Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 9.1893-1894

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Von Vr. Rolling. — Personal- und Ateliernachrichten.

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mangelhafte Produktion der Berliner Kunst geklagt wird.
Denn trotz der Tausende von Bildern, die im Jahre
gemalt werden, ist die hiesige Kunst unproduktiv. Sie
führt nicht an, sondern, wenn sie nicht vorzieht, beim
Überkommenen träge zu verharren, eignet sie sich höchstens
spät an, was anders wo erprobt ist. Die diesjährige
Ausstellung zeugt mehr wie alle vorangegangenen für
unsern bedenklichen Mangel an losspringender Leiden-
schaft und an frischer Kraft.

— München. Professor Heinrich Zügel hat einen
Ruf an die Karlsruher Akademie an Stelle H. Baischs erhalten
und wird demselben zum 15. Oktober d. I. Folge leisten. lss63>
Berlin. Bon der Akademie. Der Präsident der
Akademie Professor Carl Becker, ist vom Gesamtsenate für
das akademische Geschäftsjahr vom 1. Oktober 1894 bis dahin
1895 einstimmig wiedergewählt worden. Als sein Vertreter in
den Präsidalgeschäften der Akademie wird, wie in den Vorjahren,
Professor Or. M. Blnmner, Vorsitzender der Musik-Abteilungen
der Akademie, fungieren. Professor Carl Becker, dessen Er-
krankung wir jüngst meldeten, ist bereits wieder soweit hergestellt,
daß er nicht nur seinem künstlerischen Berufe nachgehen, sondern
auch seinen Amtsgeschäften wieder vorstehen kann. — Die aka-
demische Hochschule für die bildenden Künste erlitt durch das am
4. Juni er. erfolgte Hinscheiden des Direktorial-Assistenten Pro-
fessors E. Teschendorfs einen schweren Verlust. — Als Nach-
folger für den jüngst verstorbenen Geschichts- und Genremaler
Ludwig Bokelmann ist der bestens bekannte Kleinmaler Carl
Seiler ans München berufen worden; mit der Leitung des
neu eingerichteten Ateliers für Marinemalerei ist der Maler
Carl Sal tzmann-Berlin betraut worden. Dieser wird in-
dessen den Unterricht erst mit Beginn des Wintersemesters auf-
nehmen, da er zunächst den Kaiser auf dessen Nordlandreise be-
gleiten wird. lWSil

— Stuttgart. Professor Robert Hang ist in das
Professoren-Kollegium der hiesigen k. Kunstschule berufen worden.
Der durch den Rücktritt von Schraudolphs erledigte Direktor-
posten am genannten Institut soll nicht wieder dauernd besetzt
werden, sondern es soll der Direktor abwechselnd für jedes
Studienjahr ans dem Professoren-Kollegium gewählt werden. Bis
auf weiteres hat Professor von Donndorf, als der älteste
Hauptlehrer der Anstalt, das Direktorat übernommen. lWSis
— München. Dem Landschaftsmaler Karl Rettich
ist vom Großherzog von Mecklenburg der Professortitel verliehen
worden. Pb83s

— Berlin. Die „Affaire Toberentz" dürfte nun
endgültig beigelegt sein durch einen Vergleich, der in dem Privat-
beleidigungsprozeß Hundrieser-Toberentz von beiden Parteien ein-
gangen ist. WS2I

tr. Düsseldorf. Professor Fritz Röber hat ein großes
Bild vollendet, welches den letzten Staatsrat des großen Kur-
fürsten darstellt. Es ist der bedeutungsvolle geschichtliche Moment,
wie der große Kurfürst, der seinen Tod heranuahen fühlt, eiligst
den geheimen Rat zu einer letzten StaatSrats-Sitzung zusammen-
berufen läßt, der er beiwohnen will, und in dessen Gegenwart er
seinem Sohn und Nachfolger, dem Kurprinzen, nachmaligen König
Friedrich I. von Preußen seine Ermahnungen und Ratschläge als
Vater und als Fürst geben will. Der Moment, wie der sterbende
große Kurfürst den neben ihm knieenden Sohne mit seinem Segen
zugleich gewissermaßen sein politisches Testament mitteilt, ist sehr
ausdrucksvoll und mit edler Enrpfindung dargestellt. Mit großer
geschichtlicher Treue sind die Figuren des Kurfürsten und seines
Sohnes wie diejenigen des Staatsrates, der Minister und Generäle,
sowie die beiden jungen Söhne des Kurfürsten aus seiner zweiten
Ehe, welche schmerzerfüllt dem ergreifenden Akte beiwohnen, wieder-
gegeben. Die malerische Behandlung ist dem geschichtlichen
Gegenstand entsprechend gediegen und vornehm. lMsoj

