Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 9.1893-1894

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1 cm
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Verschiedene Fehler bei der ycrvor-
rusung und deren Vermeidung.

von Or. A. Miethe (Rathenow).

^kuch fortgeschrittenere Amateure sind oft
ratlos, wenn bei der Entwicklung nicht
alles so klappt, wie es sollte. Zumal die-
jenigen, welche oft mit der Zusammensetzung
der Hervorrufer wechseln oder fertig ge-
mischte Entwickler benutzen, haben über aller-
lei Kalamitäten zu klagen. Besonders die
verschiedenen Schleier zumal Grünschleier'
sind häufig. Wenn man sich keinen Rat
weiß, speziell wenn man keine genügend
dichten Platten erzielen kann, so thut man
gut, zum übersichtlichsten aller Entwickler,
zum Pyrosodaentwickler zurückzukehren, um
daran die verschiedenen Einflüsse der einzelnen
Bestandteile des Hervorrufers kennen zu
lernen.

Drei Schnupfer.

Wir setzen den Pyrosodaentwickler in
folgender Weise an:

Vorratslösung I:

Soda 50 xr,

Wasser 200 ccm.

Vorratslösung II:

Schwefeligsaur. Natron 25 gr,
Wasser 200 ccm.

Vorratslösung III:

Bromkali 5 gr,

Wasser 50 ccm.

Außerdem beschafft man sich ein Horn-
löfselchen, das 0,1 gr feste Pyrogallussäure
faßt. Die Entwicklung beginnt man nun
folgendermaßen. Man mischt:

Festes Pyro 2 Löffelchen

Sodalösung I 10 ccm,

Sulfitlösung II 10 ccm,

Wasser 200 ccm.

Erscheint das Bild, was bei Ueberexposi-
tion der Fall ist, sehr schnell, so setzt man
tropfenweise Bromkali zu und entwickelt ^
eventuell unter noch weiterer Verdünnung!

s solange, bis alle Schattendetails gut gedeckt
erscheinen. Wenn jetzt die Lichter, — dies
^ wird meist der Fall sein — noch keine ge-
nügende Deckkrast haben, fügt man ein bis
zwei weitere Löffelchen Pyrogallo hinzu: tritt
dabei zugleich ein leichter Schleier auf, so setzt
man von neuem Bromkali hinzu. — Kommen
die Schattendetails dagegen im Anfänge
schwer, d. h. bleiben gewisse Teile der Platte
weiß, während die Lichter (Himmel rc.) sich
intensiv schwärzen, so setzt man dem Ent-
wickler kein Pyrogallo, vielmehr Sodalösung
bis zu 15—-30 ccm. hinzu. Die Platte,
sofern sie nicht rettungslos unterexponiert
war, kommt dann schnell heraus, bleibt je-
doch flau. Sind alle Schattendetails heraus,
so verstärkt man die Lichter durch gleich-
zeitiges Hinzufügen von

Pyro 1 Löffelchen,

Sulfitlösung III 15 ccm.

Auf diese Weise kann selbst bei noch so
ungeschickter Exposition, vorausgesetzt,
daß nicht allzu kurz belichtet wurde,
Gutes herausgebracht werden.

Nun wollen wir einige Winke betreffs
der eventuellen Fehler dieser Methode geben.
Die Negative erscheinen, zumal wenn Pyro
sehr im Ileberfluß angewendet wurde, nicht
grauschwarz, sondern entweder braun oder
grün. Elfteres schadet nichts, letzteres jedoch
insofern, als unter solchem Negativ erzielte
Chlorsilberbilder einen schwärzlichen Ton
annehmen, der sich nicht willig färben läßt.
Man verfährt deshalb folgendermaßen: das
äußerst sorgfältig fixierte und gewaschene
Negativ wird mit Quecksilbersublimat ver-
stärkt, mit Ammoniak geschwärzt und dann
in Fixiernatron gelegt. Hierin wird das
Negativ schnell dünner, bis es die ursprüng-
liche Deckkraft zurückerhalten hat und be-
kommt zugleich eine reingraue Farbe.

Bei sehr verlängerter Entwicklung kann
es Vorkommen, daß das Bild einen Grün-
schleier (in der Durchsicht rosenrot) bekommt.
Dieser Schleier verlangsamt das Kopieren
und macht die Abzüge flau. Man kann ihn
in folgender Weise beseitigen: Die gut ge-
waschene Platte kommt in nachstehendes Bad:
Eisenchlorid 10 §r,

Bromkalium 10 §r,

Wasser 250 ccm.

