Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 9.1893-1894

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0.5
1 cm
facsimile
Stzrwß yandcanirra „Lrlixse" für
Bildformar 9:12.

/tTine nette kleine Camera, welcher wir auch
^ nebenstehende Malterhornlandschaft ver-
danken, eine vorzügliche Gebirgsaufnahme,
welche in ihrer Staffage wohl manchem
Beschauer dieser Blätter auch intimeres In-
teresse entlocken dürfte.

Die „Eclipse" ist äußerst leicht und solid
gebaut, das Gewicht ohne Kasetten beträgt
425 Gramm, die Dimensionen im zusammen-
gelegten Zustande sind x 12,5:15,5:3,0
ein,' also Taschenformat. — Die Manipu-
lationen sind sehr einfach, zwei Seitenteile,
welche zusammengeklappt über das Objektiv-
brett zu liegen kommen, dienen letzterem im
aufgeklappten Zustande als Stützen. Das
Objektivbrett selbst erscheint mittelst Leder-
balg mit dem Rückteile der Camera ver-
bunden. Die Auszugslänge ist eine kon-
stante und involviert diese bekanntlich, daß
die lichtempfindliche Schichte im Bi ennpunkte
des Objektives zu liegen kommt.

Dieser Bedingung genügt Shew durch
Anwendung eines tadellosen Instrumentes
von geringer Brennweite, derart, daß be-
reits 3 Meter Entfernung für ein scharfes
Bild mit größter Blende ausreichen, kleinere
Blenden anzuwenden wäre wohl nur bei
Zeitaufnahmen ratsam.

Für letztere wird ein Stativ notwendig
oder auch nicht, da sich bei dem geringen
Gewichte des Apparates ein Ersatz bald
improvisieren läßt; so verwendete der Ver-
anstalter des Matterhornbildchens seinen
Eispickel als Stativ, zur Befestigung diente
eine Schraubenklemme. Die Momentauf-
nahme besorgt ein primitiver Spiralfeder-
verschluß, der einfach nnd zuverlässig funk-
tionieit, vermittelst einer kleinen Spann-
Vorrichtung kann seine Schnelligkeit auch
gesteigert werden. — Der Apparat besitzt
die normale Vifferscheibc der Balgapparate,
für Momentaufnahmen jedoch wird das
Bild mit einem kleinen Sucher anvisiert,
auch dieser wird für das sehr geübte Auge
durcki zielsicheres Abschüßen entbehrlich.

An Stelle der Mattscheibe kommen
Doppelkasetten, wer mag, kann auch Wechiel
oder Rollkasttten anwenden. — Beizufügen
wäre noch, daß wir die Kenntnis dieses nicht
mehr neuen Apparates Herrn O. Wern-
hard in München verdanken. Der Preis
ist kein hoher im Hinblicke auf den Umstand,
daß das Arbeiten mit dieser Camera Freude
bereitet, und das ist das höchste Lob für
einen Amateurapparat. Ick. I.. dl.

Plalinkornpspirc.

von Dr. A. Mi et he (Ratbenow).

7>er Platindruck galt bisher mit Recht als
^ der schönste aller Copierverfahren. Leider
war seine Ausübung eine äußerst schwierige.
Das käufliche Platinpapier mußte mit pein-
licher Sorgfalt vor Feuchtigkeit geschützt
werden, sonst kopierte es flau, kontrastlos
und schleierig. Überhaupt stellte dieses
Papier außerordentlich hohe Anforderungen
an die Oualiät der Negative. Nur sehr
dctailrciche, dabei kräftige und klare Platten
gaben befriedigende Resultate und über

1 diese verfügt der Amateur nur in seltenen
> Fällen.

Seit einiger Zeit habe ich Versuche mit
einem neuen Platinpapier gemacht, welches
vermutlich das beliebteste Papier werden'
wird, weil es seltene Vorzüge, größte Tiefe,
feine Details, Haltbarkeit, glänzende Weiße,
und künstlerische Wirkung mit äußerster Ein-
fachheit in der Behandlung verbindet. Dieses
sogenannte Platinkvrnpapier* ist sowohl
hinsichtlich der Präparation wie der Unter-
lage ganz eigenartig. Als Unterlage dient
ein steifes, fein netziörmig gekörntes Karton-
! Papier, das Sckmuffelensche „Ppramidenkorn- '
Papier". Diesem Papier verdanken die
Bilder ihre sammetartige Tiefe der Schatten, i
Denn ebenso wie Sammet bedeutend dunkler
wirkt als schwarzer glatter Stoff, so wirken
auf diesem Papier, dessen Fläche aus feinen
regelmäßig angeordneten, spitzen Pyramiden
besteht, die Tiefen äußerst brillant. Die
^ Körnung ist je nach der Größe und dem
! Charakter der Originale in drei Abstufungen !
, zu wählen. Das gröbste Korn eignet sich !
nur für große Sachen(18 x 24 und darüber).!
Das Papier ist in verschlossenen Couverts, :
^ sowie in geöffneten unter Pressung zwischen
Büchern lange unverändert Haltbär.

Vor drm Wakkerhorn.

von k'. 8.

