Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 9.1893-1894

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Personal- und Ateliernachrichten. — Ausstellungen und Sammlungen.

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-E Berlin. Professor Friedrich Geselschap, der
nahezu zwei Jahre an den Folgen einer anfänglich unerheblichen
Besetzung seines rechten Beines krankte und in der Zwischenzeit
wiederholt in der Professor Bergmannschen Klinik sich operativen
Einwirkungen in sein Bein unterziehen mußte, hat sich längst
wieder mit freudiger Hingebung der Ausübung der Kunst ganz
überlassen können. Auch während seiner Krankheit ist er ihr nicht
untreu gewesen. Tie gelegentlich der ersten Mitgliederansstellung
der Akademie der Künste weiter bekannt gewordenen ersten Ent-
würfe zur Ausschmückung einer großen Basilika, die Entwürfe zu
den großen Mosaikbildern der Gnadenkirche in Berlin, die ferneren
Entwürfe zur Ausmalung der von König Friedrich Wilhelm IV.
gestifteten, 1845 bis 1848 von Persius und Stiller in Nach-
bildung der L>. Elemente in Rom erbauten Friedenskirche in
Potsdam, sowie verschiedene zahlreiche Kunstwerke kleineren Ilm-
fangs, wie die Adresse des Gewandhauses in Leipzig für Anton
Rubinstein, geben Zeugnis von der nie rastenden Schaffens-
freudigkeit des Meisters. Am 5. Mai 1835 zu Wesel geboren,
vollendet der Künstler im nächsten Jahre erst sein 60. Lebensjahr,
sodaß zu hoffen ist, daß noch manches Kunstwerk seiner Hand
entstehen wird. Jetzt ist ihm die Ausschmückung der genannten
Friedenskirche nach Maßgabe seiner Entwürfe definitiv übertragen
worden, eine ebenso bedeutende Arbeit wie die Dekoration der
Herrscherhalle des Zeughauses und vortrefflich geeignet, dem
schonen Bauwerke und den in demselben befindlichen Kunstwerken
die künstlerische Vollendung zu geben. lsWil

tk. Rom. Der Historienmaler Klein-Chevalier, der
sich seit anderthalb Jahren hier aufhielt, hat die ewige Stadt
definitiv verlassen, um in Düsseldorf die ihm im Verein mit
Professor Albert Baur und Fritz Neu Haus übertragene
Ausschmückung des dortigen Rathauses zu beginnen. Über das
gegenwärtig in Berlin ausgestellte treffliche Gemälde desselben
Künstlers, „Agrippina", haben wir bereits früher in diesem Blatte
berichtet. lM27j

XV. o. Berlin. Die hiesigen Landschaftsmaler Ernst
Koerner und Paul Flicket, sowie der Gcschichts- und Genre-
maler Karl Breitbach haben von dem Kultusminister den
Titel „Professor" erhalten. lWWl

— Nürnberg. Als Nachfolger Essenweins ist der Privat-
dozent an der Münchener Universität vr. von Bezold zum
ersten Direktor des Germanischen Museums erwählt worden, l^iss
5^ Berlin. Die Kunstwelt Berlins erleidet mit Ausgang
des Sommers einen außerordentlichen Verlust. Der Geheime
Baurat Paul Wallot, der geniale Erbauer des Reichstags-
aebäudes, wird dem an ihn ergangenen ehrenvollen Rufe, die
Nachfolge des Baurats Professors Lipsius als Professor der
Baukunde an der Kunstakademie in Dresden vom 1. Oktober ab
zu übernehmen, Folge leisten. lWSSj

Berlin. Der Bildhauer Nikolaus Geiger hat für
den schon seit Jahren in Aussicht genommenen Reliefschmuck für
das Frontispiz der hiesigen Hedwigskirche einen zweiten Entwurf
gefertigt, der die „Anbetung der heiligen drei Könige" darstellt.
Das gut gegliederte Relief ist mit echt künstlerischer Auffassung
in elegantestem Barockstil durchgeführt und von der Landes-
kunstkomnüssion, der die Entscheidung oblag, zur Ausführung be-
stimmt worden. lMzch

