Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 9.1893-1894

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n Jahrgang. Heft 20,

15. Juli 1894.

tzerausgegetzen von Friedrich Pecht -r-—

^ erscheint in halbmonatlichen Heften von 2 Bogen reich illustrierten Textes und 4 Bilderbeilagen in Umschlag geheftet. Bezugspreis im
Buchhandel oder durch die Post (Reichspostverzeichnis Nr. 3750, bayer. Verzeichnis Nr. 438, k. u k. österr. Zeitungsliste Nr. 1447) 3 M. 60 Pf. für das Viertejjahr
_(6 Hefte); das einzelne Heft 75 Pf. _

Die AuMellung der Münchener Secession im Sommer 1894.

von Georg voß.

II.*)

c^lsn den wenigen Wochen, welche seit der Eröffnung der
^ zweiten Jahresausstellnng der Secession verstrichen
sind, hat das Komitee in den einzelnen Sälen des Ge-
bäudes der Prinzregentenstraße wacker weitergearbeitet.
Ein ganzer Saal ist neu zu der Ausstellung hinzu-
gekommen. Dadurch ist für manche nachträglich ein-
gelieferten Gemälde der notwendige Platz geschaffen. Viele
Bilder sind günstiger gehängt worden, und gerade in der
Ausstellung der Bilder, im rechten Licht und in der rechten
Umgebung, hat der Vorstand der Secession Mustergültiges
geleistet. Die bestgeleiteten Ausstellungen des Auslandes,
sowohl die beiden Pariser Salons als die Royal-Akademie
in London können sich daran ein Muster nehmen.

Schottland und England sind diesmal untcr den
Künstlerschnlen des Auslandes am besten vertreten. Die
Malerei der Engländer vertritt allerdings fast allein
Hubert Herkomer. Aber dieser ist wiederum mit einigen
ganz großen Hauptwerken erschienen. Wie im vergangenen
Jahre, so glänzt er auch diesesmal ganz besonders als
Meister des Gruppenporträts. Das große Gemälde, in
welchem Herkomer die zehn Direktoren der ^.sssts
KealUation Company um den Sitzungstisch gruppiert
dargestellt hat, ist ein Werk, welches sich neben den viel-
gefeierten Regentenstücken der alten Holländer wohl be-
haupten kann. Die Charakterschilderung in den Gesichts-
zügen der einzelnen Männer dringt nicht so tief in das
Wesen der Seele ein, wie dies in den Werken eines
Rembrandt oder Frans Hals der Fall ist. Aber die har-
monische Durchführung der schwierigen Aufgabe eines
solchen Gruppenporträts ist sehr beachtenswert. Wie viele
Rücksichten jeder Art hemmen bei einem solchen Werke die freie Schaffenskraft des Künstlers! Wie selten hat bei uns
in Deutschland ein Porträtmaler ersten Ranges eine solche Aufgabe übernommen! Das, was bei uns in Deutsch-
land von gefälligen Hofmalern, z. B. in Berlin, neuerdings auf diesem Gebiete geleistet wurde, ist so unkünstlerisch
ausgefallen, daß es mit den Gruppenbildern eines Herkomer überhaupt nicht verglichen werden kann. Ein Gemälde
von ungewöhnlichem Umfang ist ferner Herkomers Bild „Die Auswanderer". Der Maler hat die Unglücklichen

Maria. Von Eduard Beyrer jun.

*) I. siehe Heft 19.

Dir Kunst für Alle IX.

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