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Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 27.1916

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Kriegergrabmal und Kriegerdenkmal

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Versteigerungen und abseits vom eigentlichen Kunst-
markt noch suchen und finden können, und daß sie
für ihre Sammlungen vielfach andere Ziele verfolgen
als die Privatsammler und Händler.

KRIEGERGRABMAL UND KRIEGERDENKMAL

ZUR AUSSTELLUNO DES LEIPZIOER KUNSTGEWERBEMUSEUMS

Die im Juni vom Kunstgewerbemuseum zu Leipzig
veranstaltete umfangreiche Ausstellung von Krieger-
ehrungen aller Art hat als Grundstock die bereits an
verschiedenen Orten gezeigte Auswahl der Mannheimer
Kunsthalle. Dazu kam aber in Leipzig eine vom
stellvertr. Generalkommando eingerichtete Abteilung,
zu der die sächsischen Truppen im Felde reiche Bei-
träge in Photographien, Modellen und Entwürfen bei-
gesteuert haben. Ferner Sonderausstellungen der Aka-
demie für graphische Künste, des Stadtgeschichtlichen
Museums, des Sächsischen Heimatschutzes und des
Professors G. Lamprecht-Leipzig. Bei dieser Vielge-
staltigkeit überrascht es nicht, wenn der Rahmen weiter-
gezogen erscheint als der offizielle Titel andeutet, so daß
kunsthistorische Querschnitte allgemeinerer Art durch
das weite Gebiet des architektonischen und plastischen
Denkmals gelegt werden können.

Das große Verdienst der Herren Dr. Storck und
Dr. Hartlaub in Mannheim bleibt die wissenschaftlich
vertiefte Durchgliederung des gesamten Gebietes. Auf
einem breiten historischen Fundament (Photographien
in systematischer Anordnung von Assyrien und Ägypten
bis auf die Freiheitskriege und weiter) erhebt sich die
Moderne, deren Bearbeitung etwas ausgesprochen
Programmatisches hat. Es handelt sich darum, die
Grundformen, die Typen als solche in möglichster
Reinheit herauszuschälen, wobei die Art der Aufgabe:
Grabkreuz, Grabstein, Denkstein, Reihen- und Massen-
grab usw. sowie das gewählte Material die Gliederung
vorzeichnet. Schlichte Gediegenheit und eine gewisse
Unauffälligkeit werden mit Recht als Haupterforder-
nisse des Kriegergrabes hingestellt. Anknüpfung an
heimische Traditionen, besonders an die naiv schmuck-
freudigen Holz- und Schmiedeeisenkreuze Bayerns und
des übrigen Südens, gilt als fördernswert. Wo eine
größere Aufgabe zu monumentalerem Gestalten zwingt,
bietet die Überlieferung des Klassizismus und Empire
den naturgemäßen Ausgangspunkt. Die Formen-
sprache dieser bedeutenden Epoche erklingt, zum
orchestral Volleren gesteigert, in den strengen, herben
Obelisken des Mannheimer H. Esch, in den zierlicheren,
gefälligen Denkmalsentwürfen von Vierthaler in Han-
nover wie in den Tempelanlagen und Ehrenhainen eines
Wilhelm Kreis. Die höchst fesselnde Gruppe der
Wiener (Josef Hoffmann, Strnad, Foltin u. a.) greift in
ihrer Weise ebenfalls auf das Empire zurück, behält
dessen einfache lineare Struktur bei, entwickelt sie
aber aus dem Tektonischen bewußt in das ornamental
Flächenhafte. Eine Fülle interessanter Gedanken, be-
sonders für einfachere Begräbnisstätten, zeichnet diese
Abteilung aus, manche überzeugend in ihrer klaren
Eigenart, andere gesucht oder für unser Gefühl zu
spezifisch österreichisch. Entwürfe, die denen der

Wiener nahe stehen, zeigen Tiersch-Halle und Breu-
haus-Düsseldorf. In gewisser Weise berühren sich
auch die Grabplatten- und Grabsteinentwürfe von Peter
Behrens mit den Wiener Bestrebungen, aber alles er-
scheint bei ihm wuchtiger, ernster und berechneter.
Das Material, einfacher Ziegelbau, spricht in seinen
verschiedenen Entwürfen entscheidend mit.

