Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 9.1893-1894

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Skizze von L. Daelen.

New vorker Annstbericht. von P. kjann.

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verstehen kann oder will, über dessen nutzloses Hinsimpeln
wird, wenn nicht schon die Gegenwart, so doch die nächste
Zukunft achtlos zur Tagesordnung übergehen. Solcher un-
klaren Geister giebt es leider mehr wie genug und bei der
vollständigen Unklarheit der Urteils- und gedankenlosen
Menge wissen die lautesten Schreier unter ihnen die ärgste
Begriffsverwirrung anzurichten. Allerdings kann ihr Eklat
immer nur von ephemerer Bedeutung sein; der endliche Sieg
bleibt allemal der klaren verständnisinnigen Offenbarung
des ungeachtet aller Hemmnisse fortschreitenden Zeitgeistes.

Schon auf manch einen Triumph in dieser Richtung
darf der „Malkasten" mit Geuugthuung zurückblicken.
Je schärfer die Gegensätze auf einander gestoßen sind,

Mcw Aorker krunstberichl.

von p. Dann.

ie schlechten Zeiten veranlaßten unsere Akademiker
zu einer sehr vernünftigen Neuerung. Wie in der
ganzen Welt, so greift auch in New Jork das große
Publikum nie so willig in die Tasche wie vor Weih-
nachten und Neujahr. Der Gebrauch der Akademie,
ihre Herbstausstellungen erst am Weihnachtstage zu er-
öffnen, entzog ihr so ziemlich jeden Anteil an dem all-
jährlichen goldenen Regen. Heuer, beeinflußt durch die

Aus dem Karikaturrnalbum des „Malkasten" zu Düsseldorf. (Ll. B.)

um so energischer ist auch die Klärung der Konflikte
herbeigeführt und schließlich ein harmonisches Zu-
sammengehen erzielt worden. Deshalb sind die manch-
mal so trüb gefärbten Urteile, als momentaner Ver-
stimmung entsprungen, nicht so ernst zu nehmen. Mag
es auch hin und wieder den Anschein gewinnen, als
hätte der alte Griesgram dauernd das Terrain in Be-
sitz genommen, dann zeigt es sich auf einmal wieder,
daß dem Humor, der sprudelnden Lebenslust doch die
unumschränkte Herrschaft verblieben ist. Wie es seit dem
Bestehen des „Malkastens" gehalten wurde, so auch noch
heute; nach heftigen Redetournieren, die zuweilen einen
gewaltig kriegerischen Charakter tragen, folgen Feste, wie
sie so ungezwungen heiter sicher nur die schaffensfrohe
Eintracht zu veranstalten im stände ist. So möge
denn auch in Zukunft der gastliche Verein, seinen Tra-
ditionen getreu, eine auserwählte Stätte heiterer Gesellig-
keit bleiben!

überaus trübselige Lage unseres Kunstmarktes, entschloß
man sich, die Ausstellung in der ersten Dezemberwoche
dem Publikum zugänglich zu machen.

Daß übrigens die Kauflustigen durch die ausgestellten
Bilder besonderer Verlockung ausgesetzt werden, kann
auch der wohlwollendste Beurteiler nicht behaupten.
Wenn sie auch nicht gerade unter das Mittelmaß
sinken, so erheben sich doch nur wenige über dasselbe.
Das Beste sind wie gewöhnlich Landschaften und See-
stücke. Eines der letztem, ein Strandbild „Sagaponack
Sand" von Nicoll, eine große kahle Düne, gegen
welche die Brandung schlägt, erhebt sich durch große
Auffassung und gediegen-natürliche Ausführung zu einem
Kunstwerk, eine Landschaft von Walter Palmerweist
feinbehandelte Beleuchtungseffekte auf, welche die Sonne
auf einem schneebedeckten, mit kahlen Bäumen bewachsenen
Hügel hervorruft, ein Mondaufgang von De Haas ist
voll Stimmung und intimem Reiz.
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