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Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 27.1916

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https://doi.org/10.11588/diglit.6189#0031

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KUNSTCHRONIK

Neue Folge. XXVII. Jahrgang 1915/1916 Nr. 5. 29. Oktober 1915

Die Kunstchronik und der Kunstmarkt erscheinen am Freitage jeder Woche (im Juli und August nach Bedarf) und kosten halbjährlich 6 Mark.
Man abonniert bei jeder Buchhandlung, beim Verlage oder bei der Post. Für Zeichnungen, Manuskripte usw., die unverlangt eingesandt werden,
leisten Redaktion und Verlagshandlung keine Oewähr. Alle Briefschaften und Sendungen sind zu richten an E. A.Seemann, Leipzig, Hospitalstr. IIa.
Abonnenten der Zeitschrift für bildende Kunst erhalten Kunstchronik und Kunstmarkt kostenfrei. Anzeigen 30 Pf. die Petitzeile; Vorzugsplätze teurer.

MITTEILUNGEN AUS AUSLÄNDISCHEN
KUNSTZEITSCHRIFTEN
IV.

Die französischen Zeilschriften erscheinen noch immer
nicht: weder die Gazette des Beaux Arts noch die
Chronique des Arts et de la Curiosite oder der
Bulletin de l'Art Ancien et moderne, die Gazette
numismatique francaise, les Arts, oder wie sie alle
heißen mögen. Die letzten Nummern sind noch immer
die des Juli 1914. Eine einzige Ausnahme macht die
Zeitschrift l'Art et les Artistes, welche zwar ebenfalls
nach Juli 1914 nicht mehr erschienen ist, aber seitdem
doch wenigstens von sich hat reden machen durch
eine der Kathedrale in Reims gewidmete Spezialnummer,
welcher sich weitere anschließen sollen. Selbstverständlich
ist die ganze Nummer eine bittere Klage über die künst-
lerischen Verluste durch die bekannte Beschießung. Der
Herausgeber, Armand Dayot, hofft, daß man nach dem
Kriege die Ruinen nicht wieder herstellen wird. Zahlreiche
sehr gute Abbildungen von der noch nicht zerstörten sowie
von der zerstörten Kirche und von deren Teilen illustrieren
die Nummer, welche außer der Beschreibung u. a. noch
einen offiziellen Bericht über die Beschießung enthält, sowie
eine Reihe von in- und ausländischen Protestschreiben.

Die italienischen Zeitschriften werden, wie wir fürchten
müssen, sich den französischen im Einschlafen anschließen.
Die letzte Nummer z. B. des Bollettino della Commis-
sione Archeologica Communale di Roma ist noch
immer die Doppellieferung I und II des XVII. Jahrgangs
(1914) mit Aufsätzen von L. Mariani, R. Lanciani, O. Ma-
rucchi u. a. Die schöne, gediegene Zeitschrift L'Arte (Re-
dakteur A. Venturi) erschien zuletzt im April 1915 mit
einem reich illustrierten Heft, welches u. a. einen Aufsatz
von Corrado Ricci über die Aspertini enthält, mit Abbil-
dungen und Aufzählung von Werken und Urkunden; ferner
eine Studie von Rob. Longhi über »Battistello« (Giovanni
Battista Caracciolo) und dessen Malereien, ebenfalls mit
einem Verzeichnis seiner Werke. Giuseppe Fiocco widmet
der Jugend des Giulio Campagnola einen illustrierten
Aufsatz, Carlo Cipolla schreibt über die Kirche Santa Ana-
stasia in Verona, Angelina Rossi über die Bedeutung der
Sibyllen in der italienischen Kunst. Ferner werden Werke
besprochen von Barnaba di Modena, Chiodarolo, Gentile
da Fabriano, und Luigi Biagi gibt Notizen zu einigen
Bildern der Vatikanischen Pinakothek.

