Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 9.1893-1894

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0.5
1 cm
facsimile
SeMtonbad für Lclloünnxapicr.

von vr. A. Miethe (Rathenow).

/gewöhnliches Celloidinpapier und auch
Aristopapier läßt sich ohne Anwendung
von Gold sehr schön sepiafarben tönen, was
besonders sür größere Formate sehr gut
wirkt und auch für Mattpapier anwendbar
ist. Die Behandlung der Bilder ist genau
dieselbe, wie beim Vergolden; sie werden
nach dem Kopieren ausgewaschen und dann
in folgendes Tonbad gebracht:

Lös. l. Uranintrat 1 Ar

Wasser 100 ccm

2. Rotes Blntlaugensalz 1 Ar

Wasser 100 ccm

Die Lösungen werden zu gleichen Teilen
gemischt und dann das Bild solange be-
handelt, bis es den gewünschten Ton hat.

Lös.

durch Aufgießen neuen Verstärkers oder Ver-
mehrung der Silbermenge jede gewünschte
Deckkraft erzielen, ohne daß die Negative ver-
schleiern oder gelb werden. Hauptbedingung
ist jedoch allerpeinlichstes Auswaschen des
Fixiernatrons vor der Verstärkung.

Vstentierle tzsclilf'sche BlikZIampe und
Lichtrcgulgtor, llrügenerK Krgulator-
Verschluß.

Von Eugen Hackhs famoser Erfindung der Natural-
photographie war in letzter Zeit wenig zu hören,
hoffentlich ist die Sache, welche speziell vom künst-
lerischen Standpunkt aus eine große Zukunft ver-
sprach, nicht 36 3ct3 gelegt. Indessen bringt Hackh
zwei neue und praktische Handwerkzeuge für Ama-
teure und Fachleute. Tie „Blitzlampe im Brief-
couvert" gestattet eine möglichst ausgiebige Be-
Schließlich wird abgewaschen lind wie ge- Nützung von nur wenig Pulvergemisch, indem der

wohnlich fixiert nnd gründlich gewässert.

Gackh'sche Blitzlampe mit Lichtregulator.

Giftfreie Verstärkung für Negative.

von vr. A. Miethe (Rathenow).

^7>er gewöhnliche Quecksilberverstärker wird
^ vielfach deswegen nicht gern angewendet,
weil er äußerst giftig ist und die Finger sehr
leicht beschmutzt. Der nachstehende Hydro-
chinonsilberverstärker ist von diesen Fehlern
frei nnd giebt, vorausgesetzt, das; man die
Negative gut ausfixierte und tüchtig aus-
wusch, ausgezeichnete Resultate.

Man eitet neb wlaende baltbare einem Gummischlauch nebst Birne.

^ -'-'can verurer um Mgenoe yalivare ^ms obere Röhrchen mit dem Lust

<>orratsll.ynngen: cylinder der Blitzlampe Ein Druck

Hydrochinon 3 der Birne össnet den Verschluß ^lnd

Wasser 150 ccm

Salpetersäure 1 §r

Z. Silbernitrat (Höllenstein) 4 §r

Wasser

Zum Gebrauch

mittels des Hackhschen „Lichtpulvers", eigener Zu-
sammensetzung, erzeugte Effekt mit Hilfe einer Re-
flekttonsscheibe direkt auf das Objekt geleitet wird.
Tie Entzündung erfolgt durch Verwendung einer ein-
fachen Patronenkapsel mit Zündstift, hierdurch
entfällt die Notwendigkeit einer eigenen
Zündflamme, und dieses ist ein Hauptvorteil
des Apparates. Tie Handhabung ist leicht
und gefahrlos, die Zündblättchen sind jene
der bekannten Kinderpistolen, die Auslösung
erfolgt pneumatisch. — Nebenstehende Figur
zeigt die Anwendung der Lampe in Verbindung
mit dem Hackh'schen Lichtregulator.
Dieser äußerst sinnreiche und zweckdienliche
Apparat bedient gleichzeitig die Blitzlampe
und den Momentverschluß, und zwar so ziem-
lich jede Blitzlampe und jeden Momentver-
schluß, ohne Rücksicht aus das System. Be-
dingung ist bloß die pneumatische Auslösbar-
keit. Mit Hilfe des Regulators sind wir in
der angenehmen Lage, Blitzlicht und Tages-
beleuchtung kombinieren zu können, aber
auch direkte Blitzaufnahmeu gestalten sich
nun präziser, indem jede Vor- und Nach-
bklichtung der Platte ausgeschloffen bleibt.
Beistehcnde Abbildung zeigt das kleine In-
strument. welches aus einem Systeme von
drei Röhren besteht. Rohr 1 wird durch
Kautschukschläuche von beliebiger Länge mit
dem Momentverschluß, Rohr 2 mit der Blitz-
lampe verbunden, die Gummibirne besorgt
die entsprechende gleichzeitige Auslösung. Was
schließlich „Krügeners Reg u Ia tor vcrsch lu ß"
anbetrifft, so funktioniert derselbe
ähnlich wie der Lichtregulator, dient
aber, wie der Name sagt, gleichzeitig
als Objektivverschluß, der sich un-
schwer an jedem Objektiv anbringen
läßt. Ter Hauptzweck dieses kleinen
und originellen Apparats ist jedoch
die Verwendung mit einer Blitzlampe,
welche zur Entzündung gebracht wird,
sobald die Öffnung des Objektivs
besorgt erscheint. Zu diesem Zwecke
verbindet man das untere Röhrchen
(siehe die obenstehende Figur) mit
Gummischlauch nebst Birne,