Von bedeutenderen Bildhauern, die auf der Aus-
stellung mit Entwürfen vertreten sind, ist vor anderen
G. Kolbe mit einer wundervollen Gruppe zu nennen,
die den Gedanken jugendlichen Opfermutes in hin-
reißend edler Form verkörpert. Daneben ein tüch-
tiger kniender Jüngling von E. Wenk, das bekannte
Kriegerdenkmal von Klinisch für Saarbrücken und
mehrere feinsinnige Entwürfe von Gerh. Mareks. Reich
vertreten ist die mehr dekorative Plastik, der u. a. die
Entwürfe der Architekten E.Bieber (München), P. Bonatz
(Stuttgart) und H. Esch einen bedeutenden Platz ein-
räumen. An den Denkmälern größten Stiles, die als
Nationalmonumente gedacht sind, tritt dagegen der
bildhauerische Schmuck sehr zurück. Hier ist an
erster Stelle das große Bonatzsche Modell zu nennen,
das einen klaren und wirkungsvollen architektonischen
Gedanken mit rein baukünstlerischen Mitteln durch-
führt, den Schmifzschen Denkmälern in der Wucht
des Aufbaues verwandt, aber ruhiger, gesammelter in
der Gesamtwirkung und frei von Einzelheiten frag-
würdigen Geschmacks. Von dem Bonatzschen Projekt,
das ernsteste Beachtung verdient, existieren mehrere
verschieden gelungene Fassungen. Eine verwandelt
den ursprünglich quadraten Grundriß ins Zehneck
und setzt die mächtigen vier Rundbögen in zehn
Spitzbögen um — eine in der Silhouette vielleicht noch
geschlossenere und ausgeglichenere Lösung als sie
der erste Plan bietet.

Auf dem Gebiete der Kriegerfriedhofanlagen ist
bereits Gutes geschaffen worden, wie die photogra-
phischen Aufnahmen und Pläne aus Duisburg, Barmen,
Braunschweig, Karlsruhe und München (Waldfriedhof
von Grässel) beweisen. Idealentwürfe zeigen Gilde-
meister (Bremen), Pflaume (Köln) und (besonders
interessant und selbständig) H. Maaß (Lübeck).

Schließlich, um von den unvermeidlichen Nage-
lungen zu schweigen, noch die Gruppe der Gedenk-
tafeln und Epitaphien. Der Gedanke, sich einer bereits
gegebenen räumlichen Situation einzupassen, ist spe-
zifisch modern zu nennen. Wie man in ländlichen
Gemeinden Gedenktafeln an Kapellen, Kirchenportalen,
an Pfeilern, ferner an Wohnhäusern usw. anbringen
kann, zeigen Entwürfe des Bayerischen Vereins für Volks-
kunst und Volkskunde und des Vereins für Heimat-
schutz in Steiermark. Zu den von Mannheim aus-
gewählten Beispielen kam in Leipzig ein Entwurf von
Fritz Drechsler, der eine solche Gedächtnistafel in
reicheren Formen in eine als Ehrenhalle umgestaltete
Kapelle einbaut (zur Ausführung bestimmt für Wahren
bei Leipzig). Noch ein zweites, allerdings ganz anders-
artiges Projekt ist unter den wenig zahlreichen Leipziger
Entwürfen hervorzuheben: die große Studie zum West-
abschluß des Deutschen Platzes in Leipzig vom Archi-
tekten Pusch, dem Schöpfer der Deutschen Bücherei.
 
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