Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 9.1893-1894

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1 cm
facsimile
Sraubfleclle in Vsndcnmrrg§.

Von Or. A. Mietbe sNokbenow).

^)eim Arbeiten niit Hcmdcameras tritt
^ keine Erscheinung in so störendem Masse
hervor, wie das lästige Erscheinen der Staub-
flecke iNadelstichc aus den Negativen. Zu
dem, was wir bereits über diesen Gegen-
stand an dieser Stelle berichteten, mag noch
folgendes beigcfiigt werden. Hauptregel
bleibt ein sauberes Abstauben der Platten
vor dem Einlegen in den Rahmen re. sowie
Peinliches Reinigen des Camerainnern sowie
der Rahmen rc. vor jedem Gebrauch. Bei
allen Cameras mit Fallwechselmechanismus
schützt aber auch diese Sorgfalt nicht ge-
nügend. Es entstehen immer feine Helle
Pünktchen im Negativ. Die beste Methode,
um diesen Fehler unschädlich zu machen, ist
nun die folgende. Man bedient sich dreier
fcinspitziger Federn (Zeichenfedern)', die in
lange, leichte Halter befestigt sind. Diese
drei Federn werden mit drei Farblösungen
von verschiedener Konzentration benutzt.
Man löst 0,1 gr Erythrosin in 10 ccm
Wasser, nimmt davon ."> ccm als stärkste
Lösung, verdünnt vom Rest 3 ccm mit 3 ccm
Wasser und 2 ccm mit 4 ccm Wasser. So
erhält man 3 verschieden starke rote Lösungen.
Die Platte wird vor dem Ausflecken, stark
mit Alaun gegerbt und trocken auf dem
Rctouchierpult bearbeitet. Mit der konzen-
trierten Farblösung fleckt man mit Hilfe der
Feder vorsichtig Himmel und Lichter, mit
der zweiten, weniger konzentrierten dieMittcl-
tönc und Halbschatten, mit der dünnen Lösung
den Schatten aus. Die Arbeit geht sehr-
rasch und fällt sauber aus. Ganz feine
Löcher läßt man stehen, weil sic an der
Kopie nicht auffallen. MM!

Dpirlmannsau im Trrttnch-Tkml bri
Vberstdvrf «Iilgäus.

Aufnahme von Hugo Goß mann in Leipzig.

.Magncfiumlichr auf dcr Krise-

von Or A. Mietbe fNathenorv).

)1Tan kommt leicht in die Verlegenheit,

» auf der Reise bei Aufnahme vonJnnen-
räuiucn, Höhlen rc. das Magnesiumlicht sehr
zu entbehren. Um nicht schwertransportable
Bliplampen mitzunehmen, bedient man sich !
entweder des überall käuflichen Magnesium-
bandes, welches man in der Hand anbrennen j
kann, oder besser ist in allen Fällen, wo i
keine lange Exposition gegeben werden darf, ^
des Magnesinmblitzpulver. Um dasselbe je- !

! doch nicht fertig gemischt, also höchst feuer-
gefährlich, mitführen zu müssen, mischt man
^ dasselbe erst am Lrt des Gebrauchs in
folgender Weise. In zwei Flaschen mit
Paraffinierten Korken führt inan getrennt
das reine Magnesinmpulver und ganz sein
gepulvertes und chemisch reines, daher nicht
zusammenklumpendes chlor-saures Kali mit.
Ausserdem hält man eine Pappschachtel
Pillenschachtel) in Bereitschaft. In diese
schüttet man von beiden Ingredienzien etwa
gleiche Teile je nach Bedürfnis ! gr'- und
schließt sie darauf. Durch kräftiges Schütteln
werden die Bestandteile innig gemischt, das
Blitzpulver auf ein Blech geschüttet und
mittelst einer an einer: Stock gebundenen
brennenden Lunte (Zigarre in Brand ge-
setzt. Das Blitzpnlvcr kann etwas seitwärts
hinter dcr Camera oder auch direkt auf
dieser auf passender Unterlage entzündet
werden.

Zcormalln.

