Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 9.1893-1894

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Von Karl v vincenti.

erwarten. Nicht Neues, Prüfenswertes allein bietet die
Ausstellung, sondern auch längst Geprüftes, Anerkanntes,
in Staatsbesitz Übergegangenes, teilweise köstlich belehr-
sam und wegweisend im absoluten wie Entwickelungs-
sinne.

Die Beteiligung des Auslandes ist eine im hohen
Grade erfreuliche und dankenswerte. Weit über 2000
Nummern zählt der Katalog, wovon kaum mehr als ein

die Deutschen in Anspruch genommen. Sie sind ja hier
zu Hause. Unter den 174 deutschen Nummern behauptet
München den besten Teil. Wenn man im ganzen sagen
kann, daß Kunstrichter und Arrangeure tüchtig und ge-
schickt ihres dornenvollen Amtes gewaltet haben, so dürfen
dieses Lob die deutschen Kommissäre in erster Linie für
sich in Anspruch nehmen. Den Herren v. Canal, Firle,
Prell, Grethe, Geiger, v. Czachorski unsre Reverenz; der

Eine.Waldnymxhr. von Edward Burne-Iones.

Fünftel vielleicht auf die Gastgeber kommen, wobei wir
die glänzend vertretenen Ungarn lieber zu den Gast-
gebern als Gästen rechnen möchten. Nicht in der Politik
schlechtweg, sondern auch in der Kunstpolitik weiß man
in Trans weit mehr mit der neuen Zeit zu rechnen als
in Eis. Ungarn ist auf dem Wege nach dem Kunststaat
und es wird eine Zeit kommen, wo nur solche Kultur-
staaten vor dem Fortschritt vollgültig zu bestehen ver-
mögen werden. In München hat man dies längst ein-
gesehen. Am ausgiebigsten haben unsre Gastfreundschaft

deutsche Saal ist ein wirksamer, vornehm dekorierter
Ausstellungsraum, in welchem sich die Wandeinbauten
ganz trefflich bewähren. Firles Dreibild „Vaterunser"
ist da. Die Leitung der Pinakothek verdient unfern Dank
für ihr Entgegenkommen, denn dies in seiner Schlicht-
heit so tief ergreifende Werk ist eines unter jenen, von
welchen wir eine nachhaltige Wirkung auf den Kunst-
nachwuchs wünschen und erwarten. Kunst hat längst
aufgehört Alleingut jener zu sein, die auf den hohen
Stufen des Lebens stehen. Allgemeingut, Allgemein-
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