Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 9.1893-1894

Page: 352
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Über den Gebrauch der Blenden.

von vr. A. Mietbe tRatdenow).

->ie Wirkungen der Abblendung Photo-
AI graphischer Objektive sind mehrfache und
werden oft nur zum teil erkannt. Gewöhn-
lich denkt man als an die wesentlichsten
Wirkungen, an die Abnahme der Lichtstärke,
sowie die Zunahme der Randschärfe. That-
sächlich sind diese beiden Wirkungen die
markantesten und allgemein bekannt. Außer-
dem sind aber einige andere Erscheinungen
mit der Abblendung verbunden, welche oft
nicht verstanden werden. Je mehr man ein
Instrument abblendet, desto größer wird
seine sogenannte Tiefe, d. h. die Fähigkeit,
Gegenstände in verschiedenen Entfernungen
von der Camera gleich scharf abzubilden.
Die Tiefe einer Linse ist nur von
deren Lichtstärke abhängig, so, daß
sie mit letzterer abnimmt. Es ist
eine falsche Angabe, welche oft in
Preisverzeichnissen gemacht wird,
daß die Tiefe dieser oder jener
Linse ganz besonders groß sei.

Blendet man eine Anzahl ver-
schiedener Objektive verhältnis-
mäßig ab, d. h. so, daß bei allen
Brennweite und Öffnung im
gleichen Verhältnis stehen, so
haben alle genau gleiche Tiefe.

Tort, wo aber große Tiefe
erforderlich ist, wie z. B. bei Jn-
terieuranfnahmen oder bei Abbil-
dung körperlicher Gegenstände
aus großer Nähe, muß man stark
abblenden, um die genügende
Schärfe nach derTiefe zu gewinnen.

Mit der Abblendnng geht
aber noch eine andere Wirkung
Hand in Hand. Man wird stets
finden, daß, richtige Expositionen
vorausgesetzt, ein Negativ, welches mit größe-
ren Blenden ausgenommen wurde, klarer, kon-
traktreicher und schleierfteier ausfällt, als
solche, welche mit kleinen Blenden hergestellt
worden sind. Es ist in dieser Beziehung
oft ein auffallender Unterschied zu kon-
statieren. Die Erklärung dieser Thatsache ist
einfach genug. Jedes Objektiv erzeugt durch
falsche Spiegelung an seinen Flächen eine
größere Menge schädlichen Lichtes, welches,
je länger die Belichtung dauert, um .so
störender die Platte beeinflußt. Man

kann sich von dieser Thatsache leicht durch
einen Versuch überzeugen. Es glückt z. B.
nicht, das Interieur einer Hütte re. durch
die Thüre hindurch, wenn der Apparat im
Freien steht, zu photographieren. Man

sollte meinen, daß dies gehen müßte, falls
man nur lange genug belichtete. Thatsäch-
lich erscheinen jedoch in der Thüröffnung
keinerlei Details, es stellt sich vielmehr ein
schnell zunehmender allgemeiner Schleier ein,
ein Beweis, daß das falsche Licht das
schwache Licht des Jnnenraumes an Wir-
kung vielmal übertrifft.

Dieses unerwünschte falsche Licht nimmt
nun meist nicht mit der kleiner werdenden
Blende in gleichem Verhältnis ab, vielmehr
geht davon durch die kleinen Öffnungen immer

noch ein erheblicher Teil hindurch, der in-
folge der verlängerten Belichtungszeit das
Resultat deutlicher beeinflußt, als dies bei
größerer Öffnung geschehen wäre.

Ein weitverbreiteter Irrtum bei der
Anwendung von Blenden ist der, daß oft
angenommen wird, daß mit zunehmender
Abblendung die Lchärfe des Bildes sowohl
in der Mitte als gegen den Rand hin zu-
nehmen müsse. Dies ist nur innerhalb
mäßiger Grenzen der Abblendung thatsächlich !
richtig. Wenn man die Abblendung zu
weit treibt, findet im Gegenteil eine Ab-
nahme der Gesamtschärfe von beträchtlicher
Größe sowie keine nennenswerte Zunahme
der Randschärfe statt. Es ist dies eine Folge
der Beugung des Lichtes. Die Benutzung
allzukleiner Blenden ist daher ein unzweifel-

11m nun die Entfernung einer ausgewachsenen
stehenden Figur auf der Sucherscheibe direkt
finden zu können, dividiert man mit der
gefundenen Brennweite in die auf dem
Sucher anzugebende Distanz und dividiert
mit der gefundenen Zahl in l,8 die Höhe
einer stehenden Figur. Ein Beispiel wird
das Gesagte erläutern. Gesetzt, die ge-
fundene Brennweite der Sucherlinse sei
50 mm, die Größe des Bildes der Figur
soll in 10 m Entfernung gefunden werden, so
ergiebt sich für dieselbe 1800: —

