Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 9.1893-1894

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vom Herausgeber. — Aphorismen.

Z-N

Denkmal" von Echtermeier und immerhin liebenswürdig Eberleins „Bitte". — Unter den porträtartigen
Arbeiten ist in erster Linie Kramers für das Hamburger Rathaus bestimmte Statue des Kaisers Max I- zu
nennen, wo er den hier offenbar maßgebenden Charakter der Innsbrucker Figuren vorzüglich traf- Die Marmor-
figur des Königs Ludwig II. von Elisabeth Ney giebt den König in seiner liebenswürdigsten Jugendzeit
wenigstens sehr ähnlich, was man auch Ferd. v. Millers Ludwig I. mit noch mehr Recht nachsagen kann.
Unter den zahllosen Büsten sind Arbeiten von Hildebrandt, Busch, Herter, Hautmann, Magnussen,
Balth. Schmitt und Weber-Petsche zu rühmen, bei der Kleinskulptur aber sind Frl. Finzelbergs
liebliche „Gänseliesel" und Scharffs
köstliche Medaillen — als in ihrer Art
unübertrefflich — zu erwähnen. Eine ganz
besondere Bereicherung der Ausstellung
bilden auch noch eine Reihe von köstlichen
Münchener Edelmetallarbeiten, Tafelauf-
sätze u. dgl. von Dießl, Th. Heiden
und am vorzüglichsten ein Schmuckkästchen
von Pezold und Rothmüller, das mit
allen alten Arbeiten dieser Art rivalisieren
kann. Auch Wiedemann in Berlin,
dann van der Etappen, Brüssel,
brachten schöne Arbeiten dieser Gattung.

Jedenfalls wird man hier am ersten von
einem wirklichen „Fortschritt" unserer
Kunst sprechen dürfen, von dem in den
Malersälen, dank der wieder einmal mehr
als je eingerissenen Vernachlässigung des
ernsten Studiums besonders an den deut-
schen Akademien kaum viel die Rede sein
kann, da man auf der Seite der Zeich-
nung mehr eingebüßt hat, als auf der
des Kolorits gewonnen.

Aphorismen.

Schule.

Sei der Prophete noch so klein,

Er findet seine Jüngerlein:

Schon darum, weil dem ein'gen Christ
Weit schwerer nachzufolgen ist.

Künstlrrlos.

Die einen ziert der Lorbeerkranz,

vom Volk umjauchzt, im Sonnenglanz, —

Die andern tragen still und stolz
Die Dornenkrone am Marterholz.

Doch leicht der ersten Ruhm zergeht,

Wie Schall und Rauch verklingt, verweht, —
Der andern Haupt im Glorienschein,

Strahlt in die fernste Zeit hinein.

A. Stier.

Drr mrnschlichr Körper.

Der Kern- und Mittelpunkt aller Kunst, an den sich
alle Beziehungen knüpfen, von dem sich die Künste in der
weitesten Entwickelung loslösen, bleibt der Mensch und der
menschliche Körper. Ls ist die Darstellung des menschlichen
Körpers, die allein die Grundlage einer gesunden Stilbildung
geben kann. Alles, was künstlerisch geschaffen wird, in Plastik
wie Kunstgewerbe, in Malerei wie Baukunst, hat in jedem
Teil engsten Bezug zum menschlichen Körper.

Wrdusa. von Eduard Kaemxffer.

Iabresausstellung ^85>H der Aünstlergenoffenschaft zu München.

RrkrlätitL,

„Herein, herein! Fünf Groschen Eintrittsgeld!" —
was giebt's zu sehn? Was hat man ausgestellt?
Ein Riesenweib? Ein Kälblein mit fünf Beinen?
Wir treten ein, das Wunder anzuschau'n,

Und mögen kaum den eignen Augen trau'n:

Lin großer Maler mit berühmtem Namen

Hat hier zum Kunstgenuß für Herr'n und Damen,

Im dunklen Raume, wirkungsvoll erhellt,

Ein neues Sensationsbild ausgestellt.

Mit lautem Redeschwall erklärt man's allen.

G deutsche Kunst, das läßt du dir gefallen?
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