Die englischen Zeitschriften erscheinen regelmäßig
und in gewohnter Ausstattung. Die Nummern des Bur-
lington Magazine von April bis einschließlich Oktober ent-
halten in verschiedenen Nummern weiter Notizen von
Lionel Cust zu Kunstwerken in den königlichen englischen
Galerien (Bildnis des Byron und Herrenbüste von Canova,
Darstellung einer Bildergalerie von Gonzales Coques).
Derselbe schreibt auch ferner für jede Lieferung eine Reihe
von Bildernotizen, zuletzt über die Mona Lisa, gegen die
Anzweiflungen ihrer Echtheit erhebt er seine Stimme.
Im allgemeinen sind Bildnotizen und Notizen über Tep-
piche und Möbel die Hauptlektüre, welche das Burlington
Magazine uns bietet. Von allgemeiner Bedeutung ist Custs

Aufsatz über den Wirkungskreis der Londoner National
Gallery in bezug auf die Hemmung des Verkaufes von
Bildern aus englischem Privatbesitz in das Ausland. Von
den genannten Bildernotizen heben wir hervor den von
Robert C. Witt angestellten Rekonstruktionsversuch eines
von Witt dem Michiel Sweerts zugeschriebenen Bildes in
der Londoner National Gallery. Es stellt einen Herrn
vor, an einem Tische sitzend. Ein Knabe steht neben ihm.
Der Galeriekatalog schreibt das Bild dem Delfter Vermeer
zu, jedoch irrtümlich. Im Jahre 1910 fand sich in Paris
eine, gleichfalls an einem Tische sitzende Frau mit drei
Töchterchen. Jetzt stellte sich heraus, daß beide Bilder
zusammen ursprünglich ein Ganzes bildeten, wozu sie jetzt
wiederum vereint sind. Robert C. Witt, welcher das Gemälde
abbildet, schreibt es, wie gesagt, dem Michiel Sweerts
zu. Es hat auch unbedingt Ähnlichkeit mit dem Magde-
burger Sweerts, dessen Urheberschaft jedoch angezweifelt
ist. — Ferner ist von Bedeutung Herbert Cooks Aufsatz
über weitere Werke des Baldassare d'Este (Juninummer),
wo er folgende Bilder aufzählt und abbildet: das Münchner
Bild (die Familie Sacrati), das Londoner Bild, früher in
der Sammlung Salting (Konzert), das männliche Bildnis
(Baldassare selbst?) der Abdy-Auktion, Mai 1911, damals
dem Cosimo Tura zugeschrieben; das Bildnis eines Mu-
sikers in Dublin (früher dem Botticelli zugeschrieben);
Bildnis eines Unbekannten im Museo Correr in Venedig
(bis jetzt dem Ansovino da Forli zugeschrieben), und die
Bildnisse des Giovanni Bentivoglio und seiner Frau, welche
der Sammlung Dreyfuß in Paris angehörten und »Ferra-
rische Schule« getauft waren.

In der Juli-Lieferung publiziert Sir Claude Phillips ein
großes Bild des Battista Dossi, in der Sammlung des Captain
E. G. Spencer-Churchill. Wunderlich sieht das von Walter
Sickert in der August-Nummer wiedergegebene Bild des Hol-
länders Willem Maris aus und es fragt sich, ob es echt ist.
In der Oktober-Lieferung publiziert Tancred Borenius eine
Tafel mit dem hl. Fabian und dem hl. Sebastian, von Gio-
vanni da Paolo, aus der Sammlung des Mr. Robert Ross, und
Campbell Dodgson schreibt über zwei neue Dürer-Zeich-
nungen im British Museum. Sir Martin Conway eröffnet
eine Reihe von Aufsätzen über den Bamberger Domschatz,
während Schmidt-Degener ein Bild im Rotterdamer Museum
(Faun und Nymphe) dem Dosso Dossi zuschreibt. Ferner
seien noch erwähnt die gut illustrierten Aufsätze des Tancred
Borenius über eine kleine Bildersammlung in Oxford (Bilder
von Spinello Aretino, Agnolo Gaddi (?), Pietro Paolo da
Imola usw.), Robert C. Witts Aufsatz über vortreffliche
Bilder des El Greco, unlängst von der Galerie in Dublin
erworben, und die Abbildung in der Mai-Nummer eines
dem Rembrandt (um 1631) zugeschriebenen Ölgemäldes
mit der Anbetung der Könige, welches dem Dr. O. Granberg,
Direktor des Stockholmer Museums, gehört.

Von Bedeutung ist endlich eine Reihe von reich illu-
strierten Aufsätzen, die Bernard Backham über die Ge-
schichte der italienischen Majoliken schreibt aus Anlaß der
von ihm gewürdigten Publikation O. von Falkes über die
Majolikasammlung Alfred Pringsheim in München.

Die Zeitschrift The Studio ist, wie immer, hauptsäch-
lich der modernen, vorwiegend englischen Kunst gewidmet,
 
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