Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 9.1893-1894

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HU Rudolf Geißlers Bildercyklus: „von dem Fischer und syner Fru".— Distichen, von Arthur Fitger.

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III. IV.

Das Wirchrn „Von drin Fischrr und synrr Fru". von Rud. Geißler.

Hütte, vor dem Häuschen, von ihrer Dienerschaft umgeben
in der Vorhalle eines prunkvollen Schlosses, als eine
die Huldigung der fernsten Völkerschaften entgegennehmende
Kaiserin auf dem Throne, als den durch die Kirche von
St. Peter getragenen Papst und schließlich wieder als
armselige Fischerin vor Augen führen. Und wie auf den
mittelalterlichen Bildern Szenen des alten und neuen
Testamentes in typologische Beziehung gesetzt sind, so
sind auch hier die Darstellungen des Sündenfalls und
der Vertreibung aus dem Paradiese dem Ganzen geschickt
eingewoben. Schön und ansprechend wie die Komposition
der einzelnen Szenen und deren Anordnung auf den
Blättern ist auch die frische und heitere Farbengebung,
in der Natur- und Märchentöne trefflich zusammenklingen.
Vorzüglich ist der Wechsel der Meeresstimmung zum
Ausdruck gebracht. Märchen und Märchenbilder sind
immer willkommen, und Muther hat recht, wenn er in
seinem unvergleichlich schönen Werke über die Malerei

unserer Zeit bemerkt: „Je farblos grauer die Gegenwart,
desto lockender umgaukelt die märchenhafte Pracht ver-
gangener Schönheitswelten. Gerade die Banalität des
Alltagslebens macht mehr als jemals empfänglich für
den zarten Reiz alter Mythen und wir lassen ihn zu-
gleich kindlicher und feinfühliger als jede frühere Zeit
auf uns wirken, weil wir sie mit neuem durch die Sehn-
sucht geschärften Auge betrachten." ?. I. R..

Distichen.

von Arthur Litger.

>RU! non e Lbristiano; non ereil' situ Zanta dlo-donna!«

Sagte der prügelnde Anecht, als ich sein Grauchen beklagt.

Gib der lvelt, was jeder versteht, so heißt's: „ein Gemein-
platz!"

Gib ihr was Neues, so schreit jeder: „der Mensch ist
verrückt!"
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