Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 9.1893-1894

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Denkmäler. — Ausstellungen und Sammlungen.

fügung gestellt. Es liegt die Absicht vor, zehn erste Preise von
je 5000 M., ebenso viele zweite Preise von je 2000 M. und
zehn dritte Preise von je 1000 M. auszusetzen. Wem unter den
preisgekrönten Künstlern die Ausführung des Denkmals über-
tragen werden soll, entscheidet das Komitee in einer besonderen
Sitzung. Das Preisgericht besteht aus drei Malern, vier Bild-
hauern, drei Architekten nnd neun anderen Herren. Die Maler
sind Graf Harrach, Professor v. Lenbach und Professor Becker,
die österreichischen Bildhauer Professor Tilgner und Zumbusch;
die deutschen Bildhauer sind noch nicht ernannt. Die Architekten
sind die Bauräte Kyllmann, Ende und Wallot, die übrigen Mit-
glieder Reichstags-Präsident v.Levetzow, Vizepräsident Or. Bürklin,
Staatsminister Delbrück, Ministerresident Or. Krüger, Abgeord-
neter Or. Siegle, Oberbürgermeister Or. Stübel (Dresden),
bayerischer Gesandter Graf Lerchenfeld und Wirklicher Geh. Rat
v. Lucanus. Mss;

— Edenkoben. Auf dem vor die Kette deS Haardt-
gebirges vorspringenden Werderberge bei Edenkoben soll ein
Denllnal errichtet werden zur Erinnerung an die glorreichen
Siege des Jahres 1870/71. Dasselbe soll ein aus die Entfernung
wirkendes, einfaches monumentales Werk der Baukunst mit
plastischem Schmucke sein und mit einem Gesamtaufwand von
80 000 M. hergestellt werden. Als erster Preis ist die Aus-
führung des Denkmals, als zweiter Preis eine Prämie von
1500 M. und als dritter Preis eine solche von 1000 M. be-
stimmt, ohne daß jedoch unter allen Umständen der erste Preis
zuerkannt werden müßte. Das Komitee ist befugt, zwei Preis-
richter in die Jury zu delegieren. Situationsplan mit Höhen-
kurven, Katasterplan und situierende Lichtdrucke können von dem
Vorsitzenden des Tenkmalkomitees bezogen werden. isisr;

U. Hannover. Nach der Fertigstellung des „NeuenHauses"
am Ende der Königstraße hat es sich als notwendig herausgestellt,
auf dem neu entstandenen großen Schmuckplatze dem von Prof.
Voltz in Karlsruhe modellierten Kriegerdenkmale ein Gegenstück zu
geben. Der Bildhauer Waegener hat zu diesem Zwecke den Ent-
wurf für einen Monumentalbrunneu hergestellt, dessen Rand
von vier schön bewegten Figuren belebt und dessen von Kinder-
gruppen, Delphinen und Wappen geschmückter Aufbau von einer
Flora gekrönt ist. 132241

— Berlin. Die Vorarbeiten zum Kyffhäuser-Denkmal
gehen ihrer Vollendung entgegen. Nikolaus Gei ger vollendet
seinen Barbarossa, welcher das alte Reich symbolisiert, während
Prof. Hundries er s Kaiser Wilhelm-Gruppe, welche das neue
Reich versinnbildlicht, demnächst nach München geht, um dort in
Kupfer getrieben zu werden. Die Figur Barbarossas ist 8 m hoch,
während das ganze Denkmal ungefähr 26 m hoch werden wird.

— Berlin. Die Sarkophage für Kaiser Wilhelm I. und
Kaiserin Augusta von Ferd. Encke sind nach ihrer Fertig-
stellung in Carrara in Charlottcnburg eingetroffen und werden
demnächst im Mausoleum aufgestellt, in welchem auch noch eine,
auf Anordnung des Kaisers von dem Künstler hergestellte wert-
volle Gestalt eines Erzengels als Hüter der Gruft Aufstellung
finden soll. Mss;

Ir. Wittenberg. Das von dem Berliner Bildhauer
Hans Arnoldt, einem Schüler von Albert Wolfs, für unsere
Stadt modellierte Kaiser Friedrich-Denkmal hat die Genehmigung
des Kaisers erhalten. Als Ort der Aufstellung ist der Platz vor
der Schloßkirche bestimmt. Die Statue wird in Bronze gegossen,
der Sockel aus schlesischem Granit hergestellt und um das Denk-
mal ein Gitter in gotischem Stil geführt. Miq

— Amsterdam. In der St. Michaelskirche hier will man
Thomas a Ke m Pis ein Grabdenkmal in Form eines Grab-
monuments errichten. Es wurden Preise von 1660 M. und
830 M. gestiftet. i^2s;

— Stuttgart. Dem verstorbenen Schriftsteller Otto
Baisch wurde ein vom Bildhauer Bausch modelliertes Grab-
denkmal errichtet. I3"ö)

^ Berlin. Bon der Kunstausstellung. Die Aus-
stellung hat weitere Kunstwerke zugewiesen erhalten und zwar in
einem Maße, daß ein teilweises Umhängen notwendig wurde. Von
den Neuaufnahmen sind die Kolossalgemälde des spanischen Malers
Jose Villegas „Der Tod des Meisters" (Stierkämpfer) und
„Der Triumph der Dogaressa Foscari", sowie die beiden Skulp-
turen eines der originellsten und begabtesten Bildhauers der