— Gestorben: In Paris am 10. Mai im Alter von
81 Jahren der Maler, Kupferstecher und Radierer Charles
Jacque; ebenda am 15. Mai der Porträt- und Genremaler
Philippe Parrvt. In Reval der Maler Henry de Kosatowski;
in Havre der Maler Emile Renouf, 49 Jahre alt. In Paris
der schwedische Maler Per John Tage Ewert. In Venedig
der Akademie-Direktor Bildhauer Professor Luigi Ferrari; in
Rom der Maler Scipione Vannutelli. ISA«)

— München. Jahres-Ausstellung 1894 im kgl.
Glaspalast. Die Jurywahlen sind nunmehr in sämtlichen
Sektionen vollzogen. Die Herren der Malerjury teilten wir in
Heft 16 bereits mit. In der Abteilung Bildhauerei wurden
gewählt: Prof. Jakob längerer, Obmann; Prof. Jos. von Kramer,
Friedrich Kühn. Ersatz: Karl Barth, Franz Bernauer. In der

Abteilung Baukunst: Prof. August Thiersch, Obmann; Prof.
Georg Hauberisser, Prof. Gabriel Seidl, Prof. Friedrich Thiersch.
Ersatz: Prof. Heinrich Freiherr von Schmidt, Prof. Josef Bühl-
mann. In der Abteilung Vervielfältigende Künste: Jakob
Deininger, Obmann; Max Dasio, Theodor Knesing. Ersatz:
Moritz Erdmann, Georg Hensinger, Max Bärenfänger. lS2Sch
XV. O. Berlin. Von der Ausstellung. Die dies-
jährige Große Kunstausstellung erfreut sich trotz des nicht gerade
günstigen Wetters der lebhaftesten Anteilnahme des Publikums,
was zum Teil wohl darauf znrückzuführeu ist, daß in die Aus-
stellung fortgesetzt neue Kunstwerke zur Aufnahme gelangen.
Eine wertvolle Bereicherung steht ihr noch durch das Hinzu-
kommeu verschiedener Werke aus der Jubiläumsausstellung in
Wien bevor. Der günstigen Besuchsziffer hält der Verkauf der
Kataloge und der der Kunstwerke gleichen Stand. Bereits in den
ersten drei Wochen konnte ein Absatz von über 15,000 Katalogen
festgestellt werden, und die Höhe der für Kunstwerke erzielten
Summe belief sich bereits auf 200,000 M. Der Kaiser erwarb

Der sinnende Lod. von Mar kvislicenus.

Große Berliner Kunstausstellung ^89H.

bislang ein Ölgemälde von Hans von Bartels-München:
„Seetreffen am Kap Vincent zwischen der kurbrandenburgischen
und spanischen Flotte"; der „Deutsche Kunstverein" Hierselbst
erstand znr Verlosung unter seine Mitglieder bis jetzt 11 Öl-
gemälde von Heinrich Basedow-Hamburg „St. Katharinen
Fleet", Ludwig Bokelmann-Berlin „In der Kirche" (Skizze),
Richard Walter Busch-Berlin „Ein Regentag", Louis
Douzette-Berlin „Kahnim Schilf" (Studie), Wilhelm Eisen-
blätter-Berlin „Am Kellersee in Holstein", Oskar Frenzel-
Berlin „Des Kuhhirten Mahlzeit", Viktor Freude mann-
Berlin „Abendsonne in der Ramsau", Franz Hochmann-
Dresden „Viehweide bei Emden", Hans Looschen-Berlin
„Wirtshaus im Walde", Carl Ludwig-Berlin „Bergschloß im
Mondschein", Theodor Schmidt-München „Im Grünen",
sowie vier Skulpturen, nämlich Josef Drischler „Fischerknabe"
(Bronze), Fritz Heinemann - Charlottenburg „Lazzaroni"
(Bronze), Henning-Königsberg „Löwenpaar" und von Miller-
München „Hängendes Weib mit Reifen". Außerdem hat der
Verein der Kunstfreunde in den preußischen Staaten seine in diesem
Jahr besonders reichen Ankäufe für seine Mitglieder, die Ge-
nossenschaft der Akademiemitglieder die für den Staat in der
Ausstellung vollzogen, während die Erwerbungen für die National-
galerie noch bevorstehen. l323ch

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