Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 27.1916

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Personalien — Wettbewerbe

lose und leicht behandelten Naturstudie entgegen; so
unmittelbar wirkt die hier in einen engen Rahmen
gebannte Impression, und so sehr sind alle Details
dem Gesamteindruck untergeordnet. — Eine feine, e*cht
holländische Landschaft mit Enten in einem Graben
zwischen hohem saftigem Schilf und niedrigem zart-
grünem Gebüsch, ein Werk von Geo Poggenbeek
aus dem Jahre 1884, darf auch als ein sehr will-
kommener Zuwachs begrüßt werden (Nr. 1896a),
da das Museum von diesem Kleinmeister der Haager
Schule bisher nur ein einziges Werk besaß.

Eine wichtige Erwerbung ist ferner die säugende
Mutter von Albert Neuhuys, (Nr. 2950p) ein Ge-
mälde in Wasserfarben. Neuhuys war bisher nur durch
zwei Ölgemälde vertreten, ein früheres Werk, die be-
kannte Fischerliebschaft, aus dem Jahre 1880, noch
etwas hart und kalkig in der Farbe und etwas süß-
lich in der Auffassung, und ein Interieur mit einer
kartoffelschälenden Larener Bauernfrau bei einer Wiege,
einem Werke aus dem Jahre 1897, das ihn als vollen
Meister in der Wiedergabe der feinen, weichen Über-
gänge und in der natürlichen Darstellung seiner ein-
fachen Landbewohner zeigt. Das neu erworbene Werk,
das aus dem Jahre 1892 stammt, steht dem letzteren
am nächsten: ein bäuerlicher Binnenraum mit einer
jungen Mutter, die ein Kind an der Brust hat, ein
von Neuhuys oft variierter Vorwurf, aber hier von
einer seltenen Schlichtheit und Innigkeit. Mit keinen
besonderen Reizen hat der Maler dieses einfache Modell
ausgestattet; nur durch den geheimnisvollen Zauber
der Mütterlichkeit wirkt die Figur; sehr fein ist hier,
daß neben der stillen Seligkeit des Mutterglücks auch
die andere Seite des Muttergefühls, die leise Bangig-
keit um die Zukunft in dem fragenden in die Ferne
Starren zum Ausdruck gebracht ist. Aber das Senti-
ment ist ohne Empfindelei, trotz des Betonens des
geistigen Elements bleibt die Figur naturwahr, dazu
hatte Neuhuys zu viel Ehrfurcht vor der visuellen
Wirklichkeit; das beweist auch die sorgfältige Wieder-
gabe der Details, wie wahr ist z. B. das zarte, kaum
wahrnehmbare Geäder auf der einen Hand wiederge-
geben und wie körperlich sind die dicken, rötlichen
Finger. Das allgemein Menschliche, der stärkere gei-
stige Gehalt in diesem Werke hat ihm den Namen
»Nordische Madonna« eingebracht.

Zum Schluß müssen wir noch ein Kircheninterieur
von Joh. Bosboom (Nr. 584b) nennen, das zu den
besten Werken dieses großen Architekturmalers ge-
rechnet werden darf; es ist ein Gemälde aus seiner
reifen, späteren Zeit, wo er sich viel reicher und
freier gibt, viel breiter und kräftiger, als in den etwas
ängstlichen und teilweise glatten Werken einer früheren
Periode, mit denen er bisher allein im Museum ver-
treten war. Der Vorwurf ist der denkbar einfachste,
das Seitenschiff einer hohen Kirche, das sich in einem
dunkeln Hintergrunde verliert und das aus hohen
Fenstern zur Linken sein helles Licht empfängt; weiß
getüncht und schmucklos sind die Mauern, nur an
einem Pfeiler gegenüber den Fenstern leuchtet ein
rotes Epitaph; ein paar kleine Figuren lassen den
Raum nur noch höher und weiter erscheinen; und

