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Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 27.1916

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https://doi.org/10.11588/diglit.6189#0119

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KUNSTCHRONIK

Neue Folge. XXVII. Jahrgang 1915/1916 Nr. 23. 3. März 1916

Die Kunstchronik und der Kunstmarkt erscheinen am Freitage jeder Woche (im Juli und August nach Bedarf) und kosten halbjährlich 6 Mark.
Man abonniert bei jeder Buchhandlung, beim Verlage oder bei der Post. Für Zeichnungen, Manuskripte usw., die unverlangt eingesandt werden,
leisten Redaktion und Verlagshandlung keine Oewähr. Alle Briefschaften und Sendungen sind zu richten an E.A.Seemann, Leipzig, Hospitalstr. 11 a.
Abonnenten der Zeitschrift für bildende Kunst erhalten Kunstchronik und Kunstmarkt kostenfrei. Anzeigen 30 Pf. die Petitzeile; Vorzugsplätze teurer.

PERSONALIEN

Als Stadtbaurat in Dresden und damit als Nach-
folger Hans Erlweins ist der Direktor der Breslauer Aka-
demie für Kunst und Kunstgewerbe Architekt Prof. Hans
Poelzig in Aussicht genommen. In letzter Woche war ein
sechsgliedriger Ausschuß der Dresdner Stadtverordneten
in Breslau, um dort mit Poelzig zu verhandeln und seine
Bauten, namentlich die Ausstellungsgebäude in Scheitnig,
zu besichtigen. Die Herren haben überaus befriedigende
Eindrücke gewonnen. Poelzig hat die Bedingung gestellt,
daß er zugleich an der Technischen Hochschule zu Dresden
lehren dürfe. Unrichtig ist die Meldung, er habe den Lehr-
stuhl für Hochbau an der Technischen Hochschule und an
der Kgl. Kunstakademie, wie ihn Wallot seiner Zeit inne
hatte, verlangt. Davon kann gar keine Rede sein, denn ein
Stadtbaurat für Hochbau in Dresden hat gerade genug zu
tun, um alles zu bewältigen, und eine Doppelstellung, wie
sie Wallot inne hatte, erfordert ebenfalls die ganze Arbeits-
kraft eines Mannes. Aber zu einem zweistündigen Wochen-
kolleg gibt die Tätigkeit des Stadtbaurates die Zeit noch
her, und dem Stadtbaurat wäre damit Gelegenheit geboten,
sich tüchtige Mitarbeiter heranzuziehen. Für Dresden wäre es
sehr wünschenswert, daß die Verhandlungen mit Hans Poelzig
zu einem guten Ende kämen. Dresden dürfte sich beglück-
wünschen, einen so ausgezeichneten Architekten zu gewinnen.

Der preußischen Landeskunstkommission zur Be-
ratung über die Verwendung der Fonds für Kunstzwecke
gehören nach den neuesten Berufungen folgende Künstler
und Kunstgelehrte als Mitglieder an: Wilhelm von Bode
in Berlin, Ludwig Dettmann, jetzt auch in Berlin, Graf von
Dönhöff-Friedrichstein auf Schloß Friedrichstein bei Löwen-
hagen, Otto von Falke in Berlin, Eduard von Gebhardt in
Düsseldorf, Wilhelm Haverkamp in Berlin, Ludwig Justi
in Berlin, zurzeit im Felde, Arthur Kampf, Heinrich Kayser
und Max Liebermann in Berlin, Macco in Düsseldorf,
Ludwig Manzel in Berlin, Hans Olde in Kassel, Hans
Poelzig in Breslau, Fritz Roeber, Fritz Schaper, Max
Schlichting, Franz Schwechten und Louis Tuaillon in Berlin.

NEKROLOGE
Karl Begas, der am 23. November 1845 in Berlin ge-
borene jüngste Bruder von Reinhold Begas, ist 75 Jahre
alt gestorben. Außer bei Reinhold Begas war er in seiner
Jugend bei dem Bildhauer L. Sußmann an größeren Arbeiten
beschäftigt. Ein Aufenthalt in Rom vervollkommnete seine
Ausbildung. Die Berliner Nationalgalerie besitzt verschie-
dene Werke von Karl Begas, unter anderm eine Büste von
Marees vom Jahre 1878, den Silen mit dem Bacchusknaben
von 1876 und die Geschwister von 1878. Mannigfache
Dekorationsstücke in Berlin rühren von ihm her, auch in
der Siegesallee ist er mit den Gruppen-Denkmälern von
Otto IV. und Friedrich Wilhelm IV. vertreten. Sein Haupt-
gebiet war das naive Genre und die Bildnisplastik.

