriedenstellend,
so deckt man über den Kovierrahme» noch
eine Lage ganz hellgrünen Glases oder hell-
grünen Scidenvavieres. Auf diese Weise
erhält man bei sehr langsamen Kopieren
selbst nach hauchdünnen Negativen gute
Kopien.

Entgegengesetzt verfährt man bei zu
dichten Negativen. Wenn selbst in der Prall-
sonne keine harmonischen Kopien entstehen,
so schlägt man folgenden Weg ein. Man
macht einen nicht zu dunklen Abzug auf
Celloidinpapier, fixiert denselben ohne ihn
zu vergolden aus, wäscht etwa 1 Stunde
und klebt ihn dann mit der Vapierseite auf
die Glasseite des Negativs. Wenn er trocken
geworden ist, bestreicht man ihn mit Rizinus-
öl, so daß er transparent wird und kopiert
unter dem so vorgerichteten Negativ in der
Sonne.

Vielfach wird jetzt der Abzug zu kon-
trastlos ausfallen und man muß dann den
aufaeklebten Abzug durch einen weniger
dunklen ersetzen. Selbstverständlich muß der
Abzug so aufgeklebt werden, daß sich die
korrespondierenden Teile aus Abzug und
Negativ beim Durchsehen decken. Das Auf-
kleben des Hilfsabzuges kann sehr gut nur
an den vier Ecken geschehen. Man betupft
dieselben, solange derselbe noch etwas feucht
ist, mit Oummi arabicum und preßt das
Papier an die Glasseite des Negativs durch
darauf gelegte Bücher an.

Briefkasten.

Abonnements-Qvittung und Angabe der Adresse nötig.

Herrn Oaul M.. Linoen. Die Möglichkeit, so-
genannte Vexierbilder herzustellen, beruht darauf,
dass eine unvergoldete Silberkopie in Quecksilber-
sublimatlösung (1:50) vollkommen ausbleicht und ver-
schwindet. Kommt sie später mit Ammoniak in Be-
rührung, so erscheint das Bild in brauner Farbe.

Verantwortlicher Redakteur dieser Abteilung:
vr. Adolf Nliethe, Rathenow, Berlinerstraßc.

Redaktiollslchluß 2l. Sktobn. — Lur-abe 4. Zlooembrr.

Inhalt des vierten Heftes: ?eLt: Max

Georg Zimmermann. Kritische Gänge II —
Wilhelm Herbert. Zusammengemalt. — Fr.
Pecht. Weihnachtsbücherschau. — Personal- und
Ateliernachrichten. Der Amateur-Photograph:
vr. Ad. Miethe. Wie lange soll man in einem
Jnnenraum belichten? — Derselbe. Wie soll
man Negative kopieren? — Briefkasten rc. Aitder-
öeitagen. P. S. Kroher. Bildnis meiner Frau.
— Ernst Zimmermann. Rast auf der Flucht
nach Ägypten. — R. X. Prinet. Unter Freun-
dinnen. — G. Coürb et. Landschaft bei Q^rNans.

Verantwortlicher Redakteur: Fritz Schwach. — Druck der Bruckmann'schen Buchdruckerei in München.
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