Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 9.1893-1894

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i. September 1894

H Jahrgang. Heft 23.

tzeraubgegeben von Friedrich Pecht -r-

R ^ erscheint in halbmonatlichen Heften von 2 Bogen reich illustrierten Textes und 4 Bilderbeilagen in Umschlag geheftet. Bezugspreis i,n

Buchhandel oder durch die Post (Reichspostverzeichnis Nr. 3750, daher. Verzeichnis Nr. 438, k. u. k. österr. Zeitungsliste ll!r. 1447) 3 M. Sll Ps. sür das Vierteljahr
- (6 Hefte); das einzelne Heft 75 Pf.

die Londoner Sommer-Aufstellungen.

von Herman Helferich.

Im Melier, von A. Baud-Bovy.

Photographieverlag der Photographischen Union in München.
Die Kunst sür Alle IX.

Nachdruck verboten.

-laicht allein die Academy und die New
Gallery haben in diesem Sommer, wie
alljährlich, Ausstellungen veranstaltet, auch
die alten oder die älteren Meister sind an
zwei Orten dem Publikum in Lcih-Aus-
stellungen vorgesührt worden, in der Guild-
hall und in der Grafton Gallery. In der
Guildhall fand zum erstenmal eine auch Sonn-
tags geöffnete Ausstellung statt, unnötig, zu
sagen, daß die Besuchsziffer den Erwartungen
entsprochen hat. Diese Ausstellung war sehr
interessant; denn neben alten holländischen
Meistern, die in manchen hervorragend schönen
Exemplaren, unter andern aus der Königin
Besitz, vertreten waren, glänzten in dieser
Ausstellung die ebenso berühmten, wie tat-
sächlich nur selten zu sehenden englischen
Prära ffaeliten.

Sir John Everett Millais war
in einigen Werken aus seiner Jugendzeit,
die schön war, und mit einem aus seiner
späteren Zeit, in der er in das Fahrwasser
der Allgemeinheit einlenkte, wenn auch sein
Talent ihm erhalten blieb, vertreten. Das
früheste Werk seiner Jugend war „Lorenzo
und Jsabella". Noch etwas steif — aber sehr
innig. Man denkt etwas an den frühen
Cornelius und seinen Kreis, aber Millais
malt besser. Er malt selbst vorzüglich —
staunenswert gut sind einzelne Teile gemalt,
der Ausdruck überall ist über jedes Lob er-
haben, und die Gesamtwirkung ist keine
schlechte, wenn sie auch nicht so groß ist wie
die Wirkung der einzelnen Teile.

In seinem „präskribierten Royalisten"
und in seiner „Flucht einer Ketzerin" sehen
wir dann Millais Fortschritte machen, zu
satterer Färbung, zu stärkerer Übersicht über
die Gesamtwirkung gelangen. Aber das schönste
unter den Bildern ist unstreitig der „Sir
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