In dieser Lösung wird der Schleier schnell
verschwinden. _

Mldstnder.

von vr. A. Nliethe (Rathenow).

/tlbenso wie sich die Maler oft sogenannter
^ Bildsinder bedienen, um sich ihre Motive
zu suchen und die passendste Art des Heraus-
schneidens eines Bildes zu ermitteln, kann
sich auch der Amateur mit Vorteil eines
ähnlichen Instrumentes bedienen. Auf diese
Weise ist es leicht, sich ein Urteil über den
besten Standpunkt zu bilden, ohne die Camera
mehrfach aufzustellen. Solche Bildfinder
(Ikonometer) kann man sich leicht selbst Her-
stellen. Man nimmt drei gleichgroße Stücke
Pappe von ungefähr 9:12 cm Dimension
und verbindet dieselben an dem Rande mit
Kaliko so, daß durch Aufklappen der beiden
Seitenteile eine ^ förmige Gestalt entsteht, j
In die Mitte der einen hochstehenden Seiten- i
wand schneidet man dann ein kreisförmiges s

Loch von etwa 8 mm Durchmesser, in die
andere ein rechteckiges Loch von etwa 4 : 5 cm
Seitenlange. Indem man jetzt den Apparat
mit dem zu benutzenden Objektiv auf irgend
einen fernen Gegenstand richtet, merkt man
sich die Gegenstände, welche auf der Matt-
scheibe am Rande der Bildfläche zu sehen
sind. Jetzt visiert man, vom gleichen Stand-
punkt durch das kreisförmige Loch des Ikono-
meters hindurchsehend, nach dem rechteckigen
Ausschnitt und sieht zu, ob die gleichen
Gegenstände ebenfalls an dem Rande des
durch diesen hindurch sichtbaren Bildfeldes
bemerkbar sind. Indem man die rechteckige
Leffnung allmählich vergrößert, kann man
diese stets erreichen und erhält so ein für
alle Fälle (immer das gleiche Objektiv vor-
ausgesetzt!!) justiertes Instrument.

kleine Mitteilungen.

' Photographische Ausstellung in Er-
furt. In die Reihe der mit der großen Thüringer
Gewerbe- und Industrie Ausstellung in Erfurt ver-
bundenen Eonder-Ausstellung ist auch eine photo-
graphische Ausstellung eingesügt worden, die am
lb. August beginnen und bis zum 1. September
dauern wird. Diese für die internationale Beteiligung
veranlagte Ausstellung ist in vier Abteilungen ge-
gliedert, 1. für Amateur-Photographie, 2. für die
Photographie zu wissenschastlichen Zwecken, 3. für
die Veranschaulichung der neuesten Fortschritte der
Photographie, besonders aus dem Gebiete der Farben-
uud Momentphotographie, sowie der photographischen
Druckverfahren und 4. sür Apparate und Bedarfs-
artikel. Tie Ausstellung wird ihren Platz finden in
einer sehr zweckdienlich eingerichteten, mit Ober- und
Seitenlicht versehenen Halle, in der bis dahin die
Ausstellung des Verbandes der Kunstvereine westlich
der Elbe slattsindet. deren Einrichtungen sür die
photographische Ausstellungen erhalten bleiben, bezw.
zweckentsprechend umgestaltet werden. Die Auszeich-
nungen werden in Ehrenpreisen und Medaillen der
Thüringer Gewerbe- und Industrie-Ausstellung be-
stehen. Programme der Ausstellung sind von Herrn
Regicrungsbaumeister Erlandseu in Erfurt zu be-
ziehen. I3SS21


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Rcdaktionslchluß 30. Zum. — Ausgabe 14. Juli 1894.

Inhalt des zwanzigsten Leftes:

Georg Boß. Die Ausstellung der Münchener
Secession im Sommer 1894. (II.) — Hermann
Helferich. Eindrücke von den Pariser Salons.

— 0r. Relling. Die große Berliner Kunstaus-
stellung 1894. (III.). — Personal- und Atelier-
Nachrichten rc. rc. Der Amateur-Photograph:
vr. A. Micthe. Verschiedene Fehler bei der Her-
vorrusung und deren Vermeidung. — Derselbe.
Bildfinder. — Kleine Mitteilungen. — Aikder-
beilagen: Fritz von Uhde. dloli we tangere.

— Theophile d e Bo ck. Sommertag. — Leon
Frederic. Die Nichtigkeit der irdischen Größe.

— Jose Casado. Der Sieger.

verantwortlicher Redakteur: Fritz Schwartz. — Druck der Bruckmann'schen Buchdruckerei in München.
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