Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 27.1916

Page: a
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstchronik1916/0235
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
85

Ein neuer Hercules Seghers

86

Hercules Seghers. Landschaft mit befestigter Stadt (um 1625)
Besitzer Exzellenz Baron von Kühlmann im Haag

erste Frau hieß Cathalyna Heemees; sie war sechzehn
Jahre älter als er. Hoffentlich bringen die Archive
darüber noch näheres ans Licht.

Wenn ich den von Kühlmannschen Seghers in
seine mittlere Periode setze, müßte ich also spätestens
an das Jahr 1625 denken. Und da staunt man, wenn
man dieses ganz modern anmutende Bild mit den
Werken von gleichzeitigen Künstlern: Esaias van de
Velde, van Ooyen, Salomon Ruysdael, vergleicht.
Sie alle haben in dieser Zeit noch etwas Alter-
tümliches, Steifes, besonders in der Behandlung der
Bäume, und das Kolorit ist bei ihnen oft noch schwer,
bei den zwei letztgenannten stark ins bräunlich-gelb-
liche hinüberspielend. Hier finden wir eine so feine,
zarte Farbgebung: die feinen Nuancen in den Baum-
partien links, die leuchtenden, von der Sonne be-
schienenen roten Dächer rechts, der fein gestimmte
Himmel (ein ganz helles Grau-Blau, mit weißen
Wölkchen), daß man das Bild zwischen moderne
Landschaften der Barbizon- und Haager Schulen hängen
könnte, ohne daß es altertümlich erscheinen würde.
Die kühne Linie, gebildet durch den Hügel auf
dem Vordergrunde, der als Repoussoir dient, stört

merkwürdigerweise gar nicht; der Hüge
ganz plausibel vor.

Charakteristisch für Seghers sind
spitzen Bäume (Lärchen), die er so ge
die, ich möchte sagen, Bewegung in
schaffen bringen. Man findet sie ai;
Simonschen und dem Kronigschen Bild'
all seinen Landschaftsradierungen. Sie]
sam eine Signatur des Künstlers.

Das Bild ist auf Holz gemalt, 25 j
40 cm breit und vortrefflich erhalten.

Auch hier ist Seghers der Bahnbreche
genossen weit überlegen und allen hollän:
schaftsmalern ein Vierteljahrhundertvoraus
vollständig auf der Höhe der Jacob van Ruij
fünfzigerjahrenund wäre ein prächtigesGd
kleinen Jacob van Ruisdael des Haarlemei;

Hoffen wir, daß es noch nicht das |
unglücklichen Künstlers ist, das wied*
gebracht wird! In alten Inventaren komrrj
bis 1660) Dutzende seiner Bilder vor!
Nachtbilder, Bilder mit einem Brunrj
wähnt —, es bleibt noch vieles »zu er*

%a 2

=- c

i ü

= <0

CD

1 O

P o3

=j CO

I» ü

2

o

c
a
>>
O

I ü
loading ...