Eckardt, Anton [Editor]; Bayern / Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schul-Angelegenheiten [Editor]
Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern (4,2): Bezirksamt Landshut — München, 1914

Page: 234
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234 II. B.-A. Landshut.
malung. — Die Darstellungen aut der Südseite des Chores sind durch ein nach-
träglich eingebrochenes Fenster beschädigt. Links der zwölfjährige Jesus im
Tempel; Jesus sitzt auf einem erhöhten, thronartigen Stuhle, die Gelehrten sind in
hockender Stellung zu seinen Füßen gruppiert. Rechts die heilige Familie auf der
Rückkehr von Ägypten. Der Hintergrund dieser Bilder wieder gelblich bzw. rot.
Die Darstellungen je einer Chorseite sind von einer einfachen, im Spitzbogen
schließenden Ornamentleiste umrahmt. Die Bemalung des Chorgewölbes und des
Chorbogens ist modern; ebenso die Malerei an der Ostseite des Schiffes über dem
Chorbogen, die an Stelle einer zu stark beschädigten Darstellung des Jüngsten Ge-
richtes trat.
Die Malereien an der Nordwand des Schilfes sind in zwei Reihen mit an-
nähernd quadratischen Feldern übereinander zwischen Friesen aus gezackten, braun
und grün gehaltenen Blättern angeordnet. Dargestellt sind Bilder aus der Passion
und dem Marienleben. In der oberen Reihe: i. Die Gefangennahme Christi. 2. Chri-
stus vor Caiphas. 3. Die Geißelung Christi. 4. Die Dornenkrönung. 5. Die Kreuz-
tragung. 6. Christus am Kreuz. 7. Die Grablegung Christi. In der unteren Reihe:
1. Die Auferstehung Christi. 2. Christus in der Vorhölle. 3. Die Himmelfahrt Christi.
4. Die Verkündigung Mariä. 3. Die Geburt Christi; Maria liegt auf einer Matte
im Freien, zur Seite kauert der betende Joseph, zwischen beiden das Kind, im
Hintergründe Haustiere und drei Bäume. Eigenartige Auffassung. 6. Anbetung der
Könige. 7. Darstellung Jesu im Tempel. 8. Tod Mariä, darüber Christus, der ein
Kind, die entflohene Seele darstellend, aufnimmt. Uber den meisten dieser Dar-
stellungen ein gemalter Klecblattbogen. Einfache, schmale Strei fen trennen die Felder von-
einander. Die Felder sind durchschnittlich 1,18 m hoch, 1,12 m breit.
Die Bilder an der Südwand des Schiffes sind zum großen Teil ebenfalls auf
zwei Felderreihen übereinander verteilt, jedoch mehrmals teils durch Fenster, teils
durch den Kanzelzugang und die Kanzel selbst unterbrochen. Die Felder zeigen
in der Breite nicht die Regelmäßigkeit wie die der Nordwand. Die horizontale
und vertikale Trennung der Bilder geschieht durch Doppelstreifen. Dargestellt sind:
oben eine Gruppe der fünf Apostel Petrus, Paulus, Johannes Ev., Bartholomäus,
Andreas, sowie zwei weitere Gruppen von Aposteln und Heiligen, nur teilweise er-
kennbar, in Standfiguren. Unten: Von Bild 1, das durch ein späteres Spitzbogen-
fenster durchbrochen ist, ist nur noch ein hl. Bischof und im Hintergrund eine Land-
schaft zu sehen. Bild 2 stellt St. Wolfgang, im Hintergrund Landschaft mit Kirche,
dar. Ein zweiter Heiliger ist durch die Kanzel verdeckt. Auf einem weiteren
Bilde die Enthauptung eines Heiligen in langem Gewände, vielleicht Johannes Bapt.,
mit bergiger Landschaft. Uber der Szene ein Engel, der die entflohene Seele in
Gestalt eines Kindchens in einem Tuch entgegennimmt. Den Abschluß dieser Dar-
stellungen gegen den Eingang zu bildet in der Höhe beider Felderreihen zusammen
die überlebensgroße Figur des hl. Christophorus.
Die Wandmalereien sind künstlerisch und kunsthistorisch, zum Teil auch ikono-
graphisch beachtenswerte Arbeiten aus der Frühzeit des 13. Jahrhunderts. Nach ihrer
Aufdeckung im Jahre 1901 wurden sie restauriert und überarbeitet. Die figürlichen
Darstellungen zeichnen sich teilweise durch vornehme Haltung und fein empfun-
dene Bewegung, besonders in den Marienfiguren im Chor, sowie durch schöne
Gewandbehandlung aus. Nach der koloristischen Seite hin ist eine eingehendere
Beurteilung der Bilder wegen der Restaurierung nicht möglich. In ihrer Gesamtheit
sind sie für die einfache Kirche von guter dekorativer Wirkung. Eine Parallele zu
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