Die Behandlung ist je nach dem
Charakter der Negative verschieden. Bei
dünnen, wenig gedeckten und konirastlosen
Negativen verführt man folgendermaßen:
Das Kopierpapier wird mit der gelben
Schichtseite auf ein Holzbrettchen gelegt und
aus der Papierseite schnell mit einem feuchten
Schwamm gleichmäßig überfahren. Wasser
darf nicht aus die Schichtseite kommen und
das Verfahren dient nur dazu, dem Papier
etwas Feuchtigkeit mitzuteilen. Jetzt kopiert
man am liebsten bei gutem Licht wie ge-
wöhnlich; man sieht das Bild schwarz aus
gelbem Grunde kommen und hat den
Moment abzupassen, wenn das Bild eben
die richtige Stärke hat. Es geht bei
der späteren Behandlung nicht zurück Das
Kopieren dauert ca. 20—25 Minuten in
der Sonne. Man kann das Bild in diesem
Zustande tagelang aufbcwahren, bis man
einen genügenden Vorrat hat. Die Fertig-
! stellung ist nun höchst einfach. Man bringt

* Fabrikant: vr. Hesekiel, Berlin , Lands-
. bergerstraße.

die Bilder in Wasser, swelches etwas rohe
Salzsäure enthält (1:70 etwa), beläßt sic
einige Minuten darin, erneuert das Wasser
mehreremal und wäscht schließlich etwa).eine
Viertelstunde aus. Die Bilder sind somit
fertig-

Hat man normale, resp. harte Nega-
tive zu kopieren, so verfährt man anders:
das Papier muß jetzt vollkommen trocken
sein; man legt es daher in die Ofenröhren
oder trocknet..'cs über einer Lampe; das
gleiche geschieht mit der Kopiereinlage. Das
Kopieren geht jetzt viel schneller (5—8 Mi-
nuten), doch wird das Bild nicht schwarz,
sondern erscheint dunkelgelb auf Hellem
Grunde; wenn alle Details schwach sichtbar
sind, hört man mit Kopieren auf und ent-
wickelt die Bilder, welche sich in diesem Zu-
stand tagelang Hallen, einfach dadurch, daß
man sie in heißem Wasscrdampf hält. Die
Bilder erscheinen sehr schnell und werden
wie vorher in salzsaurem Wasser fixiert.
Nimmt man an Stelle des Wasserdampfes
Dampf von kochendem Essig, so fällt der
sonst rein schwarze Ton etwas ins Bräun-
liche.

Ehe man die richtige Übung im trockenen
Kopieren hat, wird es häufig Vorkommen,
daß die Bilder beim Dämpfen sich als nicht
genügend kopiert zeigen Man bringt sie
dann nicht in das angesäuerte Wasser,
sondern entwickelt sie mit Eisenoxodat
fertig. Der beste^bis jetzt gefundene Ent-
wickler setzt sich so zusammen:

Lösung von oxalsauremKak(1:3) 50 ccm

„ „ Eisenvitriol (1:3) 7 ccm

„ „ Bromkali (1:10)20 Tropfen.

Die Lösungen werden in der angegebenen
Reihensolge gemischt und sind auch vereinigt
einige Tage haltbar. Man wendet möglichst
wenig Entwickler für jedes Bild an (für
13 X 18 ca. 35 ccm). Das Bild entwickelt
sich schnell fertig und kommt dann direkt
ins Säurebad.

Die Platinbilder werden besonders
wirkungsvoll, wenn sie mit einem weißen
Rande kopiert werden, diesen kann man
durch Abdecken der vier Ränder des Negatives
gewinnen; sie gleichen vollkommen Helio-
gravüren, besonders wenn man sie mit
vertiefter Pressung (Kupferdruckpressung) ver-
sieht. Dies geschieht, indem man das Bild
mit einem passenden kleineren Karton zu-
sammen durch eine Kaltsatiniermaschine zieht.
In Ermangelung derselben kann man die
Tiefpressung auch mit einem Hammer be-
werkstelligen. PK22)

»eliccklümslöstcitz 0 Zci». I8S1. — z„,»de 20. Zn». I8S1.

Inhalt des neunten Leftes: aert: Karl

Wo ermann. Raphaels Sixtinische Madonna.
(Schlup.) PaulSchnltze-Raumburg. Karls-
ruher Kunstleben. — Tie Elite-Ausstellung der Ber-
liner Akademie. -Personal- u.Ateliernachrichten. —
Die Lunll im Lause. Friedrich Fischbach. Tic
Muster der weiblichen Handarbeiten (II). Bücher
schau. Der Lmatcur-lltliolograpb: n. I.. dl.
ShewS Handcamera „sclipse" sür Bildformat
9:12. — vr. A. Mietüc. Platinlornpapier.
Ailderöeilagen: E. v. Blaas. Belli siori. — G.
Schönleber. Abend (Dorf in Holland). —
E. Raupp. Morgen am See. — I. I. Aranda.
Süßigkeiten.

Verantwortlicher Redakteur: Fritz Schwartz. — Druck der Bruckmann'schen Buchdruckerei in München.
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