— 9 mm Das Bild muß also in diesem
Falle auf der Sucherscheibe 9 mm hoch sein;
dasselbe ist demgemäß 18 mm für 5 m Ent-
fernung, 36 mm für 2'/z m Entfernung
hoch. Wenn man diese Größen mit
Bleististlinien auf der Sucherscheibe markiert,
kann man in jedem Augenblick
die Entfernung einer Person,
Gruppe w. genau genug durch
einen bloßen Blick auf den Sucher
finden, um das Objektiv richtig
einstellen zu können. MM)

Irikmrrih.

Aufnahme von Adolf Teubner in teitmeritz.

Hafter Nachteil. Es empfiehlt sich nur
selten, kleinere Blenden anzuwenden als die,
welche der Optiker der Linse mitgegeben hatte,
und es sollte eine Verminderung der Licht-
stärke auf f/120—f/120 nur in denjenigen
Fällen versucht werden, in denen sonst durch
mangelhafte Tiefe kein brauchbares Resultat
zu erzielen ist. Aber auch hier ist stets die
Anwendung eines langbrennweitigen Ob-
jektives mehr zu empfehlen. MM)

Entfernungsmesser für tzandcameras.

von vr. A. Mietbe (Rathenow).

^V^er sich schwer an richtige Schätzung von
Entfernungen beim Arbeiten mit der
Handcamera gewöhnen kann, mag sich fol-
gender einfachen Einrichtung bedienen. Die-
selbe besteht aus einer vertikalen Skala auf
der Mattscheibe des Suchers, welche in der
nachstehenden Weise hergestellt wird. Zu-
nächst ermittelt man die Brennweite der
Sucherlinse ungefähr, indem man sie heraus-
schraubt und vor einer weißen Wand solange
vorwärts und rückwärts bewegt, bis man
ein scharfes Bild eines nicht zu nahen
Fensters auf der weißen Wand erhält. Die
Entfernung zwischen der Linse und der
Wand ist dann die ungefähre Brennweite.

Büch erschau.

— Zu welch erfreulichen Erfolgen
die Amateurphotographie führen kann,
hat uns ein „Albuin v on Leitmeritz"
bewiesen, das uns von seinem Heraus-
geber. Prof. Adolf Teubner. über-
sandt worden ist. Die darin enthaltenen
zehn Vollbilder sind nach eigenen Auf-
nahmen des Herausgebers in Lichtdrucken
in der Größe von ca. 12 :16 cm aus-
geführt, und wir können nur sagen, daß
die Aufnahmen, manche der zehn Blätter
enthalten mehr als zwölf Bilder, zu
einem Tableau vereinigt, durchweg vor-
züglich gelungen sind. Nebenstehende
kleine Reproduktion ist nach einer der in
dem Album enthalten Tafeln herge-
stellt. Ein begleitender Text aus der
Feder des Herausgebers, von kleinen
Reproduktionen nach eigenen Zeich-
nungen anmutig belebt, giebt einen
kurzen Abriß der Geschichte und daran
anschließend eine kleine Schilderung der künstlerischen
und landschaftlichen Reize der Stadt. Der Preis
des im Selbstverläge des Herausgebers erschienenen
Albums ist 3 fl.

SÜK MS

Redaktionstchluß 26. -uli. — Ausgabe S. AuguK 1891.
Inhalt des zweiundzwanzigsten Bestes:

Uert: Fr. Pecht. Tie Jahresausstellung 1894
der Künstlergenossenschaft zu München (II.). —
Aphorismen.—BrunoPiglheinsi — Friedr. Lipp-
mann. Die Technik des Kupferstichs. — Personal-
und Ateliernachrichten rc. Der Ämalenr-Photo-
graph: vr. A. Miethe. Üeber den Gebrauch der
Blenden. — Derselbe. Entfernungsmesser für
Handcameras. — Bücherschau. ÄZildcröeilagen:
Charles Louis Kratke. „1812". — Gug-
lielmo Ciardi. Bei Südwest-Wind (Venedig).
Willem Geets. Puppentheater am Hofe Mar-
garethens von Österreich (1515). — Theodor
Roch oll. Waldrast.

Verantwortlicher Redakteur: Fritz Schwärtz. — Druck der Bruckmann'schen Buchdruckerei in München.
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