Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 9.1893-1894

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Die Technik des Kupferstichs. — Personal- u. Ateliernachrichten. — Denkmäler.

auch eine fast nur handwerkliche Reproduktionsweise ge-
blieben und völlig überflüssig geworden, als man in der
Galvanoplastik und im Verstählen der Kupferplatten
Mittel fand, von gestochenen, radierten rc. Kupferplatten
eine unbegrenzte Anzahl gleichmäßig guter Abdrucke zu
erzielen.

?. Hannover. In den hiesigen Bildhauerwerkstätten hat
in letzter Zeit eine emsige und erfolgreiche Thätigkeit geherrscht.
Professor Dopmeyer stellte für das Gebäude der Alters-
und Jnvaliditäts-Versicherungs-Anstalt eine schöne Giebelgruppe
her, einen Genius darstellend, der mit der rechten Hand schützend
einen Schild über einen Greis ausstreckt, während er mit der
linken einem jungen Arbeiter den verdienten Lorbeerkranz reicht.
Derselbe Künstler schuf als Grabmonument für ein Kind die
Martnorstatue eines zwölfjährigen Mädchens in moderner Tracht,
das in dem aufgerafften Lbergewande eine Fülle von Rosen
trägt und sinnenden Angesichts auf eine geknickte Knospe blickt,
die es in der Hand hält. Als Pendant zu einer mit vielem Bei-
fall ausgenommenen humoristisch ausgefaßlen Figur eines Schuster-
jungen modellierte der Künstler ein Mädchen von der Straße in
realistischer Auffassung, das wohlgefällig sein zerzaustes Köpfchen
in einem Spiegelscherben betrachtet. Aus demselben Atelier ging
gelegentlich der Feier des 70. Geburtsfestes des verdienten Parla-
mentariers das Modell zu einer lebensgroßen Büste Rudolf
von Bennigsens in sprechender Ähnlichkeit hervor. Das Original-
Modell in Lebensgröße ist in Bronze gegossen, wird aber auch
in verkleinerten Kopien dem Publikum zugänglich gemacht werden.
Der Bildhauer Gundelach modellierte für das neue mit reichem
bildhauerischen Schmucke versehene Justizgebäude zu Bremen die
beiden Kolossal-Statuen Kaiser Wilhelms I. und Ottos des Großen,
die von vorzüglicher monumentaler Wirkung sind, und deren
Ausführung in Sandstein erfolgt. Für die in romanischem
Stile gehaltene Fassade der deutschen Militärdienst-Versicherungs-
gesellschaft bildete derselbe Künstler die schönen Statuen Hammonia
und Hannovera, während Professor Dopmeyer für den Mittel-
bau die Figuren einer Germania, des Krieges und des Friedens
herstellte. MZe;

— München. Professor Louis Brauns Panorama der
Schlacht von Murten geht der Vollendung entgegen. Ter Künstler
zeigt sich auf dem Höhepunkt seiner Leistungen auf diesem Gebiete,
sein neues Werk dürfte das Interesse an Rundgemälden, welches
stark im Abnehmen begriffen ist, von neuem beleben. Dem land-
schaftlichen wie dem figürlichen Teil ist die gleiche Sorgfalt zu-
gewendet; Professor Braun führt dem Beschauer ein Stück
Geschichte vor, wie sie nur ein Künstler gleich ihm aus ver-
gangenen Zeiten in die Wirklichkeit zuriickznzaubern versteht. An
dem figürlichen Teil haben Hoffmann und Jourdan, an
dem landschaftlichen E. Berninger und an der Luft I. Krieger
mitgearbeitet.

V. Leipzig. Der Bildhauer Karl Seffner in Leipzig,
der iin vergangenen Jahre für seine Thiersch-Büste auf der Mün-
chener Jahresausstellung die kleine goldene Medaille erhalten
hat, ist neuerdings dadurch ausgezeichnet worden, daß ihn die
Locietä Katioiucke ckes beaux Ll-ts in Paris zum Mitglied er-
nannt hat.

— München. Professor Rud. Maison, der sich eine
gefährliche Blutvergiftung zugezogen hatte, konnte seine künst-
lerische Thätigkeit wieder aufnehmen. Die Nachricht von seiner
Übersiedlung nach Berlin ist erfunden. lbreq

— Leipzig. Professor Robert Hang in Stuttgart.
wurde vom Rate unserer Stadt beauftragt, den Kampf um das
Grimmaische Thor in einem großen Gemälde darzustellen. l34osl

ck In Mannheim starb dieser Tage der dortige Groß-
herzogliche Galeriedirektor Karl Roux, geb. 1826 zu Heidelberg,
der sich um die Hebung des Kunstlebens der oberrheinischen
Handelsmetropole große Verdienste erworben hatte. Von Beruf
Tiermaler, war er, bis er seine jetzige Stellung im Jahre 1881
antrat, mit bestem Erfolge in München thätig gewesen. Als
Mensch wie als Künstler gleich tüchtig, wird zumal in seiner
letzten Wirkungssphäre sein Andenken ein gesegnetes sein. — Bei
der Konkurrenz für den Neubau einer protestantischen Kirche in