13 X 18 cm-Platte:
Wasser
Lösung
Lösung L.

mischt man

50 ccm
für

die

entflammt das Blitzpulver. Ent-
sprechende Länge der Schläuche bei
diesem wie bei dem vorherbesprochenen
Apparate gestatten Selbstaufnahmen
oder ersparen auch bei Gruppen-
aufnahmen das oft schmerzlich em-
pfundene Fehlen des Aufnehmers.

v. I.. öl.



40 ccm

20—25 ccm
2—3 ccm

Man lept die Platte nntcr gelegentlichem
Schaukeln in die Lösung ein und beobachtet
die sehr allmählich vor sich gehende Ver-
stärkung. Wenn die nötige Deckkrast erzielt
ist, wird einfach abgewaschen. Man kann

Herrn G. M.. Danzig. Wenn
das Eisenpapier schon nach einigen
Tagen blaugrün wird, so ist das regulator.

ksackh'schcr
kicht-

ein Zeichen dafür, daß die Flüssigkeiten zur Präpa-
ratton schon zersetzt waren oder daß der Pinsel Un-
reinlichkeiten enthielt. — Das geeignetste Papier ist
sehr gut geleimtes und nicht zu stark satiniertes
Zeichenpapier oder auch ungeripptes englisches Brief-
papier.

Frl. P. 200, Ulm. Farbenempsindliche Platten
liefert O. Perutz, Trockenplattensabrik, München,
vr. Schleußner Frankfurt a. M. Dieselben können
von jedem besseren Händler bezogen werden Der
Randschleier, über den Sie klagen, rührt von zu
alten, teilweise zersetzten Platten her; die Camera
ist daran vollkommen unschuldig!

Cäsar M., Hamburg. Schöne Eisenblaudrucke
erreichen Sie nur nach sehr kräftigen Negativen, be-
sonders wirkungsvoll nach Strichsachen, flaue Nega-
tive sind ganz ungeeignet. Lebhafte Negative und
verläßliches Papier machen das Salzsäurebad über-
flüssig. Näheres über den Eisenblauprozeß finden
Sie in jedem photographischen Handbüchlein.

Bruno R., Breslau. Eine brauchbare Retouchier-
effenz können Sie sich selbst leicht dadurch Herstellen,
daß Sie in l00 Teilen Terpentinöl 4 Teile venezia-
nischen Terpentins mit 2 Teilen Colophonium mischen.

Or. R Krügeners Regulatorverschluß.

Moritz V.. Karlsbad. Ihre Negative werden stets
gelb und fleckig sein, wenn sie dieselben ohne gründ-
liche Wässerung mit Quecksilber verstärken. Der Akt
der Wässerung ist bei den verschiedenen Plattenfabri-
katen von ungleicher Tauer und abhängig von der
Art der Gelatine und der Ticke des Gusses. Eine
Stunde fließenden Wassers wird in den meisten Fällen
als Vorbereitung zur Quecksilberkur genügen. Subli-
matlösungen sind giftig, daher Vorsicht!

Herrn Franz G., Nürnberg. Tie Ursache, wes-
wegen Sie mit der Monoclelinse keine klaren Bilder
bekommen haben, kann nur in zu langer Exposition
oder Undichtheit der Kamera liegen. Diese Linsen
sind gerade durch besondere Klarheit der erzielten
Negative ausgezeichnet. Sie dürfen nicht vergessen,
daß die Belichtungszeit unverhältnismäßig kurz sein
muß, weil die dünne Linse so wenig Licht verschluckt.

Verantwortlicher Redakteur dieser Abteilung:
vr. Adolf Miethe, Rathenow, Berlinerstraße.

Nedaktiousschluß 28. April. — Ausgabe 12. Mai 1894.

Inhalt des fünfzehnten bestes: tz»t- Fr.

Pecht. Graf Schack und seine Galerie. — Her-
rn an Helferich. Rundschau. — Heinrich
Becker. Frankfurter Brief. — H. Glücksmann.
Ateliergedanken. — P. Hann. Jahresausstellung
der American Artists. — Jaro Springer.
Christian Ludwig Bokelmann ff. — Personal- und
Atelier-Nachrichten re. re. — Der Amateur-Ahoto-
grapb: vr. A. Micthe7 Sepiatonbad für
Celloidinpapier. — Derselbe. Giftfreie Ver-
stärkung für Negative. — Patentierte Hackh'sche
Blitzlampe und Lichtregulator, Krügeners Regu-
latorverschluß. — Brieftasten. — Airderbeitagen:
G. Haquette. Segnung des Meeres. — C.
Kiesel. Im Morgenland. — Adolf Menzel
Ball. — Alfred Stevens. Atelier-Interieur

verantwortlicher Redakteur: Fritz Schwartz. — Druck der Bruckmann'schen Buchdruckerei in München.
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