Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 9.1893-1894

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Die moderne Kunst Spaniens.

Aphorismen, von A. Fitger. — Frankfurter Brief. Von k>. Becker.

Wnllrr mit ihren Kleinen, von Iimenez y Fernandez.

Ausstellung von 1871. „Die Vorstellung Don Juans
de Austria bei Karl V. im Kloster San Duste", „Der
Einzug Amadeos in Madrid" und andere Historien-
bilder zeichneten sich durch geschickte Komposition aus.
Angeregt durch das Vorgehen Fortunys wandte er sich
in den letzten Jahren vor seinem 1873 erfolgten Tode
auch mit Vorliebe den malerischen Vorwürfen des orien-
talischen Lebens zu, wofür er die Studien in Anda-
lusien machte.

Zu ungleich bedeutenderen Erfolgen als Rosales
erhob sich jedoch der 1838 in Rens geborene Mariano
Fortuny und sein künstlerisches Wirken sollte gestalten-
den Einfluß auf die jüngste Künstlergeneralion aus-
üben. Wir kommen auf ihn noch in einem eigenen
Artikel ausführlich zurück.

(Ein Schlußartikel im nächsten Hefte)

A H b 0 r i 3111 e ls.

von A. Fitger.

Ratlos strebt der verstand, die Schönheit kritisch zu fassen;
Doch der begeisterte Sinn fraget nicht viel und genießt.

Irre dich hundertmal; doch einmal triff nur das Rechte,

Und die Leute sofort geben dir willig Kredit.

Triff nur immer das Rechte, doch irrst du ein einzigesmal dich,
Dann um deinen Kredit ist es für immer gescheh'n.

frankfurter Drief.

von Keinricb Becker.

er Gemälde-Saal des Herrn Andreas ist in
gegenwärtiger Zeit fast täglich der Sammelpunkt
für die vornehme Welt, die Kunstkenner und Freunde der
Kunst. Denn Herr Andreas versteht es, durch eine sorgsame
Auswahl von neuen und interessanten Werken, sowie durch
persönliche Aufmerksamkeit und Liebenswürdigkeit die aus-
stellenden Künstler, wie die kunstfreundlichen Gäste heran
zu ziehen. In den letzten Tagen brachte er größere
Sammlungen von Frankfurter und anderen hervorragenden
Künstlern, sowie auch einzelne Gemälde von vorzüglichen
Meistern, die großes Interesse erweckten.

Von Frankfurter Künstlern war eine Sammlung von
Rudolf Gudden (dem Sohn des berühmten Münchener
Arztes) ausgestellt. Es waren meist kleinere Genre-
Bilder, die der Künstler in Holland aufnahm. Unter
diesen ein „Uloobjemalcer" („Pflockschnitzer") in seiner
Werkstatt, „Mädchen in der Küche", „Feierabend" u. a.
Szenen aus dem holländischen Volksleben. Der Künstler
hat sich die Niederländer Meister zum Vorbild genommen,
die weniger bedeutende Vorwürfe sich wählten, diese aber
in einer charakteristischen Weise ausführten. So hat auch
Gudden diese kleinen Szenen durch eine effektvolle Färbung
und Beleuchtung, bei der man Rembrandt-Studien erkennen
kann, auszuzeichnen gesucht. Hier in Frankfurt, wo man
seit einigen Jahren für altdeutsche Trinkstuben und alt-

deutsche Bürgerhäuser eine Passion gefaßt, gewinnen diese
Bilder viele Liebhaber.

In ausgedehnterem Maße hat Anton Burger, ein
geborner Frankfurter, diese altdeutsche Liebhaberei genährt.
Er hat sozusagen die Reste von dem verwitternden, zer-
bröckelnden alten Frankfurt vor ihrem Niedergang noch-
mals zusammengepackt und in einer Reihe von Bildern
gefestet. Die alte „Judengasse", die heute nicht einmal
im Namen mehr existiert, die „Marktstraße", die „Bender-
gasse", die „Metzger-Schirnen", den „Tuchgaden" und
vieles andere, Bauwerke, welche die Frankfurter Hand-
werker auf den Trümmern der königlichen Sala errichteten,
hat Burger in charakteristischen Bildern konterfeit und
damit dem Altertumsforscher ein Abbild von den Straßen
und Häusern gegeben, die wie Ameisennester in Simsons
Löwen eingebaut waren.

Burger hat außerdem die Landschaft um Frankfurt,
die Wetterau, den Taunus, in einer Reihe von Bildern
dargestellt. Er wohnt seit mehr als zwanzig Jahren zu
Cronberg, auf einem Vorsprunge des „Altkönig". Von
dort aus hat er seinen Stammsitz, wie eine Anzahl von
anderen merkwürdigen Orten in verschiedener sommer-
und winterlicher Tracht ausgenommen. Dabei hat er die
Bauern, Förster und Jäger bei ihrem Gewerbe, wie bei
ihren Festen und Gelagen gezeichnet. Tie Färbung von
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