Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 9.1893-1894

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Frankfurter Brief, von ks. Becker. — Die

Feld und Wald, von Luft und Gewölle, sowie die Be-
leuchtung zeugen von sorgsamer Betrachtung der Natur
und einer verständigen, jede Uebertreibung meidenden
Wiedergabe. Die Bilder rufen deshalb das Gefühl
behaglicher Ruhe in uns hervor. Diesem Umstand ver-
danken sie den Eintritt in viele Frankfurter Salons.

Von Burger waren dieser Tage 90—100 solcher
Bilder von Metergröße und kleiner ausgestellt. Der
alte wie der neue Frankfurter fühlten sich ein paar Tage
in ihrem sommerlichen und winterlichen Heim auf das
behaglichste angeregt.

In ausgedehnterem Maße hat Theodor Reiffen-
ste in, der uns dieser Tage für immer verließ, seinen
Landsleuten die Heimat in der Erinnerung gehalten.
Dieser Künstler ist an keiner Ecke vorübergegangen, an
der ein alter Pfeiler oder Tragstein seine Aufmerksamkeit
erregte, ohne das merkwürdige in sein Skizzenbuch ein-
zutragen. Die Gewölbe von alten Kirchen, Kapellen,
Kaufhäusern und anderen Bauwerken hat er alle kopiert.
Von vielen Bauwerken, z. B. von den Original-Häusern
des alten Rat Goethe, dem Garten des Schultheißen
Textor und anderen hat er nach dem Merianischen Stadt-
plan und noch vorhandenen ähnlichen Gebäuden Aufrisse
gezeichnet, die der Altertumskenner an die Stelle der
zerstörten Originale getrost setzen kann. Von der an-
stoßenden Wetterau, von dem Main- und Rheinthal hat
er in ähnlicher Weise die alten Kirchen, Kapellen, Burgen
und Gehöfte kopiert und mit der umgebenden Landschaft
in getreuem Bilde vereint. Sie sind für den Historiker,
den Altertumsforscher von unschätzbarem Werte. Solche
Bilder und Skizzen hat er vor einigen Jahren an 2000
der hiesigen Bibliothek übergeben. Eine gleich große
Sammlung hatte er noch zu Hause. In großen Schränken
hatte er eine Reihe von Folianten aufgestellt, die eine
genaue Beschreibung sowie Skizze von jedem Bilde ent-

Ausstellung der „24". von vr. Relling. zs?

hielten. Sie waren die Arbeit eines rastlosen 40 bis
50 Jahre dauernden Schaffens, aus dem man einen Fleiß,
eine Sorgfalt gewahrt, wie seit den Zeiten des Alexan-
driners Didymos Chalkenteros kein zweiter Mann der
Wissenschaft oder Kunst sie zu beweisen vermochte.

Zu diesen Frankfurter Künstlern zählt auch Donner
von Richter. Er ist weniger fruchtbar, als jene Herren;
er wählt aber sorgsamer seinen Gegenstand und führt in
höherer Vollendung ihn aus. Wir sahen von ihm zwei
„Indische Weber", die er auf der Londoner Ausstellung
bei ihrer Arbeit belauschte. Es sind zwei typische Hindus,
wie wir bei der Ausstellung von Singhalesen hier mehrfach
sie sahen. Graziöse schlanke Gestalten mit fein geschnittenem
Kopf, edel geformter Stirn und Nase bezeugen uns echte
Repräsentanten des arischen Stammes. Die braungelbe
Hautfarbe, die bei dem jüngeren Heller, bei dem älteren
dunkler erscheint, verrät die Wirkung einer Sonnenglut,
bei der wir berechnen können, wie lange die Sonne
braucht, um den verschiedenen Teint bei den Menschen
zu erzeugen. Das Bild, das den Kunstkenner erfreut,
bietet nicht minder großes Interesse dem Ethnographen,
der nicht immer Gelegenheit findet, die Natur unter ver-
schiedenen Himmelsstrichen selber zu studieren.

Die Aufstellung der „24".

von Or. Relling (Berlin).

^tie sind wiedergekommen, aber nicht vollzählig, und an
die Stelle der Ausgeschiedenen sind andere getreten.
Die neuen Mitglieder sind desselben Glaubens wie die
übrigen, sie ziehen am gleichen Strang und sie vermögen
es wohl, die Erfolge der „24" zu unterstützen. Der große
Erfolg ist aber diesmal leider ausgeblieben. Die „24" sind

Der Einfall der Barbaren, von Ulxiano Lheca.
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