Karlsruhe erhielten die ersten Preise Professor Frentzen in
Aachen, Architekt K. Boß in Hamburg und Professor Vollmer
in Berlin, die zweiten die Karlsruher Architekten Curjel und
Moser, sowie Billing ebendaselbst. Im ganzen waren über
ein halbes Hundert zum Teil künstlerisch sehr hervorragender
Entwürfe ausgestellt, von denen die meisten dem Preisgericht
wegen ihrer künstlerischen Gleichwertigkeit gewiß viel Mühe und Arbeit
gemacht haben werden. Die mittelalterlichen Baustile, deren sieg-
reiches Vordringen wir ja auch auf dem Gebiete der Profan-
architektur wahrnehmen können, waren bei diesen Entwürfen
nahezu ausschließlich vertreten. — Der Karlsruher Kunstverein
verausgabte im Jahre 1893 für Ankäufe von Gemälden die
Summe von 16 000 M., wovon etwa die Hälfte auf Erwerbungen
von seiten der Vereinsmitglieder fiel. >P4»4l

— Gestorben: Am 14. Juni, 63 Jahre alt, Nikolai
Nikolaje witsch Gay, einer der hervorragendsten russischen
Maler; in Paris der bekannte Porträtmaler Jules Emile
Saintin, 64 Jahre alt; am 23. Juli in Josefsthal bei Schlier-
see Professor vr. Heinrich von Brunn, Direktor der Glypto-
thek in München (der Herausgeber des monumentalen Werkes
Denkmäler Griechischer und Römischer Skulptur und Verfasser der
Griechischen Kunstgeschichte u.); am 25. Juli in München, 64 Jahre
alt, der Kupferstecher Georg Goldberg, unter dessen Arbeiten
besonders die trefflichen: „Bacchus und Ariadne nach Tintoretto",
„Die Grablegung nach Giorgione", einige Blätter zu Liezenmayers
„Faust" zu nennen sind; in Paris der Bildhauer B. Rougelet,
am 18. Juli; ferner der Glasmaler M. Roussel, 60 Jahre alt.
Edm. Jean Bapt. Guillaume, Architekt des Louvre und der
Tuilerieu, am 20. Juli, 48 Jahre alt; P. C. Berthe!emy,
Marine-Maler zu Bernieres sur Mer; F. Pitard, Maler zu
Tours, 44 Jahre alt. M6g;

— Berlin. Die architektonische Gestaltung des Platzes
für das Kaiser Wilhelm-Denkmal zu Berlin geschieht nach einem
Plane, welchen Architekt Halmhuber für die ausgemessenen
Raumverhältnisse angefertigt hat. Dieser Plan hat zum Vorwurf
gleichfalls jene das Denkmal umgebende Säulenhalle, nur hat
sie ein einfacheres Aussehen erhalten. Auch mußte von der Aus-
führung des nach der Spree zu gedachten, architektonischen Hinter-
grundes abgesehen werden. Die Halle wird sich in einem
leichten Bogen zwischen beiden Brücken an der Spree hinziehen,
und ist an den eigentlichen Denkmalsplatz gegenüber dem Eosander-
schen Schloßportale am weitesten nach der Wasserseite zu
herausgerückt. Dadurch wird erreicht, daß für den Säulengang,
sowie für die nächste Umgebung des Denkmals selbst ein be-
deutender Raum gewonnen wird. An äußeren Schmuckstücken
sind die Viergespanne oberhalb der beiden Eingänge, sowie die
Abzeichen oberhalb der Säulen beibehalten worden. Die ge-
samte Hallenanlage wird in Hellem Sandstein ausgeführt, die
Viergespanne und Abzeichen in patiniertem Kupfer. Im nächsten
Frühjahr wird mit der Ausmauerung des Quais begonnen, falls
bis dahin die Bogenunterführung des Mühlengrabens fertig ge-
stellt ist. In den folgenden zwei Jahren geht dann die Auf-
stellung des Denkmals, das am 22. März 1897 enthüllt wird,
mit der Aufführung der architektonischen Anlage Hand in Hand.

— Bremen. Zur Erlangung von Entwürfen für den
Bau eines monumentalen Brunnens aus dem Domshofe hier
wird ein Wettbewerb unter den Künstlern und Architekten Deutsch-
lands ausgeschrieben. Das Preisrichteramt haben folgende Herren
übernommen; Senator 14r. H. Gröning-Bremen, I>r. H. H. Meier-
Bremen, v. Thülen-Bremen. Prof. Fr. Schaper-Berlin, Architekt
Martin Haller-Hamburg, A. Fitger-Bremen, Oberbaudirektor
Franzius-Bremen. Es pnd drei Preise ausgesetzt: ein erster von
1500 M., ein zweiter von 1000 M., ein dritter von 750 M.
Die Entwürfe sind bis zum 3. Januar 1895, abends 6 Uhr, bei
der Regierungskanzlei, Stadthaus Zimmer Nr. 32, einzuliefern,
von welcher auch die Bedingungen nebst Lageplan kostenfrei be-
zogen werden können. l^e?;

— Koblenz. Das hier zu errichtende Kaiserin Augnsta-
Denkmal wird aus einer von Professor Moest in Karlsruhe
modellierten sitzenden Porträtstatue aus Marmor bestehen. An
den Seitenwänden werden Reliefs in Goldbronze angebracht
werden. Hinter dem Denkmal beginnt die geplante Kaiserin
Augusta-Straße. Als Abschluß derselben wird ein großer Monu-
mentalbrunnen errichtet. l44L4;
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