Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 9.1893-1894

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von Karl v. vincenti. — Rundschau, von Herman Helferich.


Beiths Madonna, Krämers Reigen, Otten-
felds militärisches Begräbnisbild, ein Kabinetts-Aquarell
von Bernatzik, Temples Salon-Konzert fallen auf.
Als Landschafter treten mit großem Erfolg Charlemout,
Ruß, Darnaut, Zetsche, Zo ff auf. EinigeDamen
frappieren durch großen Fortschritt, so Marie Egner
mit einem Landschaftsmotiv und Rührer mit einem
Kirscheubilde. Bei den Ungarn stehen Horowitz,
Benczur und Ferraris mit ihren Bildnissen in
erster Reihe. Auch ein kleiner Munkacsy ist da;
Bihary sei für das Porträt Agais genannt.

Die Plastik ist reich an Erlesenheiten. Für Monu-
mentales kommt Tilgner auf mit seinen beiden Prächtig
modernen Sockelgestalten (für das Werndl-Denkmal in
Steyr); seine Marmorbüste des Humoristen Bauer leistet
das Frappanteste in Charakteristik. Der Ungar Strobl
und unser Bitterlich zeichnen sich im Brustbild aus,
des Erstgenannten Tisza-Büste überrascht. Benk bringt
eine reizvolle „Anadyomene" und ein Grabmal für seine
Eltern. Als Medailleure glänzen der Pariser Roty
und der Wiener Scharff. So sind wir denn zu einem
hocherfreulichen Kunstfeste geladen, das auch ein Friedens-
fest sein soll. Freilich, wenn auch die feindlichen
Brüder von Paris sich im Wiener Künstlerhause die
Hand der Versöhnung reichen, so sind andrerseits die
Münchener Secessionisten grollend daheimgeblieben. Schade!

Rundschau.

von German Lelserich.

Französische und holländische Aquarelle. — Die Versteigerung
Duret. Nachdruck verboten.

emand, der oberflächlich über die Kunst des neun-
zehnten Jahrhunderts uuterichtet war, hatte vor
einiger Zeit der erstaunten Mitwelt verkündet, das
Aquarell wäre die Kunst des neunzehnten Jahrhunderts.
Dies ist nicht wahr; die Kunst des neunzehnten Jahr-
hunderts zerfällt in viele Teile und nicht alle diese Teile
stehen über der Frage nach der angewendeten Technik.
Immerhin hat aber das Aquarell im neunzehnten Jahr-
hundert eine liebevolle Pflege erfahren, verschiedene
Völker haben ihm ihre Individualität aufgedrückt, und
wenn in etwas vergangener Zeit die Aquarelle der
englischen Schule — wir wissen nicht recht, warum —
einen ganz besonderen Ruf hatten, so hat sich die neuere
Zeit, die malerischer gesonnen ist, mit Vorliebe jenen
Aquarellstil ausgesucht, den die Holländer Pflegen, nach-
dem auch einige Zeit die italienische Virtuosität be-
deutenden Beifall gefunden hatte.

In Frankreich war der Aquarellstil kein ausge-
sprochener; eine Neigung zum Eleganten war die einzige
Note, die auffiel. Im übrigen hatte man nicht ganz die
englische peinliche Sorgfalt des Ausführens, nicht ganz
die italienische Bravour, nicht ganz die holländische
Delikatesse der Tönung, sondern begnügte sich mit einer
diese Eigenschaften in bescheideneren Dosen vereinigenden
Mischung. Und mehr und mehr hat sich das französische
Aquarell zu einem Schoßkinde der Gesellschaft heraus-
gebildet, von der Kunst hat es angefangen fast abzusehen
und einzig den Beifall der Welt gesucht: eine interessante
Vergleichung war möglich, als vor kurzer Zeit, durch

Aus „Vir Engel der Schöpfung".
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