Von vr. A. Mietbe (Rathenow).

ine neue Substanz für die Härtung von
allen Gelatineplatten, Gclatinepapiercu
re. wird von der Chemischen Fabrik auf
Aktien E. Schering) in Berlin in den Handel
gebracht. Der Körper wirkt dem Alaun
ähnlich, doch mit ganz ungleich größerer
Intensität. Gelatine wird schon in einer-
dünneren Lösung in wenigen Minuten auf
das energischte gegerbt. Legt man eine
gewässerte Bromsilberplatte in die 1"/„ige
Lösung des Formalins, so ist nach etwa 2
Minuten die Gelatine so unlöslich geworden,
daß die Platte selbst in kochendem Wasser
nicht abschwimmt und die Schicht daher bei
künstlicher Wärme in wenigen Minuten
getrocknet werden kann. Tie neue Substanz
wird daher auf Reisen besonders gute
Dienste thun. (Msm >

Liuk.rcher Bildfindcr.

Von vr. A. Mietbe (Rathenow).

euu man aus einiger Entfernung auf
eine stark gekrümmte Konkavlinse
sieht, so erblickt man in ihr ein verkleinertes
aufrechtes Bild der Außenwelt. Eine solche!
Linse ist am besten folgendermaßen beschaffen,
um einen außerordentlich guten Bildsinder
(Sucher) abzugeben: Man wählt eine Linse
von etwa 5,0—55 mm Durchmesser, bikon-
kav, mit drei Zoll Focus etwa Schulze
L Bartels, Rathenow) und bringt dieselbe
so auf der Camera an, daß das Bild auf
der Mattscheibe im Wiukeldurchmesser dem
in der Linse gesehenen etwa entspricht. Die
Linse wird dann mit einem rechteckigen Aus-
schnitt aus schwarzer Pappe bedeckt, welcher
die Bildränder nach allen Richtungen genau
dem Bilde ans der Mattscheide entsprechend
abgrenzt. Solche Sucher sind weit besser ^
als die gewöhnlich an Handcameras ange-
brachten Sucher mit Konvexlinse, Spiegel
und Mattscheibe. lW2«> i

Platinton auf Lcllotdinpaptcr.

Von vr. A. Mietbe (Rathenow).

-)1Tan kopiert sehr tief, bis das Bild stark
1 t bronziert ist. Hierauf tont man im
folgenden Tonfixierbad:

Miihlr in Sxrplak (Ungarn).

Lös. I. Wasser >/, Liter,

Fixiernatron 125 gr,

Rhodanammon 15 xr,

Essigsanres Blei 5 gc,

Löst II. Chlorgold 0,5 gr,

Wasser 75 ccm.

Vor dem Gebrauch werden beide Lösungen
filtriert und Lösung II in Lösung I ge-
gossen. Wenn die Bilder hierin tiefblau ge-
tont sind, kommen sie nach kurzem Wässern
in ein altes, schon gefärbtes Fixierbad (altes
Negativfixierbad ist hierzu sehr gut!) bis sie
rein schwarze Töne angenommen haben.
Schließlich werden sic eine halbe Stunde
in einer dreiprozentigen Boraxlösung ge-
badet und gewässert. 'M8I

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vcdaklioiisttllltz 2s. Aumi — Lusgabk 8. Scprrmbcr 18S1.

Inhalt des vierundzwünzigken dettes:
Teil: Gustav Diercks. Mariano Fortunn. —
I)r. AdoIpb Kobut. Die Memoiren eines drei-
nndochtzigjährigen Bildbauers. — Personal- und
Ateliernachrichtenrc.tc. DerÄmalenr-^botograpb:
vr. A. Miethc. Staubflecke in Handcameras. —
Derselbe. Magnesiumlicht aus dcr Reise. —
Derselbe. Formalin. — Derselbe. Ein-
facher Bildsinder. - Derselbe. Platinton auf
Celloidinpapier. Mikderbeikagen: Mariano
Fortuny. Modellwahl. — Franz Simm.
Interessante Aussicht. — Th. E. Go Ich. Der
Zauberer. — Paul Flicke l. Waldteich.

verantwortlicher Redakteur: Fritz Schwärtz. — Druck der Bruckmann'schen Luchdruckerei in München.
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