Gegenwart, Rudolf Maison-München die bedeutendsten. —
Eins der Werke des letzteren, „Augur", Statuette, ist bereits iu
vierter Wiederholung angetanst.worden. — In gleichem Schritt
mit der bedeutenden Besuchsziffer hält sich der Verkauf der Kunst-
werke, der fortgesetzt ein reger ist. Für die hiesige Nationalgalerie wurde
Anton von Werners Gemälde: „Im Etappenquartier vor Paris

1870" („Das Meer erglänzte weit hinaus.") angekaust, sodaß

auch dieser Künstler nach nahezu 20 jährigem Bestehen der ge-
nannten Staatssammlung endlich in ihr vertreten sein wird. —
Obwohl die Ausstellung bereits länger als zwei Monate eröffnet
ist, ward über die Verleihung von Auszeichnungen bisher noch
nichts bekannt. In Künstlerkreisen verlautet, daß die vor-
jährige geringe Beteiligung der versuchsweise berufen gewesenen
Juroren — der in Preußen wohnenden Inhaber der großen
goldenen Medaille — nicht den gehegten Erwartungen der Re-
gierung entsprochen hat, und daß daher beabsichtigt werde, eine
andere Jury für die der Entscheidung des Kaiser zu unter-
breitenden Vorschläge für Medaillen und für die Zuerkeunung
weiterer Auszeichnungen aus Anlaß der Ausstellung zu bilden.

* Dresden. Ein riesenhaftes Dekorations-Gemälde ist
soeben im Giebelfelde des neuen Gebäudes des Kgl. sächs. Finanz-
ministeriums enthüllt worden. Es ist nicht weniger als 21,16 m
lang und 4,45 m in der Mitte hoch. Es handelt sich hierbei um
die erste Probe im großen nüt der wetterbeständigen Malerei,
welche die weltbekannte Firma Billeroy L Noch (in Mettlach,
Dresden u. s. w.) erfunden hat. Bekanntlich haben sich alle
anderen ähnlichen Techniken, wieSalviati-Mosaik, Fayence-Malerei,
Fresko, Sgrafitto u. a. als nicht wetterbeständig erwiesen. Die
durchlässige Masse saugt Wasser an, welches im Winter gestiert
und die einzelnen Teilchen des Wandputzes auseinander sprengt,
so daß die Malerei allmählich zerstört wird. Die Mettlacher Fliesen
dagegen haben bisher allen Witterungseinflüssen und mechanischen
Angriffen gegenüber siegreich stand gehalten, weil die Bestand-
teile durch und durch gesintert d. h. geschmolzen werden »nd
beim Erkalten zu einer ganz gleichmäßigen eisenharten und glas-
glatten Masse sich verbinden. Gemalt wird darauf mit Fritten-
farben nebst einem Zusatze von der plastischen Masse des Mal-
grundes. Ein Gemälde dieser Art ist schon seit Jahren an der
Wetterseite eines Gebäudes im Hofe von Villeroy und Noch in
Dresden angebracht: es hat sich bisher völlig unverändert in
seiner Farbensrische erhalten. Zwei große Gemälde gleicher Art —-
die Sternthaler nach Paul Mohn und eine Allegorie auf den
Bund Deutschlands und der Vereinigten Staaten — waren auf
der Columbischen Ausstellung in Chicago. Bier große allegorische
Figuren sind in der neuen Kunstgewerbeschule in Stuttgart an-
gebracht. Das große Dresdner Bild, welches aus 1600 sechs-
eckigen Platten besteht, zeigt in der Mitte die Saxonia in weißem
Gewände mit Panzer, Szepter und Wappenschild, den Staats-
haushalt als zarte Jungfrau mit einem Buch, dann den Hoch-
bau als Architektur mit dem Modell des neuen Hauses, endlich
die Jngenieurkunst als einen Mann, der ein geflügeltes Rad über
eine Brücke geleitet, links dagegen die Industrie mit einem großen,
Gold schüttenden Füllhorn, dann die Forstwirtschaft als alten
Förster mit Eichbaum und Flinte, endlich den Bergbau als Berg-
mann, der einen Karren mit Kohlen vor sich herschiebt. Das
große Gemälde, das selbst noch von der Brühlschen Terrasse aus
über die Elbe hinweg gut wirkt, ist von Prof. Anton Dietrich
entworfen und vom Maler Zeutzius (Villeroy L Noch) aus-
geführt. i322oi

O. 8. Köln a. Rh. Das in der Zeitschrift für christliche
Kunst im 12. Heft 1894 (März) in einem Lichtdruck mit Beschrei-
bung Publizierte A lt arwerk, dem Giovanni dellaRobbia,
Sohn des Andrea, zugcschrieben, ein bedeutendes Werk der deko-
rativen Thonplastik der italienischen Hochrenaissance mit leuch-
tenden farbigen Zinnglasuren, ist für die Summe von M. 12000
in den Besitz des hiesigen städtischen Kunstgewerbe-Museums über-
gegangen; dasselbe hat in der keramischen Abteilung treffliche Auf-
stellung gefunden. — Das Kunstgewerbe-Museum besitzt nunmehr
zwei Robbiawerke; das andere, welches 1890 durch eine hoch-
herzige Schenkung überwiesen wurde: eine Bogeulünette mit vier-
schwebenden Engeln (abgebildet und beschrieben Kunstgewerbeblatt
X. I. 1890, S. 1 u. ff.) stammt von demselben Meister und
ist um etwa zehn Jahre früher. Das Altarwerk trägt eine In-
schrift und die Jahreszahl 1523, was für die Robbiasorschung
von bedeutendem Wert ist. Beide Werke berühren sich in den
Motiven und in der Durchführung, beide sind von großer
Schönheit. l32i»I

— London. In der Sommerausstellung im Krystall-
palast wurden folgende Auszeichnungen an deutsche Künstler ver-
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