Mit Guglielmo Calderini (geb. 1840 in Perugia), der
in Rom im Alter von 76 Jahren starb, ist einer der hervor-
ragendsten Architekten des modernen Italien dahingegangen.

Aus zahlreichen Wettbewerben der sechziger und siebziger
Jahre ging er als Preisträger hervor oder erschwerte
anderen den Sieg mit glänzenden Konkurrenzentwürfen.
Er war der Erbauer des Justizpalastes in Rom,"des Arkaden-
vorhofes der Basilika von S. Paolo und des prächtigen
»Hotel Moderno« in Perugia. Auch als Restaurator
historischer Baudenkmäler war er tätig und auch als Kunst-
schriftsteller trat er hervor, so mit einer Studie über
Michelangelo. Gottfried Semper ist seinerzeit in mehreren
Artikeln in der Kunstchronik und Zeitschrift für bildende
Kunst für die Kunst Calderinis eingetreten.

WETTBEWERBE
Die Berliner Bildhauer-Vereinigung veranstaltet
jetzt einen vorbereitenden Ideenwettbewerb, der Gedenk-
tafeln für den Krieg behandelt. Die Entwürfe sind für
eine Flugschrift bestimmt, in der die Aktiengesellschaft
vormals Gladenbeck Abbildungen " zu etwa~25 Ehrentafeln
für gefallene Kriegsteilnehmer verbreiten will. Es sollen
Gedenktafeln für alle in Betracht kommenden Zwecke ent-
worfen werden. Der Wettbewerb ist zugänglich für die
Mitglieder der Bildhauer-Vereinigung und besonders ein-
geladene Künstler. Das Preisrichteramt übernahmen Pro-
fessor Ludwig Manzel, Regierungsbaumeister'Franz Seeck,
Bildhauer Karl Ebbinghaus, Professor Konstantin Starck
und Professor Wilhelm Haverkamp.

FUNDE

Ein neuer Frans Hals. In den altmodischen Räumen
der Amsterdamer Kunsthandlung Douwes in der Warmoes-
straat Nr. 73 ist augenblicklich ein neuentdecktes Bildnis
von Frans Hals zu sehen, das in ganz verwahrlostem Zu-
stande, mit großen Rissen und Sprüngen in der Klinik des
genannten Händlers und Restaurators Aufnahme'fand und
hier von seinen geschickten Händen auf neue Leinwand
gespannt und völlig wiederhergestellt wurde und'jetzt nur
darauf wartet, nach einer kleinen Rundreise durch hollän-
dische Museen nach seiner Heimat, der Pfarrei von Akersloot,
einem kleinen Ort in der Nähe von Alkmaar, zurück-
zukehren. Die als Halbfigur dargestellte Person ist näm-
lich der katholische Priester Nicolaus Stenius, der in
Akersloot von 1631 bis 1670 das Amt eines Seelsorgers
bekleidete und sich, wie aus dem Kirchenarchiv hervorgeht,
von Haarlems großem Meister porträtieren ließ. Das Bildnis
hing zuletzt ganz unbeachtet in einer dunkeln Ecke in dem
Erzbischöflichen Museum zu Utrecht, und niemand ver-
mutete in dieser Ruine, an der kaum etwas erkennbar war
und an dem nur die schrecklichen Wunden auffielen, ein
Werk des Frans Hals. Auch jetzt würde man es auf den
ersten Blick nicht für diesen impressionistischen Maler in
Anspruch nehmen, denn es hat einmal natürlich durch
schlechte Behandlung gelitten und verloren, und "dann ver-
mißt man hier das Halssche Brio und die breite, flüssige
Mal weise des Meisters; dieses Werk ist nicht mit ein paar
kecken Pinselstrichen hingehauen und gibt auch'nicht das
Geist- und Lebensprühende, das für Hals so charakte-
ristisch ist. Doch darf man des wiedergefundenen Werkes
 
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