das Sichdehnen des Raumes und sein Erfülltsein von
Licht und Schatten, das ist allein das Thema des
Malers; die Kirchenarchitektur ist nur der Vorwand
dafür. Das alles ist in wahrhaft virtuoser Weise dar-
gestellt, und das kleine Werkchen ist von einer
Plastizität und Tiefenwirkung, wie sie nur wenigen
Architekturmalern gelungen ist. Aber was man hier
vergebens sucht, das ist Gefühl für die geistige Be-
deutung des dargestellten Baues; das war nicht
Bosbooms Sache; er betrachtete eine Kirche nur vom
Standpunkt eines Malers, irgendwelche religiöse oder
mystische Empfindungen löste ein Kircheninneres
nicht in ihm aus, und dergleichen auszudrücken war
nicht seine Absicht; der Priester z. B., der sich im
Vordergrund des Gemäldes bewegt, ist nur Staffage.
Alles in allem genommen, bedeuten so die Erwer-
bungen aus der Sammlung Randwyck eine wesent-
liche Bereicherung der modernen Abteilung des Rijks-
museums. M. D. H.

PERSONALIEN
Professor Dr. Friedrich Sarre ist zum Major be-
fördert worden und hat das Eiserne Kreuz I. Klasse erhalten.

Professor Dr. F. Haack hat als Hauptmann an der
Herbstschlacht in der Champagne teilgenommen und ist
mit dem Eisernen Kreuz erster Klasse ausgezeichnet worden.

In dieSachverständigen-Kommissionfürdie indisch-
asiatischen Sammlungen bei den Berliner Museen ist
an die Stelle des verstorbenen Prof. Ehrenreich Prof. Dr.
Mann und an die für die ostasiatische Abteilung Prof.
Dr. Tafel getreten.

WETTBEWERBE
Das Bürgermeisteramt der Stadt Brüx in Böhmen
hatte einen Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für
ein Freischwimmbad ausgeschrieben. Der erste Preis fiel an
einen Architekten, der seinen Namen nicht angegeben hat;
der zweite Preis wurde dem Architekten Josef Wentzler in
Köln zuteil; den dritten Preis endlich erhielt ein Brüxer
Stadtbaumeister, Gustav Kahleis. Zwei weitere Entwürfe
reichsdeutscher Architekten wurden zum Ankauf empfohlen.

Der Magistrat in Stettin veröffentlicht das Ergebnis
der Beratung des Preisgerichts zum Stadthallen-Wett-
bewerb. Einstimmig war dies der Ansicht, daß keiner der
vorliegenden sieben Entwürfe zur Ausführung geeignet war.
Der ausgesetzte Preis von 3000 Mark wurde den Verfassern
der drei besten Wettbewerbentwürfe zuerkannt. Dies sind
die Architekten Professor Bonatz und Scholer in Stuttgart,
Jürgensen und Bachmann in Charlottenburg und Prof. Franz
Schwechten. Das Preisgericht beschloß ferner, einen erneuten
Wettbewerb unter den drei Preisträgern zu empfehlen.

Der Beratungsausschuß für Heldengräber in der
Provinz Ostpreußen schreibt zur Erlangung von Ent-
würfen zu Heldenhainen unter den in Ostpreußen, West-
preußen, Pommern, Posen, Schlesien und in der Provinz
Brandenburg ansässigen oder in Ostpreußen geborenen
Künstlern einen Wettbewerb aus. Vier Preise stehen
zur Verfügung, der Ankauf mehrerer Entwürfe für je 50 Mark
ist geplant. Unter den Preisrichtern sind u. a. der Landes-
hauptmann von Berg, Baurat Prof. Dr. Dethlefsen, der
Generalkonservator Ostpreußens, endlich der neuberufene
Direktor der Königsberger Kgl. Kunstgewerbeschule Re-
gierungsbaumeister Edmund May.
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