— Düsseldorf. Ter bekannte Landschafter Gilbert
v. Canal wird zum Oktober d. I. seinen Wohnsitz nach München
verlegen. lWssj

k. Eisenach. Vor kurzem ist das Modell der hier zu er-
richtenden Lutherstatue von Professor Donndorf, der auch der
Schöpfer des hiesigen Seb. Bach-Denkmales ist, au die Bierlingsche
Kunstwerkstätte in Dresden zum Gusse abgegeben. Der Reformator
ist im langen Kirchenrocke dargestellt: die Bibel an die Brust
drückend, schaut er begeistert nach oben, im Kopfe kommen weniger
die bekannten individuellen Züge zur Geltung als die Charakte-
ristik des überzeugten Glaubensstreiters. Die feierliche Enthüllung
ist für den 31. Oktober vom Komitee in Aussicht genommen und
als Standort der Kärlsplatz bestimmt, wo das schöne Monument
den fremden Besuchern gleich bei ihrem Eintritte in die Stadt
gegenüber steht. lssi?!

O. Berlin. Die Wettbewerbe um die großen Rom-
preise bilden, insbesondere in Paris, bedeutungsvolle Ereignisse,
bencn vornehmlich die Konkurrenten mit begreiflicher Spannung
entgegenschen, da sie ihre besten Arbeiten zur Konkurrenz einzu-
senden pflegen. Wie ganz anders in Berlin. Trotz der hier
geltenden, für die Bewerber äußerst günstigen Bedingungen ist
bie Beteiligung der Künstlerschaft an den von der Akademie
ausgeschriebenen Rompreisen in der Regel eine geringe. Im
Vorjahre konkurrierten nur ein Maler und sechs Bildhauer, die
sämtlich ihre Studien in Berlin gemacht hatten. In diesem
Jahre bewarben sich sieben Bildhauer und sieben Architekten.
Auf den Gebieten der Baukunst und der Bildhauerei ist zwar
stets eine regere Beteiligung zu konstatieren gewesen, als auf
dem der Malerei; immerhin ist sie aber fast nur eine lokale ge-
blieben. Hierin hat auch die Erleichterung der Bewerbungs-
bedingungen eine Änderung bis jetzt nicht herbeizuführen ver-
mocht. Die in diesem Jahre für den großen Staatspreis ein-
gegangenen Konkurrenzarbeiten wurden im Landesausstellungspark
öffentlich ausgestellt, in Verbindung mit den Arbeiten, welche zu
den Wettbewerben um weitere Stipendien der Akademie einge-
gangen sind. Man muß gestehen, daß die Arbeiten der dies-
jährigen Bewerber beachtenswerte sind, und ein erfreuliches
Können ihrer Schöpfer bekunden. — Auf dem Gebiete der Archi-
tektur verliehen die Preisrichter, die aus Mitgliedern des aka-
demischen Senates und der Genossenschaft der ordentlichen Mit-
glieder sich zusam-
mensetzen, für seine
hervorragenden
Arbeiten den Preis
dem Architekten,

Regierungsbau-
meister Ludw. Ed.

Karl Moritz aus
Berlin, und spra-
chen gleichzeitig,
wohl in Ermange-
lung weiterer
Preise, zweien Mit-
bewerbern, den Re-
gierungsbau-
meistern Wilhelm
Boethke aus
Könitz, z. Zeit bei
dem Reichsgerichts-
bau in Leipzig
thätig, und Bern-
hardHertel aus
Kevelaer „Ehren-
volle Erwähnun-
gen" zu. Der als
Sieger hervorge-
gangene Architekt
Moritz ist am
27. April 1863 zu
Berlin geboren und
hat seine Studien
auf der hiesigen
Technischen Hoch-
schule gemacht, war
sodann bei der
Firma Ende L
Böckmann längere
Zeit thätig und ist
gegenwärtig selb-

hierstlbst. —^Bon Ein Lngrl. von Fernand Rhnopff.

i'ipsipn Nilii- Intern. Kunstausst. 1894 des Vereins bild. Künstler
ven Iieoen -VU0- (Secession) zu München.
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